„Keine Entscheidung zu treffen ist die schlechteste Entscheidung“ – nach dieser Prämisse hat Jürgen Behr als Epfendorfer Gemeinderat gehandelt. Nach 15 Jahren macht er nun Platz. Eine Sache hätte er aber gerne noch verwirklicht gesehen.
„Geschichte und Politik waren schon immer Hobbys von mir“, sagt Jürgen Behr. Erlebnisse wie das, mal vor dem Lincoln Memorial in Washington zu stehen, hatten deshalb eine ganz besondere Bedeutung für ihn. Ebenso, wie sich für seine Heimatgemeinde politisch zu engagieren.
Franz Sauter habe ihn 1994 schon einmal darauf angesprochen, für den Gemeinderat zu kandidieren, erinnert sich Behr. Damals sei er aber in der Narrenzunft aktiv gewesen und habe sich darauf konzentrieren wollen. „Hätte ich beides gemacht, wäre beides nichts geworden“, ist sich der 69-Jährige sicher. Deshalb lehnte er den Vorschlag zur Kandidatur ab, behielt den Gedanken aber im Hinterkopf.
Engagement stets ernstgenommen
2009 war es dann soweit. Behr zog in den Gemeinderat ein und nahm sein Engagement dort sehr ernst. Oftmals habe er auch weite Wege auf sich genommen, um dienstags bei den Sitzungen dabei zu sein. Schließlich habe man da auch oftmals heiße Eisen auf dem Tisch gehabt.
Etwa die Entscheidung, sich bei der Wasserversorgung dem Zweckverband Kleiner Heuberg anzuschließen und das Wasserwerk in Epfendorf aufzugeben. Zu dieser Zeit habe man unter dem Ratstisch noch SMS hin- und hergeschrieben, erinnert sich Behr. Letztlich sei die richtige Entscheidung getroffen worden, wenn auch knapp, meint der 69-Jährige. „Das hätten wir auf Dauer nicht stemmen können.“ Außerdem seien durch das zuvor sehr „harte“ Wasser viele Waschmaschinen und Co. kaputtgegangen. Das sei nun viel besser, meint er.
Auch in Sachen Gewerbeentwicklung sei einiges gegangen. Zwar habe es um die 17 Jahre gedauert, aber nach anfangs nur einer Firma hätten sich im „Sandbühl“ mittlerweile einige angesiedelt.
„Wir brauchen klare Verhältnisse“
„Nicht ideal“ findet Behr die Entwicklung des Gewerbegebiets Schroten. „Für die Art der Vermarktung würde ich nicht mehr stimmen“, sagt er rückblickend.
Bedauerlich findet er auch, dass die Sirenen-Alarmierung im Gemeinderat keine Mehrheit erhalten habe. Eine solche wäre seiner Meinung nach aber wichtig. Schon als kleiner Junge habe er hier in seiner Heimatgemeinde etliche Hochwasserlagen miterlebt.
Negativ bewertet Behr – auch wenn man da als Gemeinde nichts habe machen können – dass die Hauptschule in Epfendorf nicht erhalten werden konnte. Deshalb verstehe er den Ärger der Harthausener und Trichtinger, aber „Wenn wir jetzt noch lange rummachen, gibt’s in Epfendorf auch irgendwann keine Grundschule mehr“, sagt Behr und nennt Lehrermangel als eine erhebliche Problematik.
Er hoffe darauf, dass das Gericht bald eine Marschrichtung vorgebe. „Und so ist es eben dann. Das sollte man dann akzeptieren. Wir brauchen klare Verhältnisse.“
Druck standhalten
Froh sei er darüber, dass man sich für den Erhalt des Lehrschwimmbeckens entschieden habe. In einer Gemeinderatssitzung, in der es um eine Entscheidung ging, hatte Behr eine Vertagung beantragt.
„Bei vollem Haus im Sitzungssaal sozusagen. Da muss man einen breiten Rücken haben“, macht er rückblickend deutlich, dass man als Gemeinderat auch oftmals Druck standhalten muss. Dann sei ja glücklicherweise „ImpulsE“ mit eingestiegen. Und nun werde das Lehrschwimmbecken weiterhin rege genutzt.
Alle profitieren voneinander
Als tolle Sache bewertet Behr den Besinnungsweg, den die katholische Kirchengemeinde umgesetzt hat, und der keineswegs nur für Katholiken etwas sei. Und natürlich die Schlichemklamm, die viele Touristen anziehe. Gemeinsam mit der wieder gut funktionierenden Gastronomie habe man hier ein tolles Angebot, findet Behr und freut sich darüber. Alle profitierten voneinander.
Kein Verständnis hat der digitalaffine Ex-Gemeinderat dafür, dass es in all den Jahren nicht gelungen sei, ein gutes Ratsinformationssystem auf den Weg zu bringen. Über ein solches habe man schließlich schon zu Zeiten Peter Bochs diskutiert, und es sei in anderen Städten und Gemeinden längst Standard.
Gute Vorbereitung ist alles
Nun, nach 15 Jahren, habe er sich entschlossen, Platz für jüngere Nachfolger zu machen, sagt Jürgen Behr. Er wünsche ihnen ein glückliches Händchen bei ihren Entscheidungen. Denn die seien bei einer kleinen Gemeinde mit geringen Gewerbesteuereinnahmen und vielen Pflichtaufgaben nicht immer leicht zu treffen. Man dürfe keine Angst vor Konfrontation haben. Außerdem sei es wichtig, bei den Sitzungen immer gut vorbereitet zu sein.
Seine zusätzlich gewonnene Zeit will Behr vor allem in seine Consulting-Firma stecken. Außerdem freut er sich aufs Fahrradfahren, Golfen und darauf, mal wieder einen Berg zu besteigen.
Was kommunalpolitisch in Epfendorf passiere, werde er mit großem Interesse weiterverfolgen, sagt er. Denn die Gesamtgemeinde habe ihm, nicht nur während dieser 15 Jahre als Gemeinderat, immer sehr am Herzen gelegen und werde es auch künftig.