Für Wilhelm Kern (links) rückt Tobias Schill in den Jettinger Gemeinderat nach. Foto: Geisel

Abschied: Ehemaliger Pfarrer scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Jettinger Gemeinderat aus

Älter als 62 Jahre, mehr als zehn Jahre Mitglied im Gemeinderat – damit erfüllt Wilhelm Kern die Voraussetzungen, um das Jettinger Gremium auf eigenen Wunsch zu verlassen. Der Rat verabschiedete ihn unter vielen Worten der Anerkennung.

Jettingen. Einig war sich der Rat, Wilhelm Kerns Wunsch zu entsprechen. Und ebenso einig, dass er in den Reihen fehlen wird. Wilhelm Kern ist "ein echtes sozialdemokratisches Urgestein", sagte Bürgermeister Hans Michael Burkhardt. 50 Jahre ist Kern schon Mitglied der SPD. 1975 saß er erstmals im Gemeinderat, jedoch in seiner damaligen Heimat Ehningen. Nach einem Jahr führte ihn sein Vikariat aus der Gemeinde und so legte er das Amt nieder. Erst 2009, nach seiner Verabschiedung als Pfarrer, nahm Kern wieder am Ratstisch Platz – diesmal in Jettingen. Die hohe Stimmenzahl zeigte: "Sie sind nicht nur bekannt, sondern auch beliebt hier in der Gemeinde", stellte Burkhardt fest.

Wilhelm Kern spreche Dinge immer direkt an, fuhr der Rathauschef fort, sei "halt echt kernig und nie langweilig", ein "Virtuose des gesprochenen Wortes" und ein leidenschaftlicher Kommunalpolitiker. Die Zusammenarbeit sei immer sehr gut gewesen und sei es im Kreistag nach wie vor. Themen wie soziale Gerechtigkeit, Bildung und Betreuung sowie bezahlbarer Wohnraum seien ihm immer besonders wichtig gewesen. "Etliche Herzensangelegenheiten" Kerns hätten in seiner zwölfjährigen Amtszeit umgesetzt werden können. Ein Anliegen sei ihm aber auch, Platz für Jüngere zu machen.

Wolfgang Siebenrock (FWGJB) nannte Kern in der Sitzung "sowas wie unser soziales Gewissen". Er habe immer um die besten Lösungen für die Menschen im Ort gerungen. In einem Gedicht fasste er Kerns Wirken und Art zusammen.

Bertram Bader verabschiedete seinen Fraktionskollegen mit einem Rückblick auf dessen Motivation, in die Politik zu gehen und erinnerte, wie viele Facetten Kern bei der Ratsarbeit gezeigt habe. Er sei nicht nur der SPD verpflichtet gewesen. Auch die anderen Fraktionen – Clea Dürner für die Grünen, Hans-Martin Ott für die CDU – dankten dem heute 75-Jährigen für sein Engagement.

Zum Schluss ergriff Wilhelm Kern selbst das Wort und zeigte sich sehr bewegt, seine Gefühle seien gemischt. In der Landwirtschaft und vor allem der Schäferei der Familie habe er früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Sein Mandat habe er immer gerne ausgeführt, an Dingen mitzuwirken, die Kindern zugutekommen, sei eine "sehr beglückende" Tätigkeit gewesen. Ihm gehe es gut, "ich habe nur Grund, zu danken", doch wolle er seine Kräfte nun auf den Kreistag, seine Familie und sein Hobby schwäbische Predigten konzentrieren. Wilhelm Kern schloss seine wohl letzte Wortmeldung im Jettinger Gemeinderat mit einem umfassenden Dank an alle.

Sein Nachrücker wurde direkt im Anschluss verpflichtet: Tobias Schill.

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