Grenzach-Wyhlens Bürgermeister Tobias Benz strebt den Einzug ins Offenburger Rathaus an. Foto: Marie-Christine Gabriel

Dass Tobias Benz sich um den Posten des Oberbürgermeisters in Offenburg bemüht, war ein Paukenschlag. Das sagen die Gemeinderatsfraktionen in Grenzach-Wyhlen dazu.

Als Benz am Pfingstwochenende seine Pläne öffentlich gemacht hatte, neuer Oberbürgermeister der Ortenau-Metropole werden zu wollen, sorgte dies am Hochrhein zunächst einmal für einen Paukenschlag.

 

Unterhält man sich aber einige Tage später mit Mitgliedern der fünf im Grenzach-Wyhlener Gemeinderat vertretenen Fraktionen, herrscht dort auf breiter Front großes Verständnis für Benz’ Ankündigung, sich am 11. Oktober in Offenburg zur Wahl zu stellen.

Breite Rückendeckung für Benz

Diese Haltung im Ratsrund deckt sich durchaus mit der gemeinsamen Wahlempfehlung aller Fraktionen, als Benz 2022 zur Wiederwahl angetreten war – und diese mit 97,4 Prozent der Stimmen gewann.

Wie die Grenzach-Wyhlener Fraktionsvorsitzenden auf Nachfrage unserer Zeitung unisono bestätigen, hat Benz sie am Freitagvormittag vor Pfingsten – und kurze Zeit später alle übrigen Gemeinderäte – per E-Mail über sein Vorhaben informiert.

Das sagen die Freien Wähler

Die Fraktion der Freien Wähler hat sich nach Aussage von Sprecher Peter Weber und Gertrud Wittek „nach einem ersten Erstaunen“ am Pfingstwochenende ziemlich schnell wieder gefangen. „Dass Herr Benz noch weitere Ziele in seiner politischen Laufbahn verfolgt, davon sind wir in unserer Fraktion immer ausgegangen, auch bei seiner Wiederwahl. Wir haben uns trotzdem für ihn ausgesprochen, weil wir mit seiner Arbeit in weiten Teilen sehr zufrieden sind“, sagen Wittek und Weber. Die Fraktion könne „gut mit ihm zusammenarbeiten“, weil Benz bei Widerständen das Gespräch und nach gemeinsamen Lösungen suche. Benz sei zudem „immer offen für Kompromisse“.

Tobias Benz Foto: zVg/Benz

In den bisher zwölf Jahren, in denen er das Amt des Rathauschefs der Doppelgemeinde bekleidet, ist aus Sicht der Freien Wähler sehr viel erreicht worden. Beispielhaft nennen Weber und Wittek den Ausbau der beiden Ortsmitten in Grenzach und Wyhlen, die Sanierung der Rathäuser in Wyhlen, Sanierung, Erweiterung sowie Digitalisierung der örtlichen Schulen, den Bau zweier neuer Kindergärten, die Sicherung der ärztlichen Versorgung und den Ausbau des Angebots für Senioren „Er ist ein Bürgermeister, der stets für die Bürger zu sprechen ist“, resümieren Wittek und Weber.

Freie Wähler haben Verständnis

Dass Benz nun die Gelegenheit nutze, OB in seiner Heimat werden zu wollen, „dafür haben wir großes Verständnis, und wir wünschen ihm dabei viel Erfolg. Seine Aussichten sind aus unserer Sicht vielversprechend.“

Über eine mögliche Bürgermeister-Kandidatensuche wollen die Freien Wähler sich erst „zu gegebener Zeit“ Gedanken machen. Sofern Benz den Einzug ins Offenburger Rathaus nicht schaffen und in Grenzach-Wyhlen bleiben sollte, wolle die Fraktion mit ihm gerne weiterhin vertrauensvoll zusammenarbeiten, sagen Weber und Wittek.

