Die gebürtige Albstädterin Lieselotte Probst kann heute ihren 85. Geburtstag feiern. Foto: Vera Bender

Lieselotte Probst wurde 1941 in Albstadt geboren und hat dort fast ihr ganzes Leben verbracht. Mit 85 Jahren ist sie immer noch für unseren Verlag tätig.

Als Lieselotte am 20. Mai des Jahres 1941 geboren wurde, herrschte nicht nur in Albstadt Krieg, Elend und Armut. Das Mädchen war dreieinhalb Jahre alt, da meinte der Vater bei seinem Heimaturlaub: „Du brauchst nicht weinen, ich komme bald wieder.“ Doch Eugen Speidel kam nie wieder zu Frau und Tochter zurück. Auch wenn Mutter Erna noch jahrelang verzweifelt versucht hatte, zu erfahren, wo der junge Unteroffizier umgekommen ist.

 

Lieselotte Probst kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als sie eine Damenschneiderlehre absolvierte und von ihrer Mutter eine Nähmaschine geschenkt bekam. Fortan nähte sie mit viel Leidenschaft ihre Garderobe selbst. Mit knapp 18 Jahren lernte die Ebingerin Horst Probst beim Gausängerfest des Sängerbundes kennen und lieben. Ein Jahr später wurde geheiratet und im Dezember 1959 kam Sohn Wolfgang auf die Welt. Zu jener Zeit lebte die kleine Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung bei Mutter Speidel, die arbeiten ging, während Lieselotte Probst Heimarbeit verrichtete und sich um das Söhnchen kümmerte.

Ranchfest ausgerichtet

Da der Ehegatte Stuckateur war, träumten die beiden vom Eigenheim, das sie im Jahr 1961 auf Stiegel in Tailfingen fertigstellten und gemeinsam mit der Mutter bezogen. Zwei Jahre später wurde dort Tochter Marion geboren – als Heimgeburt ohne Hebamme, die zu spät kam. Nachdem Ehemann Horst die Meisterprüfung im Jahr 1965 abgelegt und Lieselotte Probst in den Abendstunden ihre Kauffrau-Ausbildung absolviert hatte, machten sich die beiden mit dem eigenen Geschäft selbstständig, bauten auf Langenwand 1968 eine große Lagerhalle und stellten Gipser ein.

Als große Tierfreunde hielt man bald schon Hühner, Enten, Schafe und Pferde. Nur drei Jahre später kauften die Eheleute Probst den Zitterhof, um zusätzlich noch Mietpferde im Stall unterzubringen und aus dem benachbarten Kuhstall eine Wochenendwirtschaft zu erschaffen. Drei Jahre lang betrieben sie die „PROCO-Ranch“. Während Mutter Speidel die Kinder betreute, tauschte Lieselotte Probst den Schreibtisch mit der Theke.

Pause? Fehlanzeige! Am 8. Oktober 1972 titelte die Regionalzeitung: „Tausende kamen zum Ranchfest“. Das war eine einmalige Sache in der gesamten Region.

Doch der Körper fordert irgendwann seinen Tribut. Den geliebten Zitterhof musste man aufgeben. Gleichzeitig wurde das Eigenheim verkauft. Im Gegenzug bauten sich die Eheleute auf Langenwand neben ihrer Lagerhalle eine neue Heimat. Es gab doch kein Kürzertreten. Das Geschäft boomte, und so war die zweifache Mutter fast Tag und Nacht im Büro und kümmerte sich auch um Materiallieferungen auf die Baustellen – 32 Jahre lang. Verlass war auf die eigene Mutter, die selbst zur Arbeit ging und trotzdem für die Enkelkinder da war. „Viele Sorgen und auch Arbeit hat sie mit mir geteilt“, erinnert sich Lieselotte Probst.

Einsatz für Friedhof

Als einige Operationen sie in der Klinik Station machen ließen, brachte der Gatte ihr die Schreibarbeit sogar ans Krankenhausbett: „Da hat man Zeit.“ „Freizeit gab es wenig, dafür immer viel zu tun – ob Büro, Materialfahrten oder Gartenarbeit“, blickt Lieselotte Probst zurück. Sohn und Tochter haben beide Familien gegründet. Nach und nach kamen fünf Enkelkinder auf die Welt, die für viel Freude sorgten. Inzwischen gibt es auch schon sieben Urenkel.

Doch auch Turbulenzen hatte Lieselotte Probst zu bewältigen, an die sie nicht so gerne zurückdenkt. Es zog sie und ihre Mutter schließlich im Jahr 1991 nach Freudenweiler, wo sie für sich nochmals ein Eigenheim bauten. Drei Jahre lang konnten die beiden Frauen glücklich im neuen Heim leben, dann fand Lieselotte Probst ihre geliebte Mutter tot auf. Sie war an einem Hirnschlag verstorben. Doch das Leben musste weitergehen.

Von 1996 bis 2001 spielte die heutige Jubilarin beim Volkstheater in Balingen. Sie ist beim Wirtshaussingen in Obernheim dabei, kümmert sich um den Blumenschmuck in der kleinen Friedhofskapelle in Ebingen, und seit zehn Jahren kämpft sie mit dem Arbeitskreis für den Erhalt der großen Friedhofskapelle. Schon über 20 Jahre lang schmückt sie den Soldatenfriedhof in Beuron.

Emsig wie eh und je

„Ich habe viel erlebt an Höhen und Tiefen“, meint Lieselotte Probst, die ihrem Schöpfer für alles dankbar ist. Die Stationen ihres Lebens hat sie für ihre Familie in einem Buch mit dem Titel „Liebe, Leid und Hoffnung“ niedergeschrieben. Ab dem Jahr 1998 sorgte Lebenspartner Ernst dafür, dass die Seniorin an den Wochenenden nicht alleine war. Er ist im vergangenen Jahr verstorben und hinterließ eine weitere Lücke. Trost haben viele gute Freunde gespendet.

Von 2006 an machte Lieselotte Probst für verschiedene Regionalzeitungen Werbung und war für den Schwarzwälder Bote und später für die SÜDWEST PRESSE eine verlässliche und hochgeschätzte Kollegin im Vertrieb. Bis dato ist sie für den Verlag aktiv. Heute darf sie ihren 85. Geburtstag feiern, zu dem unser Verlag und die zugehörigen Redaktionen herzlich gratulieren.