Mit dem Rückzug von Karl Argast aus dem Zeller Gemeinderat geht ein Mann der deutlichen Worte. Er engagierte sich nicht nur für den Nahverkehr, sondern auch für Soziales.
Eine Ära geht zu Ende im Zeller Gemeinderat: Seit 1. Oktober 1999 war Karl Argast für die SPD Mitglied in diesem Gremium. Dabei war er nie still und zurückhaltend, sondern stets ehrlich, fordernd und sprach deutlich seine Meinung aus. „Ich habe versucht, immer Stellung zu beziehen, egal wie es ankommt.“ Am 26. Januar hatte er auf eigenen Wunsch seine letzte Sitzung im Gemeinderat, am 23. Februar wird er offiziell verabschiedet.
Dabei kam er mehr unverhofft in dieses Amt, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt. Auch in seiner Heimatgemeinde Kandern habe er sich damals aufstellen lassen, doch:„Völlig ohne Chance“. Denn viel bekannter sei er in Zell gewesen, weil er dort bereits 1980 als Fahrdienstleiter das erste Mal an „seinen“ Bahnhof kam und mit der Gründung von „Pro Schiene“ 1984 äußerst aktiv in die Öffentlichkeit trat. Im März 1995 nach Zell gezogen, saß er somit nur wenige Jahre später am Ratstisch.
Er wollte lieber in den Kreistag
„Eigentlich wurde ich überredet“, gibt er heute zu. Gleichzeitig kandidierte er für den Kreistag, denn das sei sein eigentliches „erstrebenswertes Ziel“ gewesen. Im Jahr 2000 rückte er dann in den Kreistag nach. Dort blieb er bis Mitte 2004. Seit 2014 ist er erneut ununterbrochen dabei.
Nicht nur die Bahn war wichtig
Klar, kennt man Karl Argast als „Mr. Bahn“ oder „Mr. Pro Schiene“ – denn der Nahverkehr zieht sich wie ein roter Faden durch seine Ratstätigkeit und sein Wirken in der Arbeitsgruppe Nahverkehr des Kreistags. Auch im Regionalverband Hochrhein-Bodensee brachte er sich ein. Im Gemeinderat ging es ihm ebenso um die Gestaltung des Zeller Bahnhofs als auch um den Güterwagenverkehr oder Busverbindungen in die Ortsteile. Ein Meilenstein sei etwa die Spätverbindung Richtung Todtnau gewesen.
Und auch die Vogtei Paradies hat ihn 1999 auf ihrem Fasnachtswagen gezeigt unter dem Motto: „De Argast Karle macht Dampf.“
Doch darauf möchte er nicht reduziert werden. Denn neben der Bahn habe es noch viele weitere Themen gegeben, wofür er sich engagiert hätte – genauso wichtig seien für ihn soziale Themen gewesen. „Ich war Feuer und Flamme für die AWO“, sagt Argast, der im Jahr 2000 dort eintrat und sich mittlerweile als Vize-Vorsitzender im Kreisverband engagiert. Darüber hinaus zählt er die Sanierung der Halle, die Einweihung des Betreuten Wohnens und auch den Kindergarten-Campus als Großprojekte in seiner Amtszeit auf. Und „Gott sei Dank“ habe man die Zeller Realschule erhalten können.
Klare Gründe für Rücktritt
Als Gemeinderat ist er 2024 in seine sechste Wahlperiode gestartet. „Ich kann also nicht alles falsch gemacht haben“, so sein verhaltenes Resümee. Doch für seinen jetzigen Rückzug gibt es Gründe. Ursprünglich wollte er erst Ende des Jahres aufhören, um seinem Nachfolger noch zweieinhalb Jahre Vorbereitungszeit zu gewähren. Dann sei aber an ihn herangetragen worden, früher aufzuhören – von den eigenen Fraktionskollegen, wie Argast offen sagt. Er spricht von „Nickligkeiten“. Es sei keine Wehmut vorhanden – „ganz im Gegenteil“, sagt er. „Ich fühle mich wohl, dass ich dieses Kapitel beenden kann.“
Auch im Kreistag stehe nun seine „finale Runde“ an. Wenn er es gesundheitlich schaffe, wolle er dort noch seine Legislatur abschließen.
Weitere Aufgaben stehen an
Künftig möchte er sich auf die anderen Aufgaben konzentrieren, etwa sein Engagement in der AWO, nicht nur für Senioren, sondern auch für Kinder. Zudem sei er gerade dabei, neue Busrouten für das Biosphärengebiet zu planen. Auch Pro Schiene mit der Tour de Bähnle und den Fahrkartenautomatenschulungen gehört weiterhin zu seinem Alltag. Aber: „In der Kommunalpolitik läuft dann nicht mehr viel.“ Im Kreistag werde er sich aber weiterhin für Zell einsetzen. Und Füße hochlegen? Das kommt für den 75-jährigen „Unruheständler“ so gar nicht in Frage.
Karl Argast wird in der nächsten Sitzung des Zeller Gemeinderats am Montag, 23. Februar, 19 Uhr, offiziell verabschiedet.