Die Grundschulbetreuung wird neu aufgestellt (Symbolbild). Foto: ©BalanceFormCreative - stock.adobe.com

Ab September haben alle Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung. Die Stadt Calw legte nun einen Plan vor, wie das erfüllt werden soll. Doch es regt sich Widerstand.

Deutlich mehr Betreuung für deutlich mehr Kinder – doch kein zusätzliches Personal: Was die Stadt Calw derzeit auf die Beine zu stellen versucht, wirkt wie die Quadratur des Kreises.

 

Es geht um den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder.

Der Rechtsanspruch

Ab kommendem Schuljahr wird dieser für alle Erstklässler gelten wird. Zudem wird der Rechtsanspruch jedes Jahr eine weitere Jahrgangsstufe umfassen, bis er im September 2029 für sämtliche Grundschüler gelten soll.

Es geht um eine Betreuung an acht Stunden an allen Werktagen eines Schuljahres, einschließlich der Ferien. Lediglich an 20 Tagen darf geschlossen bleiben.

Um das umzusetzen, plant die Stadt mit Kompromissen, auch einer Reduzierung derzeit noch bestehender Angebote – die für manche Eltern durchaus schmerzhaft sind.

Das wurde auch in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses deutlich, zu der eine ungewöhnlich große Anzahl an Besuchern – insbesondere Eltern – erschienen war.

Die Schulen

Laut Plänen der Stadt soll es künftig an vier Schulen im Stadtgebiet umfassende Betreuung geben: Die Heumadenschule wird ab September Ganztagsschule, die Seeäckerschule ist bereits Ganztagsgrundschule.

Die Wimbergschule erhält zusätzlich eine Nachmittagsbetreuung von Montag bis Donnerstag bis 16.30 Uhr und freitags bis 15 Uhr, flexibel für einen bis fünf Wochentage buchbar. Hier haben in den Faschingsferien Umbauarbeiten für eine Mensa begonnen.

Einschnitte soll es dagegen für Stammheim geben. Kein Hort mehr, dafür ab September eine Erweiterung der flexiblen Nachmittagsbetreuung mit denselben Zeiten wie auf dem Wimberg. Bislang gibt es eine tägliche Betreuung bis 17 Uhr.

Die Bausteine

281 Kinder haben in Calw ab September einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Nicht alle davon werden diesen Anspruch geltend machen. Die Verwaltung rechnet dennoch mit einem deutlichen Anstieg.

Um vor diesem Hintergrund die Komplexität der Angebote zu verringern und mit den vorhandenen Ressourcen auszukommen, sollen die Betreuungsbausteine angepasst werden, erklärte Carina Kober, die zusammen mit Thomas Seifert die Abteilung Bildung leitet.

Dabei seien die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern ebenso wie die personelle und finanzielle Situation der Stadt berücksichtig worden.

Letztere ist mehr als angespannt. 2026 kalkuliert die Stadt mit knapp 90,8 Millionen Euro Ausgaben und 85,5 Millionen Euro Einnahmen im laufenden Betrieb – also einem Defizit von 5,3 Millionen Euro.

Künftig soll es in Calw, Hirsau, Wimberg, Altburg und Stammheim weiter Kernzeitbetreuung vor und nach dem Unterricht geben. In Heumaden, ab September eine Ganztagsschule, bekommen die Kinder zusätzlich die städtische Schulkindbetreuung am Freitagmittag bis 15 Uhr hinzu.

Eine Kernzeit-Frühbetreuung ab frühstens 7 Uhr bis Unterrichtsbeginn wird zukünftig an allen Standorten angeboten.

Die Nachmittagsbetreuung bleibt für Stammheim bestehen und wird neu für Wimberg angeboten. Diese kann tageweise an bis zu fünf Wochentagen gebucht werden.

Die Bausteine der Betreuung nach dem Unterricht mit Mittagstisch an einem Tag mit Nachmittagsunterricht in Heumaden sowie die Hortbetreuung in Stammheim fallen weg.

Die Ferienbetreuung

Auch die Ferienbetreuung soll neu aufgestellt werden. So sollen rund 47 der insgesamt rund 67 Ferien- und Brückentage pro Jahr abgedeckt werden, mit einer Betreuungszeit von acht Stunden pro Tag und einem Mittagessen.

Um mit dem bestehenden Personal auszukommen, plant die Verwaltung, die Betreuung nur noch an einem Standort anzubieten statt wie bisher an verschiedenen. Vorgesehen ist dafür die Erna-Brehm-Schule in der Kernstadt.

Die Kosten

Wie viel das Ganze kosten wird, ist aktuell noch unklar. Erste Schätzung rangieren zwischen 31 Euro für 7,5 Stunden Betreuung pro Woche und 187 Euro für Nachmittagsbetreuungstage, zuzüglich Kosten für Mittagessen, pro Monat.

Die genaue Gebührenkalkulation soll aber noch berechnet und festgelegt werden.

Großer Unmut

Die Pläne der Verwaltung sorgten indes nicht überall für Begeisterung. Insbesondere Oliver Höfle (GfC) bemängelte, dass das Angebot für die Stammheimer reduziert werde. Außerdem kritisierte er das Vorhaben, die Ferienbetreuung zentral nach Calw zu verlagern. Und er erklärte, es sei im Vorfeld zu wenig kommuniziert worden, es habe zu wenige Informationen gegeben.

Höfle sprach von einem funktionierenden System, das hier verschlechtert werde.

Oberbürgermeister Florian Kling hielt dem entgegen, dass es generell sehr komplex sei, eine Betreuung an 48 Wochen im Jahr verlässlich anbieten zu können. Und das bei mutmaßlich stark steigender Nachfrage, nun, da es einen Rechtsanspruch gebe.

Mehr sei immer möglich – dann brauche es aber deutlich mehr Personal. Und Kling stellte klar: „Die Vorgabe (des Gemeinderats, Anm. d. Red.) war, dass wir das mit dem vorhandenen Personal machen.“ Das sei umgesetzt worden.

In Sachen Ferienbetreuung räumte er ein, dass bis jetzt die meisten Kinder aus Stammheim oder Heumaden gekommen seien – andernorts habe es aber auch kein so gutes Angebot gegeben. Und ja, bis jetzt funktioniere das System – unter den jetzigen Umständen. Der Rechtsanspruch gelte aber ab September für alle. Entsprechend sei mit einem Wachstum zu rechnen.

Kober ergänzte, natürlich könne auch alles so bleiben, wie es ist. Und wer den Rechtsanspruch einklage, dem könne man ja sagen, er müsse sein Kind eben nach Stammheim bringen. Unter anderem Wimberger und Altburger hätten dann aber das Nachsehen.

Seifert bemühte sich, die Vorteile des neuen Konzeptes aufzuzeigen. Bislang sei die Feierenbetreuung etwa an die Schulkindbetreuung gekoppelt gewesen. Wer also in Schulzeiten keine Betreuung hatte, hatte auch zu Ferienzeiten keine. Das ändere sich nun und bringe einen Gewinn für alle.

Darüber hinaus sei die Ferienbetreuung für alle sichergestellt. Mancherorts waren in der Vergangenheit zu wenige Kinder gemeldet worden und die Betreuung teils nicht zustande gekommen.

Der Beschluss

Insbesondere bei der Ferienbetreuung blieben am Ende für Höfle zu viele Fragezeichen. Sein Antrag, das Thema erneut zu beraten, wurde aber mit großer Mehrheit abgelehnt.

Der Ausschuss stimmte dem Vorgehen und den Plänen der Verwaltung schließlich bei vier Gegenstimmen zu.