Die Stettener Festhalle hat ein klares Ablaufdatum: An Silvester 2026 ist Schluss. Die Standfestigkeit ist nicht mehr gegeben. Die Planungen für einen Ersatzneubau laufen. Foto: Thomas Jauch/Stadt Hechingen

Es gibt kein Zurück. Die marode Stettener Halle muss zum Jahresende geschlossen werden. Der Förderantrag für einen sieben Millionen Euro teuren Neubau wird eilends gestellt.

Hechingens größter Stadtteil steht vor herausfordernden Jahren: Das Schulhaus und der Kindergarten platzen aus allen Nähten, und die Turn- und Festhalle kommt nicht mehr durch den Gebäude-Tüv.

 

Dass mit Ablauf des Jahres 2026 mit der Nutzung der maroden Halle endgültig Schluss sein muss, haben Michael Werner, der Hoch- und Tiefbauchef der Stadtverwaltung, und Marc Meßmer, Bereichsleiter Bürgerdienste, dem Stettener Ortschaftsrat am Mittwochabend noch einmal dargelegt. Ortsvorsteher Otto Pflumm dazu: „Wir müssen das schweren Herzens akzeptieren.“

Er wisse, dass viele Stettener verärgert sind: „Es wird viel gescholten.“ Aber er könne einen Weiterbetrieb weder moralisch noch haftungsrechtlich verantworten: „Ich will keine Gefängniszelle von innen sehen wie die Verantwortlichen von Crans-Montana.“​

Hoffnung auf Asyl in Boll

Der Dorfchef gibt sich keinen Illusionen hin: „Das bedeutet, dass Stetten mindestens vier Jahre lang keine Halle zur Verfügung haben wird.“ Zusammen mit allen nutzenden Gruppen, der Stadtverwaltung und anderen Stadtteilen werde man sich auf die Suche nach Ersatzlösungen machen. Pflumm weiß: „Wir müssen Abstriche machen. Aber ich hoffe doch schwer, dass wir vor allem in Boll Asyl kriegen.“ Fest vereinbart sei schon, dass der Sportunterricht der gemeinsamen Grundschule in Boll stattfinden werde. Und auch den Vereinen winkten Ausweichquartiere.​

Was ganz aktuell auf der Agenda steht, ist der städtische Förderantrag für einen Ersatzneubau. Der muss bis zum 31. Januar gestellt sein, um für Zuschüsse aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ in Frage zu kommen. Der Hechinger Gemeinderat trifft sich deshalb am 27. Januar zu einer Sondersitzung. Der Stettener Ortschaftsrat hat die Antragstellung jetzt einstimmig befürwortet. „Wir begrüßen das“, sagte Otto Pflumm.​

Dem Antrag liegt die aktuelle Machbarkeitsstudie zugrunde. „Das ist nur ein Entwurf und von endgültigen Plänen noch weit entfernt“, sagt der Ortsvorsteher. Die Kostenschätzung beläuft sich auf satte sieben Millionen Euro. Finanziert werden soll dieser Brocken in fünf Raten von 2026 bis 2030 auch mit Hilfe einer dafür reservierten Million aus dem Sondervermögen des Bundes. „Wäre super, wenn das so funktionieren könnte“, meint Pflumm. Alles steht jedoch noch unter Finanzierungsvorbehalt. Anders als für den Kindergarten auf dem Nachbargrundstück gibt es noch keinen verbindlichen Baubeschluss – und Otto Pflumm weiß: „Vom Himmel fallen wird die Halle nicht.“​

Ortschaftsrat muss weichen

Kurzfristiger als für die Halle sind die Ausweichlösungen, die für die stetig wachsende Stettener Grundschule gefunden werden müssen. Weil diese vom kommenden Schuljahr an durchgehend zweizügig geführt wird, stellt die Ortschaftsverwaltung der Schule den Sitzungssaal als Lehrerzimmer oder Sekretariat zur Verfügung. Der Ortschaftsrat muss deshalb weichen und wird künftig entweder im Proberaum des Schulhauses oder im Johannessaal tagen müssen. „So flexibel müssen wir sein“, sagt Pflumm. „Es ist für die weitere Entwicklung unserer Schule wichtig, dass ihr Platzbedarf gedeckt wird.“​

Pragmatismus und Flexibilität: Das sind die Tugenden, die in Stetten in naher Zukunft gefragter sein werden denn je.​​