Vor 90 Jahren bot Bad Herrenalb noch beste Wintersportbedingungen. Und es gab sogar einmal eine richtige Sprungschanze.
Bad Herrenalb feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Der Herrenalber Skiclub wird 100 Jahre alt. Dass der Verein schon früh weit mehr war als nur eine sportliche Gemeinschaft, zeigt ein bemerkenswerter Fund aus der Vergangenheit. Historikerin Sabine Zoller ist kürzlich ein Werbeprospekt aus dem Jahr 1936 in die Hände gefallen – ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie aktiv der Skiclub bereits vor rund 90 Jahren am Veranstaltungs- und Tourismusmanagement der Kurstadt beteiligt war.
Der Winter-Werbeprospekt begeistert mit atemberaubenden Fotografien und schwärmerischen Texten für den Sport in der Natur und die winterliche Welt Herrenalbs. Während heute Olympische Winterspiele Millionen Menschen weltweit vor den Bildschirm locken, gab es in den 1920er- und 1930er-Jahren noch keine „Flimmerkiste“. Umso größer war damals die Faszination für winterliche Aktivitäten im Schnee – eine Attraktion, die auch in Bad Herrenalb gezielt beworben wurde.
Titelbild lädt zum Träumen ein
Bereits das Titelbild des Prospekts lädt zum Träumen ein: Eine tief verschneite Winterwunderwelt, wie sie heute in unseren Breitengraden nur noch selten zu erleben ist. Ein Weg führt ins Gaistal, eingerahmt von glitzerndem Schnee. Für den Preis von fünf Reichspfennigen konnten Interessierte weitere Informationen über den heilklimatischen Kurort erhalten. Gepriesen wird die Lage im nördlichen Schwarzwald auf 300 bis 900 Höhenmetern – ideal für den Wintersport.
Im aufgeklappten Prospekt entfaltet sich eine bizarre Schneelandschaft mit eisverkrusteten, schneeweißen Tannen. Davor steigen Skiläufer in einer Vierergruppe den Hang hinauf, gekleidet in Knickerbockerhosen und dicke Wollpullover. Wintersport, wie er heute wieder an Beliebtheit gewinnt – damals jedoch ohne Skilifte und technische Hilfsmittel. Wer eigene Ski besaß, durfte sich glücklich schätzen. Kinderträume vom Skifahren erfüllten sich oft mit improvisierten Brettern aus alten Fassdauben, die mangels Bindungen an die Schuhe genagelt wurden.
Besondere Vorzüge
Der Prospekt schwärmt von „tiefverschneiten, diamantglitzernden Wäldern“, die dem „Skiläufer und Wanderer ein Bild unvergleichlicher Anmut bieten“. Hervorgehoben wird zudem das mittlere Höhenklima mit „seltenen Tiefnebeln“ und einer stets bewegten, frischen Luft aus mehreren Seitentälern – eine geschützte Lage, die selbst bei Winterkälte als besonderer Vorzug Herrenalbs beschrieben wird. Für Skiläufer werden zahlreiche Ziele in der näheren Umgebung genannt: die Teufelsmühle, der Langmartskopf mit „Schihütte“, Kaltenbronn, der Wildsee und der Dobel.
Besonders beeindruckend ist eine Fotografie, die heute als echte Rarität gilt: die Sprungschanze des Herrenalber Skiclubs. Aus der Ferne aufgenommen, zeigt das Bild im Gaistal eine imposante Anlage mit enormen Schneemengen. Auf einem abgesteckten Feld sind zahlreiche Helfer bei der Arbeit, während sich entlang des Sprungareals Menschentrauben versammeln, um das Spektakel zu verfolgen.
Springkurse unter Anleitung eines Sportlehrers
Im Text heißt es dazu: „An den Hängen der Talwiese und im Gaistal sind vielseitige Übungsmöglichkeiten vorhanden. Auf der neuzeitlichen Sprungschanze des Herrenalber Skiclubs werden Springkurse unter Anleitung eines Sportlehrers abgehalten.“ Weiter wird informiert, dass der Skiclub „Kameradschaftsspringen, Skikurse und Führungen“ veranstaltet. Passend zum Werbezweck des Prospekts folgt der Hinweis auf die touristische Infrastruktur: „Eine größere Anzahl an Hotels und Pensionen, die allen Ansprüchen Genüge leisten, sind das ganze Jahr geöffnet und bieten jedermann Gelegenheit, die herrliche Winter-Natur Herrenalbs zu genießen.“
Gedruckt wurde der Prospekt in einer Auflage von 3000 Exemplaren – bereits als dritte Auflage, was selbst aus heutiger Sicht eine beachtliche Zahl darstellt.
Sommerprospekt mit Auflage von 47 000 Exemplaren
Nur ein Jahr später, 1937, erschien zudem ein deutlich erweiterter Sommerprospekt der Kurverwaltung. In für die Zeit modern anmutendem, orangefarbenem Design wurden darin nicht nur die gute Anbindung Bad Herrenalbs nach Karlsruhe über die elektrisch betriebene Albtalbahn beworben, sondern auch der regelmäßige Omnibusverkehr nach Neuenbürg, Wildbad, Gernsbach und Baden-Baden. Über Karlsruhe bestanden zudem Flugverbindungen mit „guten Anschlüssen in alle Großstädte“. Die Fotografien, teils aus dem ortsansässigen Fotostudio Herr – wurden in einer beeindruckenden Auflage von 47 000 Exemplaren verbreitet und fanden sicherlich eine große Leserschaft.
Der Fund dieser Prospekte zeigt eindrucksvoll: Der Herrenalber Skiclub war schon früh Motor für Sport, Tourismus und Werbung und ist damit seit nunmehr 100 Jahren eng mit der Geschichte Bad Herrenalbs verbunden.