In ihrer Hauptwirkungsstätte, der katholischen Kirche St. Franziskus in Schwenningen, haben sie immer gerne gepredigt, wie Pfarrer Michael Schuhmacher (links) und Andreas Schulz sagen. Foto: Mareike Kratt

Dankbar und zufrieden können sich Pfarrer Michael Schuhmacher und Andreas Schulz am kommenden Wochenende von der Seelsorgeeinheit verabschieden. Zusammen mit dem Schwarzwälder Boten blicken sie zuvor auf die „intensive Zeit“ in Schwenningen zurück.

Die Entscheidung weiterzuziehen, sei nicht einfach gewesen, geben die beiden katholischen Pfarrer zu.

 

Noch gut eine Woche verbleibt Schuhmacher und Schulz, um Lebewohl zu sagen – und um auf die geleistete Arbeit zurückzublicken.

Seit 26 Jahren im Team unterwegs

Es sei eine intensive Zeit in der Seelsorgeeinheit gewesen, sagt Andreas Schulz sofort, in die sich beide Pfarrer mit ihren Fähigkeiten eingebracht hätten.

Stets zu zweit, wie sie es zuvor schon 13 Jahre lang in Sindelfingen und drei Jahre lang in Wangen im Allgäu gemacht hätten – „Gottseidank!“, wie beide gleichermaßen empfinden. Denn: „Bei all den Herausforderungen ist es notwendig, sich gegenseitig zu stützen“, erklärt Schulz. Grundsätzlich seien sie vom Wesen her unterschiedlich, erläutert derweil Michael Schuhmacher. Pfarrer Schulz habe ihm oft den Rücken frei gehalten, um sich etwa politisch engagieren zu können. Die Vita communis, das Team-Pfarramt, sei sowohl in menschlicher als in beruflicher Hinsicht hilfreich – und habe es zudem ermöglicht, so manches anzustoßen.

„Hochachtung vor dem Ehrenamt“

Angestoßen haben beide in der Tat vieles – aber immer in Begleitung von anderen, betonen die Pfarrer. „Es ist beeindruckend, dass viele Menschen den Weg mitgegangen sind“, unterstreicht Michael Schuhmacher sein Anliegen, die Menschen stets miteinzubinden und von Gott begeistern zu lassen. Das Paradebeispiel sei der Aufbau des Familien- und Begegnungszentrum St. Elisabeth gewesen. „Es hat mich immer fasziniert, dass sich die Menschen von der Idee haben so anstecken lassen“, sagt Schuhmacher rückblickend. Und: „Ich habe massive Hochachtung vor dem Ehrenamt“, meint er in Bezug auf den unermüdlichen Einsatz und das Zusammenspiel vor allem der Kirchengemeinderäte. Das Leitmotiv „Familien auf dem Weg des Glaubens“ hätte hier gut umgesetzt werden können.

Familien im Fokus

Überhaupt sei beiden Pfarrern das Familienpastoral ein Hauptanliegen gewesen. Bei der Kommunionsvorbereitung zum Beispiel hätte die Gemeinde einen sogenannten Familien-Halbtag veranstaltet, bei dem alle Familienmitgliedern durch unterschiedliche Angebote an den Glauben herangeführt wurden. Den Glauben könne man aber nicht erzwingen, betont Andreas Schulz gleichzeitig. „Alle haben wir nicht erreicht.“ Nicht selten seien auch Frust und Ernüchterung geblieben. „Wir säen aus, andere müssen gießen und es wachsen lassen“, lautet stets das Konzept der beiden 59-Jährigen.

30 Prozent weniger Personal und Raum

Das „Leben um den Kirchturm herum“ müsse eben immer lebendig gehalten werden, findet Andreas Schulz. Dabei hätten beide versucht, „das Ganze im Blick zu haben“. Damit meint Schulz sowohl die Jugendarbeit mit ihren Höhen und Tiefen als auch die Einzelheiten der Seelsorgeeinheiten, die miteinander verknüpft werden müssten. „Es muss zusammengeführt werden, was Doppelstrukturen hat und Kräfte raubt“, erklärt er. Denn: Nach Vorgabe der Erzdiözese muss nicht nur 30 Prozent pastorales Personal, sondern auch 30 Prozent an Gebäuden eingespart werden.