Das sagen die Grünen

Mit einem knappen „Warum?“ reagiert Annette Grether, Sprecherin der Grünen im Grenzach-Wyhlener Gemeinderat, auf die Frage unserer Redaktion, ob die Fraktion überrascht sei von Benz Weggangplänen. „Jeder Mensch hat Pläne in seinem Leben. Ist doch okay“, hält Grether fest. Das zu Benz bestehende Vertrauensverhältnis sei deshalb keineswegs angekratzt, stellt Grether klar.

Noch keine Kandidatensuche

Sich zum aktuellen Zeitpunkt schon nach potenziellen Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Doppelgemeinde umzusehen, halte sie aber für „etwas zu viel Aktionismus“, sagt die Grünen-Fraktionssprecherin. Wie groß die Chancen für Benz in der Ortenau stehen, vermöge sie selbst nicht einzuschätzen. „Dazu kenne ich die Situation in Offenburg zu wenig“, hält Grether abschließend fest.

Das sagt die CDU

„Es ist legitim, sich nach zwölf Jahren anderweitig zu bewerben, zumal Offenburg die Heimatstadt von Herrn Benz ist“, sagt Ulrike Ebi-Kuhn, Sprecherin der CDU-Fraktion. Benz bringe aufgrund seiner Vita im Übrigen „beste Voraussetzungen“ für diese OB-Kandidatur mit.

CDU: „Benz hat viel erreicht“

Als Grenzach-Wyhlener Bürgermeister sei er in seinen bisher zwölf Amtsjahren nachweislich „ein Macher“, hält Ebi-Kuhn fest. Neue Formate wie Bürgersprechstunden und während der Corona-Zeit „Webex“-Online-Sprechstunden „waren für die Bürger ein Gewinn“. Auch kamen in dieser schwierigen Zeit eigene Impfstationen in Grenzach Wyhlen zustande. „Kultur wie Autokino oder Musikevents im Strandbad waren in der Region einzigartig“, blickt die CDU-Fraktionssprecherin zurück.

Benz sei bürgernah und durch sein Engagement auch bei Vereinen, Zünften und Blaulicht-Organisationen hoch angesehen. Sofern er in Offenburg das Rennen mache, „werden wir mit ihm einen sehr guten Bürgermeister verlieren“, sagt Ebi-Kuhn.

Das sagt die SPD

Auch die Grenzach-Wyhlener Sozialdemokraten ahnen, dass in Grenzach-Wyhlen womöglich bald eine Bürgermeisterwahl ansteht.

„Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Herr Benz eine große Chance hat, die Oberbürgermeisterwahl zu gewinnen. Er ist in der Ortenau aufgewachsen sowie in Offenburg zur Schule gegangen und hat offensichtlich weiterhin ein gewisses Netzwerk dort, was sicherlich Vorteile für die Wahl bringt“, sagt SPD-Fraktionssprecherin Katja Schäfer im Gespräch mit unserer Zeitung. Benz sei jung und habe in Grenzach-Wyhlen viele (Groß-)projekte vorangetrieben. „Er kann also auch Erfolge vorweisen“, resümiert Schäfer.

Schäfer: „Gegenkandidat nicht unterschätzen“

Aus ihrer Sicht ist Benz’ OB-Gegenkandidat (Julian Christ, Bürgermeister der Stadt Gernsbach) aber „sicherlich nicht zu unterschätzen, so dass es am Ende für Herrn Benz auch knapp werden kann“.

Ist die Grenzach-Wyhlener SPD-Fraktion bereits auf Kandidatenschau? „Nein“, hält Schäfer fest, „ich gehe aber davon aus, dass im Laufe der nächsten Wochen zunächst interne Gespräche geführt werden.“

„War absehbar“

Dass Tobias Benz nach Höherem strebt, wundert Schäfer keineswegs. „Es war nur eine Frage der Zeit, wann Herr Benz sich für den nächsten Schritt seiner beruflichen Karriere entscheidet. Wie gesagt, er ist jung und sehr aktiv und es war absehbar, dass der Weggang kommt. Persönlich also absolut nachvollziehbar“, sagt sie, räumt aber gleichzeitig ein, dass der Zeitpunkt dennoch „überraschend“ komme. „Tatsächlich bin ich davon ausgegangen, dass Herr Benz als Landrat kandidieren würde. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass er mit seiner Familie fest in Grenzach-Wyhlen verwurzelt ist“, sagt Schäfer.

