Der Abriss des Lauffener Kindergartens beginnt bald. Bei einem Abschiedsfest mit Begehung erinnerten sich viele Einwohner an ihre Kindheit in dem Gebäude.
Im Keller des Lauffener Kindergartens ging man einst baden. Und weil das Gebäude demnächst abgerissen wird, gab es hier ein Abschiedsfest mit Keller-Besichtigung. Beate Heirich, Leiterin des Kindergartens St. Josef, freute sich über den großen Andrang und erzählte von den letzten Tagen des alten Gebäudes. So viel Müll haben sie und ihre Kolleginnen rausgetragen, dass fünf Container voll wurden.
Im Mittelpunkt des Interesses stand der Keller des Abrisshauses. Hier wurden nicht nur jahrzehntelang die Kinder betreut, hier war auch die Lauffener Badeanstalt, in den 1950er-Jahren, als die Leute noch kein eigenes Bad im Haus hatten.
Zeitreise zurück auf Anfang
Eberhard Sinner gehörte 1958 zu den ersten Kindergartenkindern hier, und er erzählte zusammen mit Rose Schiller und anderen Jahrgängerinnen von seinen Erinnerungen.
Vor der Eröffnung war die Kinderbetreuung in Lauffen etwas chaotisch, denn zunächst war der Kindergarten in der Schule untergebracht. Dort wohnten unterm Dach die Ordensschwestern, und die verursachten eines Tages ein Feuer. Also mussten die Kleinen ins Haus Hartmann umziehen, wo sie in der Wohnstube betreut wurden. Der Unterricht für die Schulkinder fand damals vorübergehend im Rathaus statt.
Und eben, die Badeanstalt: Robert Schuhbauer war derjenige, der damals – in Badehose – für das Pressefoto posierte, wie er schmunzelnd erzählte. Von ihm stammt auch der an die Wand gemalte Fisch, wie er erzählte. Das sorgte ebenfalls für Schmunzeln. Eberhard Sinner berichtete, bei den Vorbereitungen für den Abend habe er den Fisch bewundert und überlegt, dass solche Kunst wirklich nur von Schuhbauer stammen konnte – so war es auch.
Nostalgie in der Badeanstalt
Unten drängelten sich dann die Neugierigen, bewunderten die engen Kabinen mit Duschen, Badewannen und den Münzautomaten, von denen einer noch das Schild „Reichspfennig“ trägt. Und man erfuhr, dass hier unten einst auch eine sizilianische Familie wohnte.
Nach einem schweren Erdbeben in ihrer Heimat wurden sie in Lauffen einquartiert – in der Badeanstalt, statt Wänden hingen Vorhänge von der Decke. Auch der frühere Kolping-Jugendraum wurde angeschaut, dessen Decke mit gelb-schwarz bemalten Eierkartons gedämmt wurde.
Viele der Besucher erinnerten sich auch an die beliebte Schwester Anni im Kindergarten, die man am Wochenende immer zum Bahnhof begleiten durfte.