Ein seit Längerem geplantes großes Wohnbauprojekt an der Ecke Albstraße/Blumenstraße in Trillfingen nimmt jetzt Fahrt auf – und zwar zuerst mit einem Abriss.
Es war im Sommer 2022, als die Pläne der Strategiebau GbR mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen für ein ambitioniertes Wohnbau-Projekt in dem Haigerlocher Teilort erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Auf einer großen Fläche schräg gegenüber des alten Sportplatzes wollte Geschäftsführer Gerd Serfass – ein gebürtiger Trochtelfinger – drei Doppelhaushälften und zwei Reihenhäuser mit drei komplett eigenständigen Wohneinheiten realisieren; insgesamt zwölf völlig autarke Gebäudeeinheiten.
Den Weg dafür ebnete der Kauf der alten Ambrosius-Heim-Textilfabrik, die auf der Fläche steht. Serfass‘ Geschäftspartner Heimo Bucerius erwarb Gebäude und Grundstück vom bisherigen Besitzer Dieter Bisinger. Gebaut wurde die Näherei des längst nicht mehr existenten Textilherstellers aus Burladingen Ende der 1950er-Jahre mit Hilfe der Gemeinde Trillfingen. 1958 war sie in Betrieb gegangen. Das markante Gebäude bot Arbeitsplätze für bis zu 60 Frauen.
Obwohl an der Ecke der Fläche alsbald ein großes Werbeschild auf das Projekt aufmerksam machte, kam es zunächst nicht so in Fahrt, wie sich das Gerd Serfass vorgestellt hatte: Nach der Corona-Krise setzte die Inflation ein und auch die Zinsen stiegen, so dass Bauen immer teurer wurde und viele potenzielle Häuslebauer ihren Traum von den eigenen vier Wänden erst einmal zurückstellten. „Das hat uns ganz schön den Wind aus den Segeln genommen“, räumte Projektinitiator Serfass bereits in einem früheren Gespräch mit unserer Zeitung ein. Weil auf dem Gelände lange nix passierte, fragten sich viele Trillfinger, ob es überhaupt noch etwas wird mit dem Bau der Wohngebäude.
Aber Geduld und ein langer Atem machten sich bezahlt: Serfass und seine Frau Annegret Hämmerling-Serfass modifizierten das Vorhaben. Die energetischen Standards wurden noch weiter angehoben, so dass jetzt KfW-Effizienzhäuser nach dem höchsten Standard gebaut werden (KfW 40 QNG). Für solche bekommen Bauherren zum Beispiel zinsverbilligte Kredite. Wer ein solches Gebäude kauft, aber nachher vermieten will, dem winken interessante Abschreibungsmöglichkeiten. Außerdem hat das Immobilien-Unternehmen bei Stuttgart das kleine Wohngebiet von ursprünglich zwei in drei Bauabschnitte aufgeteilt.
Jetzt ist der Startschuss gefallen; noch vor der Fasnet ist das auf Hausabbrüche spezialisierte Firma Hipp aus Hechingen in Trillfingen angerückt und hat das Gebäude abschnittsweise dem Erdboden gleich gemacht. Dafür wurde es zunächst entkernt und man musste auch den gut acht Meter langen und 20.000 Liter fassenden Heizöltank aus dem Boden ausgraben und entsorgen. Inzwischen erinnern nur noch wenige Überreste an ein Stück Wirtschaftsgeschichte in Trillfingen.
Sobald das Gelände vom Schutt und den Überresten völlig befreit ist, soll laut Gerd Serfass im Mai oder Juni der erste der drei Bauabschnitte eingeleitet werden. Als Generalunternehmer hat die Strategiebau die Weisenburger Bau GmbH aus Karlsruhe beauftragt. Die erste Maßnahme ist der Bau einer zentralen Erschließungsstraße auf das Gelände, dann sollen im ersten Schritt am östlichen Ende der Fläche zwei Gebäude mit vier Doppelhaushälften entstehen. Weiter geht es dann im zweiten Abschnitt mit der Doppelhaushälfte direkt an der Blumenhausstraße und dem großen Reihenhaus mit drei Hauseinheiten direkt dahinter. Ganz am Schluss soll das zweite große Reihenhaus längs der Albstraße gebaut werden.
Passiert nichts Unvorhergesehenes, dürften die Wohngebäude (Wohnfläche 130 Quadratmeter auf drei Geschossebenen plus Unterkellerung) nach Schätzung von Gerd Serfass bis Herbst 2027 stehen. Die Grundstücksflächen liegen zwischen knapp 200 und 350 Quadratmetern.
Gerd Serfass hätte das Projekt nicht gestartet, wenn er inzwischen nicht bereits den ersten Bauabschnitt der zwölf Häuser vermarktet hätte, mit weiteren Interessenten für die anderen beiden Bauabschnitte sind die Gespräche laut ihm bereits in sehr konkreten Stadien.
Auch die Zielgruppe, die der Mann aus der Projektentwicklungsbranche mit diesem Vorhaben ansprechen wollte – nämlich junge Familien, die eine kostengünstige Lösung für ein Eigenheim suchen – scheint er erreicht zu haben. Serfass: „Die Käufer und Eigennutzer sind zwischen 30 und 45 Jahren alt.“
Rechnet man, dass solche Gebäude von durchschnittlich vier Personen bewohnt werden, so darf Trillfingen womöglich mit dem Zuwachs von gut 40 Einwohnern rechnen – und wenn es sich dabei um die klassische Familie mit zwei Kindern handelt, dürften sich auch der Kindergarten und die Grundschule über Zuwachs freuen.