Mit schwerem Gerät hantiert die Abbruchfirma auf dem IIGP-Gelände in Meßstetten. Foto: Sebastian Buck

Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Meßstetten laufen die Abrissarbeiten. Bis zum Sommer sollen sie abgeschlossen sein. Ein Industrie- und Gewerbepark entsteht auf 50 Hektar Fläche.

Eigentlich ist es ganz ruhig und idyllisch auf dem rund 50 Hektar großen Gelände in Meßstetten. Auf jenem, von dem bereits schon seit 2014 die Bundeswehr final abgezogen ist. Seither läuft die Konversion hin zu einem Industrie- und Gewerbepark unter Regie des örtlichen Zweckverbands.

 

Der Bebauungsplan wurde noch im Vorjahr, kurz vor Weihnachten, beschlossen. Von da an musste man sich sputen. „Vom Zeitplan her hat alles gepasst“, freut sich IIGP-Geschäftsführerin Heike Bartenbach an diesem Dienstagnachmittag auf dem Gelände. Denn den Wald im Süden durfte man wegen etwaiger Schonzeiten nur bis Ende Februar dem Erdboden gleichmachen.

Um die Natur nicht zu sehr mit Lärm von Abrissbaggern zu stören, Stichwort Brutzeit, hat man extra in den Außenbereichen mit den Arbeiten angefangen. Von der Gärtnerei ist nichts mehr zu sehen, auch die einst hohen Antennenmasten sind inzwischen weg.

Zwei Fundamente sind drin geblieben

Die Betonfundamente, wegen denen man im Vorfeld schon Bedenken hatte, weil sie tief in die Erde reichen, sind nur in Teilen verschwunden. „Zwei Fundamente sind drin geblieben, weil sie zu nah an der 20-KV-Leitung dran waren“, berichtet Bartenbach. Da war das Risiko zu groß, die aktuell noch bestehende Stromversorgung auf dem Gelände aus Versehen zu kappen. Also widmet man sich den Fundamenten später, wenn die neue elektrische Ringversorgung hergestellt und die betroffene Leitung abgeklemmt ist.

Was auch im Untergrund liegt, das sind die Kanäle. Hier sehe man aber oberflächlich nicht viel, da die entsprechende Firma zum einen nicht täglich vor Ort sei, zum anderen eben viel im Boden selbst abwickle. Die schweren Maschinen sind dann aber doch zu sehen und zu hören. Ein riesiger Radlader fährt vorbei, ein kleiner und großer Bagger zermalmen den Beton. Die alten Mannschaftsgebäude hatten Anbauten zu Schulungszwecken, die werden gerade abgebrochen. Gottlob finden sich keine unerwarteten Schadstoffe – alte Dämmmaterialien und Asbest sind so ziemlich das einzige, was zum Vorschein kommt. Damit hatte man aber schon dank diverser Gutachten im Vorfeld gerechnet.

Materialien trennen

Der Abriss der Gebäude ist aber ein zähes Handwerk, wie Heike Bartenbach erklärt. Denn einfach, wie es im Volksmund heißt „mit dem Bagger durchfahren“, ist hier freilich nicht das Mittel der Wahl. Die Materialien müssen getrennt werden, um die Entsorgungskosten zu drücken. Sprich jedes Gebäude wird zunächst entkernt. „Das dauert eben seine Zeit“, sagt Bartenbach. Je nach Bau finden sich vom Parkett bis zur Elektro- oder Wasserleitung zahlreiche verschiedene Materialien.

Beeindruckt vom eigenen Gelände

Ein Material, das im großen Stil angefallen ist, ist das Holz aus dem geernteten Wald. Großteils Fichten, die man in den 1970er-Jahren angepflanzt hatte – die zart emporragenden Setzlinge sind noch auf einer alten Luftaufnahme zu sehen, die im Mehrzweckgebäude in der Geißbühlstraße hängt. „Das gute Holz haben wir verkauft, aus dem eher schlechten sind Hackschnitzel geworden“, berichtet Bartenbach. Die IIGP-Geschäftsführerin ist sichtlich beeindruckt vom eigenen Gelände, denn erst jetzt, da der Wald weg ist, sieht man die schiere Größe so wirklich. Im südlichen Teil wird ein Retentionsbecken mit mehreren Stufen gebaut, in das sämtliches Oberflächenwasser geleitet wird. Das sei fast schon wie eine kleine Kläranlage, meint Bartenbach und „super modern“.

Nicht mehr modern, aber von den Dimensionen her monströs, sind die alten Öltanks. Die im freien Feld werden ausgegraben und entsorgt. Zwei in der alten Heizzentrale bleiben aber erhalten – „die werden zu Löschwassertanks umfunktioniert“, erklärt Bartenbach. 80.000 Liter Fassungsvermögen hat einer dieser Tanks im Keller des Gebäudes, beide sollen nachgenutzt werden. Der Abrisstrupp kämpft sich derweil weiter durch das Gelände, die Fahrzeugrampen kommen freilich weg, auch alte Lagerhallen müssen weichen. „Bis zum Sommer wollen wir fertig sein“, sagt die IIGP-Chefin. Das sehe aber auch gut aus und klappe vom Zeitplan her.

Ein langer Atem ist nötig

Was Bartenbach etwas nachdenklich stimmt: Die angedachte Nachnutzung einiger Gebäude, die nüchtern betrachtet schon speziell sind, etwa weil eine Großküche darin verbaut ist. Man müsse schauen, ob wirklich alle Gebäude vermarktet werden könnten, das müsse eben auch ins Vorhaben des jeweiligen Unternehmens passen. „Es gibt aber Interessenten und Gespräche“, sagt Bartenbach, wenngleich man aktuell die eingetrübte Konjunkturlage schon spüre. Aber es werde immer Firmen geben, die 24/7 produzieren müssten und hier sei das Angebot an Flächen doch nicht riesig.

Doch man bleibe dran, klar sei allen, dass „Konversion einen langen Atem braucht“. Bis 2029 will man mit der Erschließung durch sein. Doch jetzt geht es zunächst darum, die alten Gebäude vollends abzubrechen. Hier ist man im IIGP aber auf einem guten Weg.