Zum 90-jährigen Bestehen der Narrenzunft Aichhalden zeigt eine Ausstellung im Rathaus die Entwicklung der örtlichen Fasnet.
Die 90-jährige Geschichte der Narrenzunft Aichhalden, die derzeit gefeiert wird, ist nun auch im Rathaus Aichhalden lesbar und sichtbar. Eine Ausstellung im Foyer kann zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden.
In Zusammenarbeit mit Obernarr Walter Schwab hat der Heimat- und Geschichtsverein Aichhalden-Rötenberg eine Ausstellung auf die Beine gestellt, deren Besuch sich kein echter Narr entgehen lassen sollte.
Orden, Anstecknadeln, Festschriften
In der Ausstellungsvitrine sind zahlreiche Accessoires, Orden, Anstecknadeln, Dokumente, Festschriften und viele weitere mit der Fasnet verbundene Exponate zu sehen. Die zusammengetragenen Sammlerstücke beginnen jedoch nicht erst mit der Gründung der Narrenzunft im Jahr 1939 im Gasthaus Hirsch. Denn Fasnet wurde in Aichhalden bereits deutlich früher, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, gefeiert. Anfangs beschränkten sich die närrischen Aktivitäten auf die Gasthäuser, ehe die Fasnet später auf die Straße getragen wurde. Immer wieder fanden sich Gruppen zusammen, die Umzüge organisierten.
Erste Narrenkappe mit zwei Zipfeln
Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war erstmals ein aus Bettlaken geschneidertes Narrenkleid, der sogenannte „Domino“, auf den Straßen Aichhaldens unterwegs. Die Maskierung diente vor allem dazu, den Mitbürgern ihre Schandtaten und Fehler unerkannt an den Kopf werfen zu können. Aus dieser Zeit stammt auch die erste rote Narrenkappe mit zwei Zipfeln. Am Fasnetsmontag 1935 wurde beim traditionellen Wurstsalatessen – aus einer Schüssel ohne Besteck – der Beschluss gefasst, eine Narrenzunft zu gründen. Für die Elferräte wurde daraufhin eine neue Narrenkappe angeschafft, fünf weitere folgten im Laufe der Zeit.
Ab ins Ofenrohr
Zwischen 1939 und 1948 ruhte das fasnetliche Treiben vollständig. Im Februar 1949 eröffnete die Sportgemeinschaft im Gasthaus Engel die Fasnet, da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Narrenzunft gab. Wie aus einem handgeschriebenen Protokoll des damaligen Schriftführers Alfons Staiger hervorgeht, wurde bei dieser Veranstaltung erstmals versucht, den Brandteufel und die Hexen der Öffentlichkeit vorzuführen. Am Fasnetsmontag sollte anschließend der „Aichhalder Blitz“ vom hohen Narrengericht – dem Teufel und den Hexen – übernommen und im Ofenrohr seinem Ende zugeführt werden.
Mit der Wiedergründung der Narrenzunft entstanden 1951 der Hansel, 1959 die Aichhalder Hexe mit Blitzteufel und 1972 der Sauhirt als neue Narrenfiguren. Der Domino verschwand damit von der Bildfläche. Alle Narrenfiguren tragen als Symbole der Narrenzunft den Blitz, das Feuer und die Sau.
Erste Kleidung für den Elferrat 1955
Die erstmalige Vorstellung der Hexenkleider erfolgte 1959 im Gasthaus Krone, auf dessen Platz sich heute das Rathaus befindet. Hinter der Vitrine sind ein Obernarr und zwei Elferräte in Menschengröße eingekleidet dargestellt – auch daran lässt sich die Entwicklung der Zunftgeschichte anschaulich nachvollziehen.
Die erste Kleidung für den Elferrat wurde 1955 angeschafft und bis 1968 getragen. Dem Umhang folgte ein weinroter Smoking mit Narrenkappe. Ab 1974 wurde dieses Outfit zur neuen Kleidung der Obernarren, während die Elferräte neue Kittel mit Dreieckshut erhielten.
Ehrenpräsidenten
Zuletzt neu eingekleidet wurde der Elferrat im Jahr 2000. Ab 2011 legten sich auch die Obernarren ein neues Outfit zu, das sie selbst finanzierten. Kontinuität war dabei nicht immer eine der großen Stärken der Narrenzunft: Seit der Gründung im Jahr 1936 gab es insgesamt 14 Zunftpräsidenten. Am längsten, nämlich 16 Jahre von 1981 bis 1997, stand der heutige Ehrenpräsident Bernhard Broghammer (BB1) an der Spitze der Zunft. Ihm folgt Bernhard Blaffert (BB2) mit zehn Amtsjahren. Der aktuelle Zunftchef Michael Kruck, der zur Fasnet 2019 Klaus Hörl ablöste, kommt – ebenso wie Alfons Staiger (1955 bis 1962) – auf sieben Amtsjahre.
Neben dem 90-jährigen Vereinsbestehen hat die Narrenzunft mit dem 70-jährigen Bestehen des Narrenmarschs von Walter Pfeifle einen weiteren Grund zum Feiern.
Ausblick
Der Heimat- und Geschichtsverein
hat bereits für die Zeit nach Aschermittwoch die nächste Ausstellung im Visier. Diese dreht sich um Pokale und Trophäen von Sport treibenden Vereinen. Dazu ruft der Verein auf, alte Sport- und Wettkampfkleidung wie Trikots und Dress ihm zukommen zu lassen.