Große bauliche Veränderungen

Die Seelsorgeeinheit Neckar-Baar habe sich jetzt schon konsolidiert und sei, was den „Gebäudereduzierungsprozess“ betrifft, sei der Diözese konzeptionell voraus. Die Pfarrer denken dabei an das alte Pfarrhaus in Weigheim, das jetzt als Café genutzt wird, sowie den ehemaligen Kindergarten in Tuningen, der derzeit der Flüchtlingsarbeit dient. Nichts Neues ist es, dass die Gemeinde St. Franziskus-Mariä Himmelfahrt in Schwenningen vor großen baulichen Veränderungen steht: Das große Gemeindehaus an der Erzbergerstraße wird veräußert, das Pfarrhaus und der Kindergarten rund um die St. Franziskus-Kirche werden abgerissen. An der St. Franziskuskirche soll dafür ein neues Gemeindehaus entstehen, die neuen Pfarrer werden in Dienstwohnungen an der Mariä-Himmelfahrtskirche unterkommen.

„Wir haben die Stelle so aufgestellt, dass sie attraktiv für unsere Nachfolger ist“, findet Andreas Schulz. Wiederum soll die Stelle doppelt ausgeschrieben werden – „allein wird einer die ganzen Dinge nicht stemmen können“, sind sich beide einig. Spätestens, wenn die neuen Dienstwohnungen Anfang nächsten Jahres fertig sein sollen, hoffe man, dass sich neue Pfarrer für die Seelsorgeeinheit finden.

Umstrukturierungen in neuer Heimat

Was hier also schon an Umstrukturierungen und Reduzierungen realisiert wird, stehe in der neuen Seelsorgeeinheit in Waiblingen im Rems-Murr-Kreis für Michael Schuhmacher und Andreas Schulz noch aus. Überhaupt würden die Gemeindemitglieder dort vor einer großen Umbruchsituation stehen: Der bisherige Pfarrer habe 50 Jahre in Waiblingen gewirkt, und die Seelsorgeeinheit umfasse noch vier Kirchen innerhalb und zwei Kirchen außerhalb der Stadt.

Ganz absehbar, was die nächsten zehn Jahren auf sie kommt, sei es also noch nicht, blickt Andreas Schulz voraus. Fest stehe hingegen, dass es für die Pfarrer als Team weitergeht und dass der Umstrukturierungsprozess wiederum mit den Gemeindemitgliedern gemeinsam erfolgen soll. Ehe die 59-Jährigen ihre neue Pfarrstelle im Herbst antreten, werden sie die Zeit für Weiterbildungen nutzen, eine Estland-Reise mit dem Hilfswerk sowie nach Rom unternehmen und vielleicht auf dem Jakobsweg pilgern.

Zufrieden und dankbar

Was bleibt aus der Zeit in der Seelsorgeeinheit? „Genugtuung und Zufriedenheit“, sagen die Geistlichen. Die Art, die Katholizität zu leben, sei in Schwenningen durch die Offenheit und die Internationalität der Bürger besonders gewesen, betont Michael Schuhmacher zudem. „Du darfst ankommen und sein.“

Er werde gerne und dankbar an Schwenningen zurückdenken, weiß Andreas Schulz – „mit einem Staunen, was möglich war.“

Doch, wenn die beiden Pfarrer ihren Abschiedsgottesdienst am ersten Mai-Wochenende hinter sich haben, werden sie „keinen Blick zurück“ mehr wagen – das sei besser so. „Wir ziehen weiter!“

Der Abschied von Michael Schuhmacher und Andreas Schulz

Der Gottesdienst
Die Eucharistiefeier mit Verabschiedung der beiden Pfarrer findet am Sonntag, 5. Mai, 10 Uhr, mit anschließendem Stehempfang in der St. Franziskus-Kirche statt.

Wie geht es weiter?
„Es ist alles vorgeplant“, nehmen Michael Schuhmacher und Andreas Schulz die möglichen Sorgen vor der Vakanz. Alt-Dekan Albrecht Zepf werde die Seelsorgeeinheit ab dem 1. Mai unterstützen, und für die Monate Mai und Juni werde ein Aushilfspräses Gottesdienste halten. Diakon Christian Feuerstein ist zudem Hauptansprechpartner für die Seelsorgeeinheit.