Der Hechinger Landesbahnhof wird platt gemacht. Das Gebäude war 1901 mit Inbetriebnahme der Bahnstrecke Hechingen-Gammertingen eröffnet worden. Foto: Hardy Kromer

Das kann man einen stadtgeschichtlichen Einschnitt nennen: Der Hechinger Landesbahnhof, anno 1901 in Betrieb genommen, wird nach 125 Jahren abgerissen.

Generationen von Schülerinnen und Schülern, von Arbeitern und Angestellten, die aus dem hohenzollerischen Unter- und Oberland ins Mittelzentrum Hechingen pendelten, sind hier angekommen und abgefahren, haben am Schalter eine Fahrkarte aus hellbraunem Karton gelöst, die damals noch nicht Ticket hieß. Der Hechinger Landesbahnhof war jahrzehntelang ein wichtiger Anker der Verkehrsinfrastruktur im Hohenzollerischen.

 

Damit war spätestens Schluss, seit die Bahnstrecke Hechingen – Gammertingen 1997 durch ein Streckengleis mit dem darüber gelegenen „Bundesbahnhof“ der Deutschen Bahn verbunden wurde. Der Personenverkehr auf der Eyachtalbahn war schon 1972/73 für den Personenverkehr aufgegeben worden.

Jetzt geht auch die 125-jährige Gebäudegeschichte zu Ende, denn der Landesbahnhof wird abgerissen. In der vergangenen Woche waren schon Vorarbeiten zu erkennen. Am Montagmorgen begann dann der Abrissbagger sein Werk zu verrichten. In ein paar Tagen wird nichts mehr von dem seit vielen Jahren ungenutzten Gebäude zu sehen sein.

Lediglich das Gebäude fällt

Die Pressestelle der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) erklärt dazu auf Nachfrage: „Unter dem Oberbegriff des Landesbahnhofs sind auch sämtliche dort vorkommende Gleise, Weichen und Bahnsteige subsumiert. Diese Anlagen werden natürlich nicht abgerissen. Lediglich das ehemalige Bahnhofsgebäude am Landesbahnhof wird abgerissen. Dieses befindet sich in einem baufälligen Zustand. Da es keine bahnbetriebliche Nutzung mehr hat, ist eine Instandsetzung hier nicht mehr wirtschaftlich.“

Die Nutzbarkeit aller restlichen Anlagen des Landesbahnhofs, so die SWEG weiter, werde durch den Abriss des Gebäudes dauerhaft nicht eingeschränkt. Nur temporär müsse während der Dauer der Abrissarbeiten der Fußweg zwischen den Gleisanlagen und dem Gebäude abgesperrt werden.

„Künftig wird der Bahnsteig überplant“

Zur zukünftigen Nutzung erklärt die SWEG: „Künftig wird der Bahnsteig überplant und voraussichtlich erneuert. Dabei werden auch die nun frei werdenden Flächen genutzt. Übergangsweise wird die SWEG Schienenwege GmbH die Flächen zur Abstellung der Fahrzeuge des Instandhaltungsbereichs verwenden.“

Ein Blick in die Geschichte: Der Bau des Landesbahnhofs war eine Folge der Gründung der „Hohenzollernschen Kleinbahngesellschaft“ am 5. Juli 1899. Diese sollte eine Bahnstrecke von Hechingen nach Sigmaringen bauen und betreiben. Ziel der Vorgängergesellschaft der Hohenzollerischen Landesbahn war es, die Hohenzollernschen Lande durch Kleinbahnen erschließen und an das württembergische Eisenbahnnetz anzuschließen.

Die Bauarbeiten an dem 27 Kilometer langen Streckenteil Hechingen – Gammertingen kamen zügig voran. Der Bahnhof der Landesbahn befand sich unterhalb des 1869 erbauten Staatsbahnhofs.

Über eine Spitzkehre konnten die Züge bis zum höher gelegenen Staatsbahnhof fahren. Am 18. März 1901 wurde der Streckenteil Hechingen – Burladingen in Betrieb genommen. 1912 war eine durchgehende Bahnverbindung von 86 Kilometer Länge quer durch die Hohenzollernschen Lande von Eyach über Hechingen, Gammertingen und Hanfertal bis Sigmaringendorf geschaffen. In Spitzenzeiten wurden 1000 italienische Arbeiter beschäftigt.

Architektonisch begeisternd

Der Landesbahnhof Hechingen wurde 1901 eröffnet und wusste architektonisch durchaus zu begeistern. Das eisenbahngeschichtliche Online-Portal zielbahnhof.de schreibt dazu: „Das Empfangsgebäude besaß ein von Rundbögen durchbrochenes Sandsteinmauerwerk.

Das mit Renaissanceformen aufwendig gebaute Stationsgebäude wurde durch Mittel- und Eckrisalite gegliedert. Das giebelständige Bauwerk auf L-förmigem Grundriss besaß ein ausgebautes Krüppelwalmdach aus Fachwerk.

Ein einstöckiger Güterschuppenanbau mit flachem Walmdach ergänzte das Bauwerk im Osten. Das Gebäude hatte Rechteckfenster mit Schlagläden. Im Erdgeschoss gab es einen Warteraum mit Fahrkartenschalter. Im Obergeschoss befanden sich die Wohnungen der Bahnbediensteten.“ Die Älteren unter uns werden sich daran erinnern.