Die Wahlkreise Lahr und Offenburg waren unter den letzten, die am Sonntagabend ausgezählt waren. Unsere Redaktion hat bei den betroffenen Städten nachgehakt.
Die Ortenauer mussten am Wahlabend lange auf das vorläufige Endergebnis warten: Erst nach Redaktionsschluss um 23.43 Uhr stand fest, wie genau die Bürger in den Wahlkreisen Lahr, Offenburg und Kehl votiert hatten.
Als erste Gemeinde hatte Hornberg bereits um 19.21 Uhr vollständig Meldung erstattet, gefolgt von Schwanau und Fischerbach – nach und nach folgten weitere Kommunen. Irgendwann fehlten nur noch aus Offenburg und Wolfach Ergebnisse. Die letzten Meldungen gingen dann um 23.01 Uhr (Wolfach) und um 23.18 Uhr (Offenburg) ein.
Immerhin war die Ortenau nicht der letzte Kreis, der in Baden-Württemberg seine Zahlen meldete: Der Landkreis Böblingen lieferte die vorläufigen Wahlergebnisse erst am nächsten Morgen. Dort war der letzte Wahlbezirk um 0.38 Uhr am Montag ausgezählt. „Die Wahlhelfer haben mehrfach falsch gezählt und keine plausiblen Zahlen ermitteln können. Erst der Einsatz von Wahlhelfern aus einem anderen Wahllokal hat stimmige Zahlen gebracht“, hieß es am Montag aus dem Böblinger Landratsamt.
Offenburg muss zwei Abstimmungen bewältigen
Ähnliche Schwierigkeiten scheinen auch der Grund für die Verzögerungen in Offenburg und Wolfach gewesen zu sein. In der „Kreishauptstadt“ fand parallel zur Landtagswahl der Bürgerentscheid für die Zukunft des Flugplatzes statt. Insbesondere in zwei Wahllokalen in Offenburg dauerte die Auszählung der Stimmen besonders lang. „Hier waren jeweils die Summen am Ende nicht plausibel, weshalb nachgezählt werden musste“, erläuterte Kommunikationsreferent Mark Gregotsch auf Nachfrage.
Dem Vernehmen nach war es am Wahlabend in Offenburg zu langen Wartezeiten für die Wahlhelfer, die ihre Ergebnisse an die Wahlleiter abliefern wollten, gekommen. Vor dem Bürgerbüro sollen sich regelrecht Schlangen gebildet haben. Darauf angesprochen verwies das Rathaus auf die beiden parallel ablaufenden Abstimmungen. „Das bedeutet nicht nur zwei Auszählungen, sondern auch zwei vollständige Niederschriften pro Wahlbezirk, die unabhängig voneinander erstellt und geprüft werden mussten“, so Gregotsch. Aufgrund dieses hohen Prüfvolumens sei es zu Verzögerungen gekommen.
In Wolfach hat man sich mehrfach verzählt
Nicht auszuschließen also, dass die fünf eingesetzten Wahlleiter am Sonntagabend ein Nadelöhr bildeten. Diese sahen sich mutmaßlich ab einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig mit der Prüfung der Landtagswahlergebnisse später Wahlbezirke und der Prüfung der Bürgerentscheidergebnisse aus Wahlbezirken, die bereits früh die Landtagswahl ausgezählt hatten, konfrontiert. „Wir werden die Abläufe des Wahlabends im Nachgang sorgfältig auswerten, um den Prozess für kommende Wahlen zu optimieren“, verspricht das Offenburger Rathaus.
Und in Wolfach? „Vereinfacht gesagt: Leider hat man sich mehrfach verzählt“, erläuterte Dirk Bregger aus der Stadtverwaltung. Betroffen war der Bezirk Langenbach-Übelbach. Um korrekte Ergebnisse sicherzustellen, habe man sich dann entschieden, mit der Auszählung noch einmal von vorne zu beginnen. Diese habe dadurch sehr lange gedauert. „Das Vorgehen war aber gut und richtig“, so Bregger.
Das Landratsamt ist nut mit der Wahlprüfung befasst. Das endgültige Ergebnis stellt der Kreiswahlausschuss öffentlichen am Freitagmorgen fest.
Sechs Abgeordnete aus der Ortenau für Stuttgart
Erststimme:
Aufgrund der Verzögerungen lief die Auszählung der Stimmen bis nach Redaktionsschluss am Sonntag. Den CDU-Kandidaten gelungen war die Direktmandate in den drei Ortenauer Wahlkreisen zurückzuerobern. Marion Gentges (Lahr, 38,8 Prozent der Erststimmen), Volker Schebesta (Offenburg, 39,0 Prozent) und Katrin Merkel (Kehl, 34,1 Prozent) ziehen somit mit den Erststimmen in den Landtag ein. Bei der Wahl 2021 hatten sich noch die Kandidaten der Grünen alle drei Direktmandate gesichert. Dafür reichte es nun nicht mehr: Sandra Boser (Lahr, 22,3 Prozent), Maren Seifert (Offenburg, 23, 8 Prozent) und Bernd Mettenleiter (Kehl, 21,5 Prozent) sicherten sich zwar kein Direktmandat, ziehen aber alle drei über die Landesliste ihrer Partei in den nächsten Landtag ein.
Zweitstimme:
Die Christdemokraten wurden in allen drei Ortenauer Wahlkreisen zur stärksten Kraft. Sie erreichten in Lahr 32,0 Prozent der Zweitstimmen, in Offenburg 31,4 Prozent und in Kehl 32,1 Prozent. Damit erhielt die CDU kreisweit 68 080 Stimmen, das entspricht 31,6 Prozent der abgegeben Stimmen. Auf Platz zwei bei den Zweitstimmen landen die Grünen mit 25,5 Prozent in Lahr, 28,2 Prozent in Offenburg und 24,4 in Kehl. 55 508 Ortenauer schenkten den Grünen ihre Stimme (25,8 Prozent). Drittstärkste Kraft bei der aktuellen Landtagswahl wurde in allen drei Wahlkreisen die AfD. Die Partei erhielt in Lahr 21,4 Prozent der Zeitstimmen, 18,9 Prozent in Offenburg und 21,7 Prozent in Kehl. 44 291 Ortenauer schenkten ihre Stimme damit der AfD, das sind 20,6 Prozent der Wähler.