Staub steigt auf, nachdem der Turm eines Windrades am Schauinsland gesprengt wurde. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Bald soll am Schauinsland in Freiburg ein neues, sieben Millionen Euro teures Windrad entstehen. Dafür müssen die alten Anlagen entfernt werden. Nach der Sprengung eines Windradturms vor Kurzem sind die Abbauarbeiten in vollem Gange. Derweil sorgt die Entsorgung für Aufruhr im Netz. Zu Recht?

Eine Woche nach der Sprengung des Turms eines der beiden Windräder am Schauinsland bei Freiburg gehen die Abbauarbeiten zügig voran. Der 100 Meter hohe Turm, der bei der Sprengung umfiel wie ein Baum, wenn er gefällt wird, ist zerlegt. „Den Stahl hat ein Stahlhändler gekauft“, berichtet Geschäftsführer Andreas Markowsky von der Regiowind Freiburg GmbH, die die Anlage betrieben hat. „Und der Beton wurde geschreddert für die Baustraße vor Ort für den Neubau im kommenden Jahr.“

 

Am Standort der alten Anlage entsteht im kommenden Jahr für sieben Millionen Euro ein neues, mehr als doppelt so hohes Windrad. Es wird doppelt so viel Strom produzieren wie die beiden bisherigen Anlagen am Schauinland aus dem Jahr 2003. Und auch das zweite der beiden 20 Jahre alten Windräder auf dem Freiburger Hausberg wird vorher noch auseinandergebaut und dann gesprengt.

Versorgung von 70 000 Einwohnern geplant

Die Sprengung der Anlage vor einer Woche hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Im Internet häuften sich vor allem Hass-Kommentare und Falschmeldungen, beispielsweise über gefährliche Gase in den Anlagen. „Das ist Quatsch, ein Phantomproblem“, erklärt Markowsky. Es stimme zwar, dass in den Schaltkästen im Erdgeschoss der Anlagen das umweltschädliche Isoliergas SF6 eingesetzt werde. „Das finden sie aber in nahezu jedem elektrischen Schaltkasten im Land. Es ist schädlich, wenn es freigesetzt wird. Aber dazu kommt es nicht, weil die Schaltanlagen fachgerecht ausgebaut und entweder weiterverwertet oder vom Hersteller entsorgt werden“, erklärt Markowsky. Auch die Gondel oben auf dem Turm des Windrads sei vor der Sprengung entfernt und mit ihren Wertstoffen recycelt worden. Unterm Strich könne man 85 Prozent des Materials alter Windräder wiederverwerten.

Problematisch seien die Rotoren, die man verbrennen müsse. „Das spart etwas Braunkohle ein, ist aber trotzdem nicht optimal“, erklärt der Windrad-Betreiber, der nun auf einen massiven Ausbau der Windenergie in Freiburg setzt: In den kommenden Jahren werde man die Windstrommenge von 10 auf 100 Millionen Kilowattstunde (kWh) im Jahr ausbauen und perspektivisch 70 000 Einwohner mit Strom versorgen können. Neben der neuen Anlage am Schauinsland werden fünf Anlagen im Bereich des Rosskopfs im Norden der Stadt entstehen. Für zwei weitere Windräder sei man noch auf der Standortsuche, sagt Petra Zentgraf, Pressesprecherin und Prokuristin der Ökostromgruppe Freiburg, zu der die Regiowind GmbH & Co KG als gemeinsame Tochter zusammen mit dem Energieversorger Badenova gehört.

40 Mal so viel Energie wie für Bau benötigt

Die Windräder der neuen Generation in Freiburg wiegen pro Stück rund 1500 Tonnen, fast das Doppelte der bisherigen Anlagen. Sie werden aus Stahlbeton Fertigbauteilen aufgebaut, während die alten Anlagen aus Frischbeton vor Ort erstellt wurden, sagt Zentgraf weiter. Die Energiebilanz so einer Anlage sei gut, berichtet die Expertin: Auf eine Lebenszeit von 20 Jahren betrachtet, könne man mit einem Windrad 40 Mal so viel Energie „ernten“, wie für den Bau benötigt werde. Doppelt so viel wie bei Solaranlagen.

Wasserkraft, für die es in der Region allerdings wenig Potenzial gibt, sei mit einem „energetischen Erntefaktor“ von 80 sogar doppelt so gut. Fossile Kraftwerke hingegen würden nicht einmal den „Erntefaktor 1“ erreichen, da für den Betrieb ständig mehr Energie zugeführt werden müsse, als man gewinnen kann.