Jungingen hat heute rund 1430 Einwohner – erste Hinweise auf eine Siedlung gibt es für das 4. Jahrhundert. Foto: Kauffmann

Vom Handwerkerdorf zur Industriegemeinde mit über 1100 Arbeitsplätzen. Jungingen feiert von 25. bis 27 Juli den 950. Geburtstag. Ein Blick auf die Anfänge der Gemeinde.

Die Gemeinde Jungingen feiert von Freitag bis Sonntag, 25. bis 27. Juli, mit einem Festwochenende den Höhepunkt des 950-Jahr-Jubiläums . Geboten werden neben einem Festakt am Freitag auch eine Party am Samstag sowie ein Familientag am Sonntag.

 

Anlass ist die erstmalige urkundliche Erwähnung Jungingens im Jahr 1075 in einer Hirsauer Urkunde. Unsere Redaktion blickt vor dem großen Fest in die Anfangszeit zurück.

Besiedlung wohl seit dem vierten Jahrhundert

Bodenfunde Jungingens gehen bereits in die alemannische Zeit zurück. Bis 1959 war der Ortsname „Jungingen“ allerdings der einzige Hinweis auf eine alemannische Vergangenheit, wie es im Junginger Heimatbuch, das zum 900-Jahr-Jubiläum 1975 erschien, geschrieben steht.

Das „-ingen“ sei typisch für alemannische Siedlungen gewesen. Doch dann sei 1959 zufällig beim Kinderhaus durch einen Baggerführer ein alemannischer Friedhof entdeckt worden.

Im vierten Jahrhundert nach Christus dürfte die Besiedlung der hiesigen Gegend durch die Alemannen erfolgt sein. Die Niederlassung erfolgte in sogenannten Sippen; nach dem Sippenältesten wurden die Orte benannt. Jungingens Gründer muss daher „Jungo“ oder „Jung“ geheißen haben, da mit dem Zusatz „ingen“ die Bedeutung „bei der Sippe“ oder „bei den Leuten des Jungo“ entstehe, wie es in einem Beitrag von Casimir Bumiller im Heimatbuch heißt.

Der Ortskern wird auf die Gegend rund um Krone und im „Gässle“ beschrieben. Über die alltäglichen Verhältnisse im damaligen Jungingen gebe es aber keine Dokumente.

Zwischen der Anlage des Junginger Alemannenfriedhofs um 600 nach Christus und der ukrundlichen Ersterwähnung 1075 liegen rund 500 Jahre, über die ebensowenig bekannt ist. Klar ist, dass die Alemannen gegen 750 vollends ins fränkische Reich eingegliedert und durch die Karolinger beherrscht wurden.

Katastrophe: Jungingen wurde niedergebrannt

Zu welchem Verwaltungsbezirk respektive welcher Grafschaft Jungingen anschließend gehörte, darüber können laut Bumillers Beitrag im Heimatbuch nur Vermutungen angestellt werden. Da politische Grafschafts- und kirchliche Kapitelgrenzen in der damaligen Zeit häufig zusammengefallen seien, bestehe die Möglichkeit einer Zugehörigkeit zur Grafschaft Hattenhuntare (Hechingen, Mössingen) oder Burinchincagau (Gammertingen, Melchingen). Der Heimathistoriker tendiert zu letzterer.

Der Name Altrich von Jungingen taucht 1075 in einer Hirsauer Urkunde auf. Jungingen gab also einem Adelsgeschlecht seinen Namen.

Hintergrund war, dass 1075 unter Kaiser Heinrich IV. das Kloster Hirsau wieder errichtet wurde. Altrich von Jungingen bezeugte dies. Dieser Altrich sei der erste bekannte Angehörige der Herren von Jungingen.

Die Jahreszahl ist gleichzeitig die Grundlage für die Feier des 950-Jahr-Jubiläums – und das, obwohl Jungingen als Ort nicht direkt genannt wird. Wie Bumiller im Heimatbuch weiter erläutert, setze die Tatsache, dass ein Adelsgeschlecht den Namen „von Jungingen“ trägt, die Existenz des zugehörigen Dorfes aber voraus. Südlich von Jungingen auf dem „Bürgle“ ist die Burg des Ortsadels gestanden.

Wie es weiterging? Um 1278 ging die Burg an den Johanniterorden über und kam um 1300 an den Grafen Eberhard von Württemberg. 1311 wurde sie im Städtekrieg von den Reutlingern zerstört.

Damit einher ging eine weitere Katastrophe: Jungingen wurde niedergebrannt. Die neue Siedlung 1473 wurde zollerisch.

In der jüngeren Vergangenheit hat sich das moderne Jungingen vom Bauern- und Handwerkerdorf zu einer Industriegemeinde entwickelt. Auch auf diese Entwicklung wird am kommenden Jubiläumswochenende feierlich angestoßen.

Programm zu 950 Jahre Jungingen

Freitag, 25. Juli
 Die Feierlichkeiten beginnen mit einem Festakt ab 19 Uhr in der Turn- und Festhalle. Neben der Begrüßung von Bürgermeister Oliver Simmendinger gibt es Grußworte und Informationen rund um 950 Jahre Jungingen. Den anschließenden Empfang umrahmt der Musikverein „Eintracht“ Jungingen und der Projektchor musikalisch.

Samstag, 26. Juli
 Am Samstag geht die Feier ab 16 Uhr auf dem Festgelände bei der Turn- und Festhalle weiter. Auf dem Programm stehen eine Eröffnung durch die Alphornbläsergruppe Jungingen, ein Fußballspiel zwischen aktiven und ehemaligen Bürgermeistern des Zollernalbkreises und einer AH-Auswahl „Jungingen“, der Fassanstich durch Bürgermeister Oliver Simmendinger sowie Unterhaltung mit Lieder a la carte im Festzelt. Ab 20.30 Uhr ist Party und Rock mit Tanz in der Turnhalle unter anderem mit der Party-Cover-Rock-Band Precious Time angesagt. Auch ein Barbetrieb wird angeboten.

Sonntag, 27. Juli
Los geht der dritte Festtag ab 9.50 Uhr mit einem Ökumenischen Gottesdienst. Das Festbuch wird vorgestellt; Musikvereine unterhalten und der Kindergarten und die Grundschule haben einen Auftritt. Es gibt eine Oldtimer-Parade ab 11 Uhr und es werden die Gewinner der Jubiläums-Tombola gezogen (17 Uhr). Für Speis und Trank ist am gesamten Wochenende gesorgt.