Vier starke Stimmen: die medlz. Foto: Oliver Pütz

Einen tollen medlz-Abend erlebten die Besucher der Alten Seminarturnhalle in Nagold. Die A-cappella-Band überzeugte – mal wieder.

Juliane Köbe betritt mit einem wummernden Bass die Bühne der voll besetzten Seminarturnhalle, Silvana Mehnert folgt mit einem Shaker. Sabine Kaufmann gesellt sich am Cajon dazu und zuletzt steigt Nelly Palmowske am Drumpad ein. Jetzt kommt Rhythmus rein und der medlz-Abend fängt schmissig an mit „Uptown Funk“ von Bruno Mars.

 

Schick ganz in schwarz gekleidet sind die vier Damen der A-cappella-Band. Auch, wenn sie selbst über das Älterwerden scherzen, machen sie mit ihren Stilettos und gewagten Ausschnitten in Top oder Rock eine tolle Figur auf der Bühne.

A-cappella-Puristen müssen sich daran gewöhnen, dass auch mal Effekte eingesetzt werden, dass verzerrt wird oder der Bass um eine Oktave nach unten transponiert wird, um einen richtigen Wums auf die Subwoofer zu bekommen.

Da kommt Technik mit ins Spiel

Die medlz gehen ganz offen damit um und stellen mitten auf die Bühne sogar ihren „Bass-Buzzer“, um den Effekt jederzeit ein- oder ausstellen zu können. Aber diese Profis wissen genau, welche Technik sie wann einsetzen können, ohne zu übertreiben. Und bei Stücken wie „Insomnia“, einem Elektro-Techno-Hit von Faithless, muss ganz klar auch Klangtechnik mit rein.

Das Repertoire dieser Gruppe deckt nahezu jedes Musikgenre ab: neben Techno und Funk gibt es Chanson: „Je veux“ von ZAZ, Country-Pop mit Dolly Partons „Jolene“ oder auch Italo-Rock mit „L’amore è femmina“ von Nina Zilli, auch mal ganz puristisch. Und ausgerechnet das jüngste Bandmitglied, Juliane, sucht sich mit der Ballade „Close to you“ von den Carpenters einen Oldie aus: Sie hat früher mit ihrem Vater auf silber- und goldenen Hochzeiten gesungen und hat daher einen Bezug zu den „alten Schinken“.

Jeder Song ein Stück Lebensgeschichte

Zu beinahe jedem Song gibt es eine Lebensgeschichte von einem der medlz-Mädels. „Geh davon aus“ (Söhne Mannheims) war zum Beispiel die erste Single-CD, die Silvana sich gekauft hat und erinnert sie an die Chorreise mit dem Philharmonischen Kinderchor Dresden im Oktober 1996, auf welcher die ersten Wurzeln der Band entstanden sind. Manche Stücke haben auch einen aktuellen Bezug wie der Deutsch-Pop-Hit „Neue Brücken“ der Gruppe PUR. Erschreckend, wie aktuell dieser Song gerade jetzt wieder ist.

Die Ballade „So gerne“ von Regy Clasen wurde vom befreundeten A-cappella-Kollegen Oliver Gies extra für die medlz arrangiert. „Kaum eine deutsche Künstlerin oder ein deutscher Künstler hat so ein Talent für Texte“ sagt Sabine über die 2020 verstorbene Künstlerin, die mit ihrer damaligen Gruppe „Five live“ in großem Maße zur Existenz der heutigen „medlz“ beigetragen hat.

Hit-Mix „24 Songs in 4 Akkorden“

Die Stilrichtungen und Themen gehen nicht aus: mit sanften Akkorden und Rhythmen untermalt, wird die fiktive Abschlussrede vor Absolventen des Jahres 1999 lyrisch vorgetragen: „Sonnencreme“, ursprünglich im Englischen von Baz Luhrmann aufgeführte und von Dieter Brandecker ins Deutsche übertragene Lebensweisheiten. Selbst ein Kindermelodien-Medley fehlt nicht.

Und alles, was keinen Platz im heutigen Programm gefunden hat, wird im Hit-Mix „24 Songs in 4 Akkorden“ zusammengefasst. In der Zugabe, dem „Mambo“ von Grönemeyer, drehen die vier Vollblutmusikerinnen noch einmal richtig auf, bevor sie sich mit Lionel Richies „All night long“ singend von der Bühne verabschieden.