Eine Baufirma aus der Kreislaufwirtschaft siedelt sich im Abendgrund in Unterkirnach an. Nach der Vorstellung im Gemeinderat schwinden die Ängste der Bürger. Das Ratsgremium sprach sich für das Vorhaben aus.
Im proppenvollen Ratssaal stellte Thomas Schlösser, Betriebsleiter der Firma Schlösser Grund- und Tiefbau aus Berg bei Ravensburg, sein Unternehmen und dessen Pläne in Unterkirnach vor.
Mit 15 Mitarbeitern hat sich der Familienbetrieb auf den Abriss und den Rückbau von Bauwerken mit Schwerpunkt auf die Schadstoffsanierung spezialisiert.
Der Bauingenieur machte keinen Hehl daraus, dass seine Mitarbeiter auf den Baustellen mit Stoffen umgehen müssen, die eine Gefahr für die Gesundheit sind. Dazu gehört Asbest, um den es im nun in Unterkirnach geplanten Betriebszweig „Recycling“ geht.
Mit Schadstoff belasteter Abfall
In einer Behandlungsanlage soll dort mit diesem Schadstoff belasteter Abfall unter großen Sicherheitsbedingungen demontiert und aufbereitet werden. „Wir setzten null Fasern frei“, versprach Schlösser am Beispiel von alten Heizkörpern, die nur wenige Gramm Asbest aber viele Kilogramm an wertvollem Rohstoff enthalten.
Fabienne Schlösser, die neben ihrem Studium im elterlichen Betrieb mitarbeitet, stellte das in Unterkirnach geplante Gebäude vor. „Der LKW mit dem luftdicht verschlossenen Material fährt in die dann zu schließende Halle. Asbestbelastetes Material wird in einem durch Unterdruck gesicherten Schwarzbereich demontiert“, ließ sie wissen.
Höchstens 30 Tonnen Abfall werden gelagert
Ihr Vater informierte, dass nur alle zwei bis drei Tage ein LKW ankomme und höchstens 30 Tonnen Abfall in dem Gebäude gelagert würden.
Neben der Behandlungsanlage sind im künftigen Firmengebäude Büros und eine Betriebsleiterwohnung geplant.
Auf zahlreiche Bürgerfragen ging die Unternehmerfamilie ein. Bürgermeister Andreas Braun ergänzte die Sicherheitsfragen um wirtschaftliche Aspekte. Seine Gemeinde erwarte neben dem Verkaufserlös für das Bauland Gewerbesteuereinnahmen im sechsstelligen Bereich.
„Wir sehen kein Risiko“
Sabine Wagner sprach sich für die Gemeinderatsfraktion „Gemeinsam für Unterkirnach“ für die Ansiedlung aus. „Wir sehen kein Risiko für die Bürger von Unterkirnach“, sagte sie mit Blick auf das anstehende Genehmigungsverfahren. Zudem erwähnte sie den Gewerbesteueraspekt und die zu begrüßende Rückgewinnung von Rohstoffen.
Martin Kuberczyk hob für die CDU auf die gründlichen Sicherheitsprüfungen und -verfahren ab. „Zur Erhaltung unserer Infrastruktur brauchen wir die Einnahmen aus dieser Gewerbeansiedlung“, sagte er.
Einstimmiges Votum für Verkauf
Es folgte ein einstimmiges Votum für den Verkauf des 16 397 Quadratmeter großen Flurstücks an Firma Schlösser zum Preis von rund 1,28 Millionen Euro. Für die bebaubare Fläche von 11 560 Quadratmetern, die auch die Stichstraße einschließt, liegt der Verkaufspreis beim Bodenrichtwert von 110 Euro pro Quadratmeter.
Der Vertrag sieht für eine Teilfläche von bis zu 4000 Quadratmetern eine Rückkaufoption vor. Sofern Firma Schlösser nach acht Jahren nicht die ganze Fläche braucht, könnten dort andere Betriebe angesiedelt werden.