Beim "Blatt Werk" sind Platzangebot und Lage starke Argumente

Von Bodo Schnekenburger

 

Sulz-Hopfau. So konnte es nicht weitergehen. Katja Blöchle wollte ihren Nachbarn nicht mehr zumuten, dass dauernd Kundschaft in die Sackgasse einfährt. Außerdem war die Werkstatt zu klein geworden. Da kam ein Angebot wie gerufen. Ein ehemaliges Farbengeschäft stand leer, der Eigentümer der Immobilie hatte keinen Bedarf, also griff Katja Blöchle zu: 2006 eröffnet sie ihr "Blatt Werk".

"Das wäre optimal für mich, genau das, was ich mir vorgestellt hatte, erinnert sie sich. Viel Platz ums geräumige Gebäude bedeutet viel Platz, um sich entfalten zu können. Zuvor hatte sie noch ihre Floristen-Ausbildung beendet, jetzt konnte es losgehen. Auf dem Land? Auf dem Land! Da konnte sie auch immer für die Kinder da sein. Außerdem, darauf kommt das Gespräch später, liefert die Gegend selbst eine hübsche Anzahl Objekte, mit denen Katja Blöchle arbeitet. "Die Stöcke habe ich direkt von da, neben dem Haus, die hier habe ich unten am Bach geholt, und das hier, das sind Bohnenranken aus dem Garten meines Schwiegervaters." Wow. Und die Wurzel, die auf dem Arbeitstisch liegt, die hatte kurz zuvor ein Bekannter aus Alpirsbach mitgebracht, der gerne Waldgänge macht und ein Auge für schöne Naturformen hat. Verdrehtes und verwachsenes Geäst und Wurzelwerk, bringt er dann zu Katja Blöchle.

Diese Geschichte ist , wie gesagt, bereits sechs Jahre alt. Auch die Sache mit den Kursen, die zwischen Februar und Oktober angeboten werden, und die sehr gut laufe, ist seit einiger Zeit feste Größe im "Blatt Werk". Die Kurse widmen sich im übrigen nicht nur der Pflanzenwelt. Vielmehr steht Kreativität im Zentrum. Gerne auch für Kinder – und das mit einem Hintergedanken, denn: "Ich finde, von Kindern kann man viel lernen." Was nicht unbedingt Kursinhalt ist, aber ganz wesentlicher Aspekt des Angebots: "Ich will, dass die Menschen sich eine halbe Stunde rausnehmen, Zeit für sich haben", sagt Blöchle. Deshalb gibt es bei den Kursen auch ein Büffet. Und deshalb wollte sie schon immer auch ein Café in den Laden integrieren.

Denn Blumen und Gestaltungen zu verkaufen, ist das eine. Sich Zeit zu nehmen für den anderen und, was die Kunden betrifft, für sich selbst, ist das andere. "Viele Besucher schauen uns auch gerne bei der Arbeit zu", berichtet Blöchle. Und wenn es die Arbeit zulässt, nimmt sie sich gerne Zeit für ihre Besucher. Wenn diese das nicht wollen – auch kein Problem. Dann blättern sie eben in den Büchern, betrachten die Arrangements, denken nach, während sie ihre Kaffee schlürfen. Und irgendwann gehen sie. Dabei haben sie nicht unbedingt ‘was gekauft. Müssen sie auch nicht. Sie haben sich für eine halbe Stunde Zeit genommen, haben im Blatt Werk ein bisschen Ruhe und Kraft getankt.

Das machen übrigens zunehmend viele Radtouristen. Vor allem in den Sommermonaten 2012 sei die Zahl stark angestiegen. Aber auch Wanderer machen gerne Pause im Blatt Werk "idyllischen Hopfau" im "traumhaften Glatttal". So sehen es nämlich Wanderer und Radler. Und so lernt es auch Katja Blöchle selbst immer wieder neu zu sehen.