Zahlreiche Gebäude im barocken Stil – wie etwa die Bartholomäuskirche – haben den Gemeinderat dazu veranlasst, die Zusatzbezeichnung "Barockstadt" für Ettenheim zu beantragen. Das Innenministerium gab dem Antrag am Montag statt. Foto: Hiller

19 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs erhalten ab Oktober offiziell eine Zusatzbezeichnung. Unter ihnen ist auch, als einzige Kommune im Ortenaukreis, Ettenheim. Dieses heißt ab Oktober nun offiziell "Barockstadt Ettenheim".

Ettenheim - "Es freut mich sehr, dass die Stadt Ettenheim sich nun ab dem 1. Oktober Barockstadt nennen darf. Ettenheim stellt mit der Bezeichnung die barocke Bausubstanz heraus, die an vielen Stellen in der gesamten Kernstadt und darüber hinaus erhalten ist. Zahlreiche Gebäude wie zum Beispiel die beiden Stadttore, die Bartholo-mäus- und die Spitalkirche sowie das Rathaus bürgen für den Charakter des Barock als maßgebliche Kulturepoche der Stadtentfaltung", gratuliert der stellvertretende Ministerpräsident, Innen- und Kommunalminister Thomas Strobl am Montag der Stadt, ihren Bürgern sowie Rathauschef Bruno Metz.

Bürgermeister findet Zusatzbezeichnung sehr passend

Letzterer freute sich am Montag darüber, dass das Ministerium dem Antrag des Gemeinderats gefolgt war. "Der Zusatz Barockstadt  passt sehr gut zu Ettenheim und wir zusätzliche positive Aufmerksamkeit auf die Stadt lenken", sagte Metz im Gespräch mit unserer Redaktion. "Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die historischen Wurzeln und ein Stadtbild, das nicht alltäglich ist", betont er. So sei das Ensemble im barocken Stil, das ausschlaggebend für die Zusatzbezeichnung war, vom Denkmalamt auch als solches anerkannt.

Zusatzbezeichnung soll auch auf Ortsschild zu lesen sein

Eine offizielle Zusatzbezeichnung kann auf den Ortstafeln an den Ortseingängen geführt werden – das soll auch in Ettenheim bald der Fall sein. "Wir werden Schilder mit der Zusatzbezeichnung Barockstadt" bestellen", verspricht Metz.

Am 2. Dezember 2020 hatte der Landtag von Baden-Württemberg auf Vorschlag Strobls hin eine Änderung der Gemeindeordnung beschlossen, mit der die bislang zurückhaltende Praxis im Bereich der Zusatzbezeichnungen gelockert wurde. Zuletzt waren im Dezember 2021 an 23 Gemeinden Genehmigungen von Zusatzbezeichnungen ausgesprochen worden. Mit den neuen 19 Genehmigungen dürfen nun mehr als 80 Gemeinden beziehungsweise Ortsteile eine kommunalrechtliche Zusatzbezeichnung führen, heißt es in der Pressemitteilung des Innenministeriums am Montag.

Ettenheimer Gemeinderat trug Entscheidung mit

Eine Zusatzbezeichnung kann über einen Gemeinderatsbeschluss mit qualifizierter Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen aller Mitglieder beantragt werden. Das war in Ettenheim im Juni nach einem Antrag von Thomas Dees (FW) der Fall. Genau die geforderten 21 Ratsmitglieder stimmten damals für den Antrag. Mahlberg hingegen war mit der Bezeichnung "Stauferstadt" an dieser Hürde im März gescheitert. "Es ist schön, dass der Ettenheimer Gemeinderat diesen Weg mitgegangen ist. Die Bezeichnung ›Barockstadt‹ ist nichts Künstliches, sondern etwas, das organisch zu Ettenheim passt", so Metz.

Besonders beliebte Bezeichnungen

"Mit Zusatzbezeichnungen stärken wir die Identität und das Zusammengehörigkeitsgefühl vor Ort, kurz: Wir stärken unsere Kommunen. Deshalb habe ich mich dafür stark gemacht, dass unsere Kommunen diese Möglichkeit bekommen", erklärt Strobl. Vor der Gesetzesänderung wurden im Wesentlichen lediglich die Bezeichnungen "Bad" und "Universitätsstadt" verliehen. Die Zusatzbezeichnungen enthalten eine charakterisierende Aussage über den Status, die Eigenart oder die Funktion einer Gemeinde oder eines Ortsteils in gegenwärtiger oder historischer Hinsicht. "Zumeist wird auf die Geschichte der Stadtgründungen Bezug genommen, zum Beispiel auf die Staufer, den Malteserorden und gleich zweimal auf die Waldenser. Oder auf berühmte Söhne der Gemeinde, wie zum Beispiel auf Götz von Berlichingen. Mehrfach wird aber auch auf die Gemeinde besonders prägende Merkmale abgehoben, wie zum Beispiel auf die Triberger Wasserfälle oder die besondere geografische Lage im Dreiländereck. Drei Gemeinden wird heute eine dem bereits kurortrechtlich zuerkannten Prädikat entsprechende Bezeichnung zusätzlich kommunalrechtlich genehmigt", gibt Strobl Auskunft. Diese Zusatzbezeichnungen können auch geändert werden. Für die Stadt Wildberg ändert sie sich nun von "Luftkurort" zu "Schäferlaufstadt".