Um halbstündig fahren zu können, muss die Hesse-Bahn Gas geben. Damit sie das darf, muss klar sein, dass die Fledermäuse sicher sind. Der Nachweis ist da. Die Genehmigung noch nicht.
Fahrgäste der Hesse-Bahn aufgepasst: Vom 6. bis einschließlich 13. Juni steht eine Vollsperrung der Strecke an. Das neue digitale Stellwerk der Hesse-Bahn muss in dieser Zeit an das ältere Stellwerk der Deutschen Bahn angeschlossen werden.
Ab dem 14. September soll der Betrieb dafür endlich so richtig Fahrt aufnehmen, die Bahn jede halbe Stunde kommen und von Calw bis Renningen durchfahren. So weit der Plan.
Damit das klappt, braucht es allerdings noch eine letzte Genehmigung. Der Ball liegt beim Regierungspräsidium in Karlsruhe.
Hintergrund sind die Fledermäuse in den Bestandstunneln bei Althengstett und Calw. Zu deren Schutz rollt die Hesse-Bahn derzeit im Bereich der Tunnel noch langsam statt mit vollem Tempo über die Gleise. Denn nicht nur Trennwände, auch weniger Geschwindigkeit schützt die Tiere.
Spezielle Methode
Um im Halbstundentakt verkehren zu können, braucht es nun jedoch mehr Tempo. Und das ist nur gestattet, wenn sich dabei keine Fledermäuse in der Gefahrenzone befinden.
Im Jahr 2025 entwickelten die Verantwortlichen daher eine spezielle Vergrämungsmethode mittels Ultraschallwellen, die die Fledermäuse davon abhält, in die Tunnel zu fliegen.
In Versuchen funktionierte das schließlich zu 100 Prozent. Im laufenden Betrieb standen diese Erfolge aus – weil die Tiere Winterschlaf hielten und Tests entsprechend keinen Sinn ergeben hätten. Und ohne Beweis, dass die Tunnel fledermausfrei sind und bleiben, keine Genehmigung.
Mittlerweile dürfte das aber nur noch eine Formalie sein.
Auch wenn, wie Frank von Meißner auf Anfrage berichtet, das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe momentan noch laufe.
Von Meißner ist Geschäftsführer des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn. Und der Zweckverband hat seine Hausaufgaben gemacht.
Unabhängige Artenschutz- und Fledermausexperten hätten Anfang Mai in dessen Auftrag „einen umfassenden, rund 90-seitigen Abschlussbericht zur wissenschaftlichen Bewertung des gesamten Fledermausschutzkonzepts der Hermann-Hesse-Bahn beim RP Karlsruhe eingereicht“, führt von Meißner aus.
Dieser Bericht falle sehr positiv aus. Nach Angaben der Gutachter sei das Gesamtkonzept des Fledermausschutzes „vollumfänglich geeignet, alle artenschutzrechtlichen Anforderungen“ zu erfüllen, erklärt der Geschäftsführer.
„Daten zeigen eine 100-prozentige Vergrämungswirkung“
Und: „Die Monitoring-Daten vom 15. April bis 5. Mai 2026 zeigen bislang eine 100-prozentige Vergrämungswirkung an den Bahnkammerzugängen.“
Dass das gelingen konnte, sagt von Meißner, sei erheblichen Anstrengungen des Zweckverbandes zu verdanken. In jahrelanger Entwicklungsarbeit sei „ein mehrstufiges, kaskadenartiges Vergrämungs- und Monitoring-System“ entstanden, „das nach Einschätzung der Experten im voll ausgebauten Zustand ab April 2026 eine nahezu vollständige Vergrämungswirkung erzielt“, berichtet er.
Das System kombiniere akustische Ultraschallvergrämung mit Lichtvergrämung und einem dauerhaften akustischen Monitoring.
„Wir sind sehr froh und auch ein wenig stolz darauf, dass wir gemeinsam mit den Experten ein Schutzkonzept entwickelt haben, das in dieser Form bundesweit neu ist – und das die Winterquartierfunktion dieser artenreichen Fledermausgesellschaft in den historischen Tunneln dauerhaft erhält“, erklärt der Geschäftsführer.
Wachsende Nachfrage
Nach dem positiven Tenor der Fledermausexperten seien alle Beteiligten insofern guter Dinge, dass die Genehmigung erteilt werde, um ab dem 14. Juni schneller fahren zu dürfen – und den Halbstundentakt umsetzen zu können.
„Das wird die Hermann-Hesse-Bahn nochmals attraktiver machen“, ist von Meißner überzeugt. „Schon jetzt spüren wir, seitdem wir den Fahrbetrieb bis in die Abendstunden ausgedehnt und die Anschlüsse in Weil der Stadt zur S-Bahn stabilisiert haben, auch im Pendlerverkehr eine erfreulich wachsende Nachfrage.“
Der Betrieb der Hesse-Bahn war zum 1. Februar gestartet. Unter anderem aufgrund von Restarbeiten in den Abendstunden verkehrte der Zug bis zum 12. April zunächst nur eingeschränkt von 5.30 bis 18.30 Uhr im Stundentakt. Aktuell fährt die Bahn bis Mitternacht, allerdings noch im Stundentakt.