Silke Stanzel aus Grosselfingen ist Entspannungspädagogin. Auch im größten Stress könne man lernen, sich zu entspannen. Oft helfen sogar kleine Tricks, mehr Ruhe und Gelassenheit in den Alltag zu bringen.
Eigentlich könnte man meinen, dass entspannen und „runterkommen“ das Einfachste der Welt ist. Doch viele Menschen haben Probleme, abzuschalten und den Alltagsstress hinter sich zu lassen.
Silke Stanzel aus Grosselfingen ist Entspannungspädagogin und verhilft in Kursen der katholischen Erwachsenenbildung Balingen, Entspannungssuchenden zu mehr Balance und Gelassenheit, in dem sie verschiedene Entspannungstechniken lehrt.
„Unsere Zeit ist schnelllebig und wir sind reizüberflutet“
„Wenn sich der Körper an den Stress gewöhnt hat, fällt es schwer, abzuschalten“, sagt die 44-Jährige. „In dem Fall muss man Entspannen dann neu lernen.“ Dazu gibt verschiedene Methoden. „Unsere Zeit ist schnelllebig und wir sind reizüberflutet“, meint Stanzel dazu, warum es so vielen Menschen gestresst sind. „Wir unterdrücken unseren Entspannungsreflex und haben verlernt auf die innere Stimme zu hören.“
Einen großen Anteil daran hat laut Stanzel das Smartphone: Dadurch sei man ständig Reizen ausgesetzt und das Gehirn arbeite dauerhaft. „Außerdem nehmen wir uns für vieles einfach keine Zeit mehr“, erklärt sie – und schon gar nicht für sich selbst.
Denn wenn der Stress überhand nimmt, wird es gefährlich. Stanzel vergleicht den Menschen mit einem Gummiband: Es kann nur neu angespannt werden, wenn es zwischenzeitlich entspannt. Lockert man nicht, reißt das Gummi irgendwann – ähnlich verhalte es sich beim Menschen. Dauerhafter Stress schlage mit der Zeit auf die Gesundheit: Man schlafe schlechter, sei dann unkonzentrierter, bringe weniger Leistung, die Unfallgefahr steigt und ganz nebenbei werde man immer noch gestresster. „Bis es nicht mehr geht“, so Stanzel. Dabei gehört Entspannung auch zum erfolgreichen Arbeiten. „Bei Stress kann man oft nicht klar denken oder kreativ sein.“
Frühzeitig um das eigene Wohlbefinden kümmern
Dabei mahnt sie, sich frühzeitig um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. „Wir laden ja auch den Handyakku auf bevor er ausgeht und tanken das Auto, damit es nicht stehen bleibt“, vergleicht die Grosselfingerin.
Manche Technikenbrauchen Übung
Von September 2021 bis März 2022 ließ sich die 44-Jährige an der Akademie Gesundes Leben im hessischen Oberursel zur Entspannungspädagogin nach ganzheitlicher Methode ausbilden. Zu diesem Zeitpunkt durchlebte sie selbst eine stressige Lebenssituation und erhoffte sich dadurch Linderung. „Auch mein Leben ist seither entspannter“, sagt Stanzel, die in ihrem Hauptberuf als Produktmanagerin viel mit Deadlines und Unvorhersehbarem konfrontiert wird. Die Kurse gibt sie in ihrer Freizeit, wobei sie diese nicht als Arbeit an sich sieht – obwohl sie für die Anleitung der Kursteilnehmer zuständig ist, könne sie sich gut dabei entspannen.
Manche Techniken benötigen Zeit und ein gewisses Maß an Übung, bis sie den gewünschten Effekt erzielen. Beim autogenen Training etwa gehe es darum, sich durch Autosuggestion und Entspannungsformeln in einen Ruhezustand zu versetzen. Bei der progressiven Muskelentspannung werden verschiedene Muskelgruppen abwechselnd an- und entspannt, während man sich voll auf diesen Prozess konzentriert. Andere Praktiken, etwa Atemübungen, können auch spontan ein Entspannungsgefühl hervorrufen. „Das sind Sekunden, die einen enormen Effekt haben.“
Silke Stanzel gibt im Herbst bei der katholischen Erwachsenenbildung Balingen einen weiteren Kurs: „Neue Energie durch Entspannung“, ab 11. Oktober immer mittwochs von 19.15 Uhr bis 20.15 Uhr im Gemeindezentrum Edith Stein in Balingen. Weitere Informationen und Anmeldung im Internet.
Tipps zur Entspannung
Atmen
„Einfach mal tief durchatmen“, wird oft als Synonym für eine entspannte Rast verwendet. Laut Stanzel ist das auch der beste Rat für die schnelle Entspannung: Sich bewusst auf den eigenen Atem zu konzentrieren und tief ein- und auszuatmen. Man könne dies auch an bestimmte Tätigkeiten binden, etwa jeden Morgen beim Kaffee kochen oder bevor man mit dem Auto losfährt. “Man kann sich dann vorstellen, dass man den Stress und alles was man loswerden möchte, ausatmet.“
Lockern
Ebenso wirkungsvoll ist die vermeintliche Floskel „mach dich mal locker“: Vor allem im Sitzen könne man kurz alle Gliedmaßen ausschütteln: Bildlich also alles, was Stress verursacht, weg schütteln.
Lächeln
„Man kann sich auch einfach mal ein Lächeln schenken“, erklärt Stanzel. Das Gehirn interpretiere das als eine gute Sache.
Tagträumen
Kurz Pause machen, die Augen schließen und sich in Gedanken an einen Wohlfühlort beamen und dabei alle Sinne mit einbeziehen: Sich vorstellen, wie es riecht, was man hört und fühlt.
Bewusste Pausen
In Pausen nicht am Smartphone oder vor dem Fernseher sein, sondern sich bewusst auf das Essen oder das Umfeld konzentrieren: Wie schmeckt der Kaffee? Wie fühlt sich die Tasse an? Welche Geräusche gibt es im Hintergrund?