Der Blick vom Dach des ZOB Richtung Wimberg: Hier könnte die Seilbahn dereinst starten. Foto: Thomas Fritsch

Seit Jahren gibt es Überlegungen, Calw ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen: eine Seilbahn. Immer wieder wurde dafür die Strecke von der Kernstadt auf den Wimberg ins Auge gefasst. Nun gibt es erste konkretere Pläne.

Durch die Luft schwebend Berge erklimmen, mit fantastischer Aussicht und einem ganz neuen Blick auf die Landschaft – das bieten die meisten Seilbahnen in den Gebirgen. Und künftig auch in Calw?

 

Möglich wäre es. Zumindest theoretisch. Das zeigen nun die ersten konkreteren Pläne, die die Stadtverwaltung unlängst vorlegte.

Die mögliche Strecke

„Die voraussichtlich realistische Variante würde direkt vom ZOB in einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung zum Berufsschulzentrum führen“, erklärt Tim Strobel, Leiter Stabstelle Strategie und Projekte bei der Stadt.

Die Strecke wäre dabei rund 800 Meter lang und würde etwa 150 Höhenmeter überbrücken. Auch andere Streckenführungen sind denkbar – oder Erweiterungen, etwa über Alzenberg bis nach Altburg. Diese, führt Strobel aus, würden aus Kostengründen jedoch vorerst ausscheiden.

Der Aspekt der Wirtschaftlichkeit

Grundsätzlich, so erklärte der Stabstellenleiter vor Kurzem im Calwer Bauausschuss, dürfe die Seilbahn nicht nur ein „Prestige-Objekt“ werden, sondern solle auch wirtschaftlich sein. Dazu müsste das Projekt unter anderem auch als Teil des Netzes an öffentlichen Verkehrsmitteln funktionieren.

Aktuell wiederum seien letztere „nicht konkurrenzfähig zum Individualverkehr“, was die Strecke vom Wimberg nach Calw betreffe. Eine Seilbahn könne da eine gute Alternative darstellen und sei besonders attraktiv für Fußgänger und Radfahrer, aber auch für Autofahrer, die dereinst bei großen Festen in der Kernstadt ihr Auto auf dem Wimberg abstellen.

Hinzukommen könnten touristische Aspekte einer Seilbahn, die bislang noch gar nicht näher betrachtet worden seien.

Oberbürgermeister Florian Kling stellte dabei in den Raum, wie toll es wäre, wenn künftig Stuttgarter mit der Hesse-Bahn aus Stuttgart kommen und mit der Seilbahn auf den Wimberg fahren würden, um dort dann direkt in den Ostweg einzusteigen.

Die Pläne des Bundesverkehrsministeriums

Mit der Idee, die Seilbahn als Ergänzung für Bus, Bahn und Co. zu nutzen, steht die Stadt im Übrigen nicht allein da.

Ende des Jahres 2022 veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium einen Leitfaden mit dem Titel „Urbane Seilbahnen im öffentlichen Nahverkehr“. