97 Kilogramm – so viel Abfall hat jede und jeder im Durchschnitt im Zollernalbkreis im vergangenen Jahr produziert. Die Menge an Sperrmüll ist explodiert.
„Wir müssen uns nicht verstecken“, zeigte sich Landrat Günther-Martin Pauli erfreut. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik zogen die Zollernälbler die Abfall-Bilanz für das Jahr 2024.
Das Zahlenwerk präsentierte zum letzten Mal vor seinem Ruhestand Amtsleiter Friedrich Scholte-Reh. Dabei hatte er gleich zu Beginn eine gute Nachricht zu verkünden: Weil die beiden neu ausgebauten Deponien in Balingen und Albstadt früher als gedacht fertig wurden, kann die Deponie in Hechingen bereits entlastet werden.
Verschlankt wurde das Anmeldeverfahren für Bürger, die Bildschirme, Fernseher oder Kühlschränke los werden wollen. Bislang musste eine Woche vor dem Termin beim jeweiligen Rathaus oder beim Landratsamt angerufen werden, um den Abholservice zu beauftragen.
Die Entsorgung von Quecksilber ist teuer
Das ist Geschichte: Jetzt können Abholwünsche mit nur noch 48 Stunden Vorlauf über die Homepage oder die Abfall-Zak-App getätigt werden. Im vergangenen Jahr wurden übrigens 5559 Kühlschränke sowie 13 498 Fernseher und Monitore eingesammelt.
Elektro-Altgeräte enthalten nicht nur wertvolle Rohstoffe, sondern auch Schadstoffe wie Blei oder Quecksilber. Das schlägt sich auf den Kontostand des Landkreises nieder. So werden für die korrekte Entsorgung von beispielsweise Quecksilber 23 Euro pro Kilogramm fällig.
Im Vergleich zum Jahr 2022, in dem 12 871 Tonnen Altpapier gesammelt wurden, verzeichnet Scholte-Reh hier einen deutlichen Rückgang. Lediglich 11 850 Tonnen landeten auf den Deponien. Das meiste Papier wird über die blaue Tonne gesammelt, ein Teil wird in den Wertstoffzentren von den Bürgern selbst abgegeben und ein weiterer Batzen – 884 Tonnen – trudelte über Vereinssammlungen ein.
Deutlich mehr Sperrmüll
Warum es so viel weniger Altpapier gibt? Scholte-Reh erklärt sich das so, dass offenbar immer mehr Leser auch unserer Zeitung von der Papier- auf die Digitalausgabe wechseln.
Die Menge an Sperrmüll ist im Vergleich mit dem Anfall von 2022 sprunghaft angestiegen. Wurden vor zwei Jahren lediglich 4346 Tonnen abgeholt, kam man im vergangenen Jahr auf 5931 Tonnen. Knapp 55 000 Spermüllanmeldungen waren 2024 beim Amt für Umwelt und Abfallwirtschaft eingegangen.
„Warum so viele?“, wollte Harald Lögler (Grüne) wissen. Scholte-Rehs Antwort: „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, Möbelstücke werden zum Teil noch in der originalen Verpackung auf den Sperrmüll geworfen.“
Tauschbörsen sind „Alibi-Veranstaltungen“
Das löste bei Löglers Fraktionskollege Erwin Feucht Kopfschütteln aus. Er wies auf die Möglichkeiten der Wiederverwendung etwa über das Sozialkaufhaus Domiziel hin. Auch Börsen wie der Warentauschtag könnten in Feuchts Augen eine Lösung zur Eindämmung der Müllmengen sein.
„Alibiveranstaltungen“ sind das für Scholte-Reh. Am Ende eines solchen Tages würden containerweise Sachen abtransportiert, die keinen neuen Besitzer gefunden haben. „Der Kreis übernimmt viel, auch das Althaus aus dem Domiziel“, so Scholte-Reh.
Erfreulich: Wurden vor zwei Jahren noch etwa 16 000 Tonnen Restmüll abgeholt, so waren es 2024 nur noch rund 13 000 Tonnen, die von der öffentlichen Müllabfuhr eingesammelt wurden. 8411 Tonnen Biomüll haben die Zollernälbler letztes Jahr produziert. 12 052 Tonnen Grünabfälle wurden gesammelt.