Die Mehrheit der Wahlberechtigten hat sich am Sonntag dafür ausgesprochen, dass der Sonderlandeplatz erhalten bleibt. Foto: Vichra

57,3 Prozent der Wahlberechtigten haben bis Redaktionsschluss gegen das Gewerbegebiet gestimmt.

Die Offenburger waren am Sonntag aufgerufen, gleich drei Stimmen abzugeben: Erst- und Zweitstimme für die Landtagswahl und eine weitere im Bürgerentscheid.

 

„Sind Sie für die Entwicklung des Sonderlandeplatzes (Flugplatzes) zu einem Gewerbegebiet auf Offenburger Gemarkung?“ Diese Frage beantworteten 57,3 Prozent der Wähler bis kurz nach 22 Uhr mit Nein. Drei Wahlbezirke von 60 waren bei Redaktionsschluss noch nicht ausgezählt.

Die Stadt wollte die rund 20 Hektar Baufläche in zwei Bauabschnitte von je zehn Hektar Größe zu einem Gewerbegebiet entwickeln. Angesiedelt werden sollte emissionsarmes produzierendes Gewerbe mit Fokus auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Speditionen oder reine Verteil- und Logistikzentren blieben außen vor.

Fliegergruppe muss sich keine neue Heimat suchen

Bürgermeister Steffens zeigte sich am Sonntagabend vom vorläufigen Ausgang des Bürgerentscheids enttäuscht: „Der Sonderlandeplatz bleibt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen, die bleiben allerdings auch. Der Gewerbeflächenmangel in Offenburg ist ein reales Problem“, betonte er. Die Stadt begründete die Pläne damit, dass der Mangel an Gewerbeflächen einen Hemmschuh für die Entwicklung der Offenburger Wirtschaft darstellten. Der Flugplatz sei ideal dafür geeignet, Unternehmen Raum für Wachstum zu bieten.

Im Vorfeld des Bürgerentscheids hatte sich eine ganze Reihe von Organisationen und Initiativen gegen die Umwandlung in ein Gewerbegebiet ausgesprochen. Unter anderem engagierten sich die Fliegergruppe Offenburg, die Bürgerinitiative Pro Flugplatz, die Einwohnergemeinschaft Hildboltsweier, die Einwohnergemeinschaft Uffhofen, der Nabu und der BUND für den Erhalt der Magerwiesen auf dem Flugplatz-Areal als artenreichen Lebensraum. Mit der Stadt und Akteuren wie etwa der Industrie- und Handelskammer – die sprach sich für die Gewerbefläche aus – lieferten sie sich einen regelrechten Wahlkampf rund um die Zukunft des Sonderlandeplatzes.

Die Gegner der Gewerbefläche hatten am Sonntagabend dann Grund zu feiern: Das Ergebnis des Bürgerentscheids sei ein „klares Signal für eine nachhaltige, flächensparende und gemeinwohlorientierte Stadtpolitik“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Insbesondere die rund 200 Privatflieger dürften erleichtert sein, da diese sich bei einem anderen Ausgang einen neuen Flugplatz hätten suchen müssen. Beim Offenburger Bürgerentscheid waren rund 47 000 Menschen zur Abstimmung über den Flugplatz aufgerufen.