Die ehemalige Strohhutfabrik Sauter wird abgerissen. Foto: Gemeindeverwaltung Schonach

Im Sommer vergab der Gemeinderat die Aufträge zum Abriss der ehemaligen Strohhutfabrik Sauter. Die Arbeiten sind nun im vollen Gange, bis spätestens Dezember sollten sie abgeschlossen sein.

140 000 Euro sollte der Abriss nach Kalkulation kostet, rund 46 000 Euro an Förderzusage erhielt man. Nach Angebotseingang zeigte sich, dass der Abriss „nur“ rund 108 000 Euro kosten solle, die Zuschussbeträge werden dementsprechend sinken.

 

Zum Stand der Arbeiten gab Ortsbaumeister Ansgar Paul Auskunft. Bereits im August begann die beauftragte Firma damit, die Gebäude zu entkernen. Denn heutzutage, so Paul, muss alles separat entsorgt werden beziehungsweise sortenreine Stoffe können auch teilweise in die Wiederverwertung kommen. Deshalb wurden Fliesen, Bodenbeläge, Holzverkleidungen oder Mineralwolle separat ausgebaut und sortiert. Auch die Abnahme der asbesthaltigen Schieferplatten an den Fronten des Wohngebäudes dauerte seine Zeit.

Abriss ist aufwändig und schwierig

Seit dieser Woche war nun auch der große Bagger im Einsatz und fing an, das Fabrikgebäude abzubrechen. Schwierigkeiten macht nun der Keller des Fabrikgebäudes, denn der ist mit dem Bagger nicht befahrbar, selbiger kommt so daher auch nicht hinter das Wohnhaus, um dort weiter zu machen. Der Unternehmer, so berichtete Paul, überlege nun, wie man das ändern könne. Denn auch die Bitumenschindeln auf dem Dach des Wohngebäudes müssen extra ausgebaut werden. Um aber auf die Richtung Kurpark zugewandte Seite zu kommen, müsste man über den Keller des Fabrikgebäudes drüber.

Gelände werde erst einmal eingeebnet und begrünt

Weitere Varianten wäre mit einem Hubsteiger von der Straßenseite aus über das Dach zu kommen, das aber würde wohl eine Straßensperrung erforderlich machen und auch kostenmäßig ziemlich teuer werden. Insgesamt sei es, so Paul, um das Gebäude herum schon ziemlich eng, das spiegle sich auch auf der Straße wieder, auf der aktuell mehrerer Schutt-Container stehen, auf Befüllung warten und dafür sorgen, dass die Hauptstraße nur noch einseitig befahrbar ist. Insgesamt werde man wohl kommende Woche das Fabrikgebäude dem Erdboden gleich gemacht haben, das Wohngebäude wird noch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Insgesamt werde es Ende September bis Anfang Oktober werden, bis die Arbeiten abgeschlossen sind.

Und dann? Das Gelände werde erst einmal eingeebnet und begrünt. Was dann kommen werde, werde man sehen, so Paul.

Geplant ist auf der freiwerdenden Fläche seitens der Gemeindeverwaltung eine Sozialraumimmobile mit barrierefreien Wohnungen und einer Tagespflege, die von einem Investor gestemmt werden soll. Bürgermeister Jörg Frey äußerte sich optimistisch über die Fortschritte der beiden Projekte und betonte ihre Bedeutung für die Gemeinde: „Diese Baumaßnahmen sind ein wichtiger Schritt in Richtung Modernisierung und Verbesserung in Schonach.

Auf jeden Fall werde das Thema dann in einer Bürgerversammlung nochmals behandelt werden, so Paul.

Strohhutfabrik Sauter

Schonach war früher eine Hochburg der Strohflechterei. Aus Roggenstroh, quasi ein Abfallprodukt der Roggenernte wurden Dächer gedeckt, Körbe und Strohhüte geflochten oder Hüte gefertigt. Die 1863 gegründete Strohhutfabrik Sauter fertigte und verkaufte die Produkte weltweit. Und der Betrieb boomte, so lieferte man zum Beispiel im Jahr 1870 1200 Taschen pro Woche aus. Durch billige Konkurrenz aus China und Japan wurde dann in die Produktion immer unbedeutender. Bis 1992 wurde in der Fabrik noch gearbeitet. Die Inhaberin Anne-Maire Sauter handelte noch mit Strohhüten und Fasnachtsartikel, dann wurde die Firma geschlossen. 2014 kaufte die Gemeinde die Fabrik und das Wohnhaus in der Ortsmitte, um dieses abzureißen. Das Denkmalamt stoppte das Vorhaben erst einmal, genauere Untersuchungen aber ergaben, dass die Substanz der Gebäude derart schlecht war, dass nur noch der Abriss blieb. Immerhin wurde das Inventar durch den 2016 gegründeten Förderverein Schwarzwälder Strohmanufactur Schonach gerettet und soll in Bälde in der ehemaligen Villa Sperl ausgestellt werden.