„Kein Vertrauensbruch“

Dass Tobias Benz in der Mitte seiner zweiten Amtszeit nun am Absprung aus Grenzach-Wyhlen arbeitet, sei beileibe kein Vertrauensbruch, betont die SPD-Fraktionssprecherin. Sollte er die Wahl in Offenburg nicht gewinnen, „dann würde sich für uns als Fraktion nichts ändern. Es geht hier auch nicht um die Person Benz, sondern darum, dass unsere Gemeinde nicht zum Stillstand kommen darf“.

Die SPD-Ratsfraktion sei „im Großen und Ganzen zufrieden“ mit Benz’ bisheriger Arbeit als Bürgermeister. Sein Wahlprogramm habe er „zum Teil umgesetzt“, resümiert Schäfer. Die Projekte Neue Mitte Grenzach und Neue Mitte Wyhlen wurden angegangen. Benz habe außerdem immer Fördermöglichkeiten ausgeschöpft und weitere Punkte aus seiner To-do-Liste „abgearbeitet“, nennt Schäfer einige Beispiele für Benz’ erfolgreiches Wirken im Zusammenspiel mit dem Gemeinderat.

Das sagt die FDP

Die Chancen, dass Tobias Benz der nächste OB der Stadt Offenburg wird, schätzt die Grenzach-Wyhlener FDP-Fraktion als sehr hoch ein. „Wir denken, Herr Benz hat sehr gute Chancen, gewählt zu werden. Wir gehen aktuell davon aus, dass er das Amt gewinnen kann. Offenburg kann sich auf einen sehr guten Oberbürgermeister freuen – zumal er auch aus der Region stammt und die Ortenau bestens kennt“, sagen Ralf Blubacher, Felix Düster und Tilo Levante unisono. Doch zunächst einmal gelte es abzuwarten. Nach eigenen Angaben hat sich die dreiköpfige FDP-Fraktion bislang noch nicht ernsthaft mit möglichen Nachfolgern beschäftigt. „Das wird in den kommenden Tagen und Wochen Thema werden.“

„Unerwartete Chance“

Im Übrigen sichern die Freidemokraten dem Rathauschef schon jetzt ihre „volle Unterstützung bis zum Ende seiner Amtszeit“ zu. „Manchmal ergeben sich im Leben unerwartete Chancen, die man nutzen sollte. Genau das unterscheidet Menschen, die Dinge aktiv angehen, von denen, die nur darüber sprechen“, sagen die Freidemokraten.

Ist die Fraktion von Benz’ OB-Ambitionen nicht kalt erwischt worden? „Im ersten Moment war es natürlich ein kleiner Schock, verbunden mit dem Gedanken: Wer könnte ihm einmal nachfolgen? Schließlich verlieren wir einen sehr guten Bürgermeister. Im nächsten Moment überwog aber die Freude für Herrn Dr. Benz, dass sich für ihn diese besondere und einmalige Möglichkeit ergeben hat – und dass er bereit ist, sie zu nutzen“, sagen Blubacher, Düster und Levante. Aus Sicht der FDP-Fraktion wäre es übrigens wünschenswert, die neue Situation „weniger emotional zu betrachten und nicht zu viel hineinzuinterpretieren, sondern pragmatisch damit umgehen“.

Gutes Miteinander bleibt

Benz’ bisherige politische Bilanz fällt aus Sicht der Freidemokraten gut aus: „Benz hat in Grenzach-Wyhlen viel bewegt. Zahlreiche Projekte wurden angestoßen und umgesetzt. Die Zusammenarbeit war stets respektvoll und von einem konstruktiven Miteinander geprägt. Konflikte wurden zielorientiert und im Sinne der Bürger gelöst, auch mancher Kompromiss trägt seine Handschrift.“

Wobei die Fraktion sich manchmal wünschte, dass Anträge schneller bearbeitet würden. „Aber das wäre Jammern auf hohem Niveau“, stellen die drei FDP-Fraktionsmitglieder abschließend klar.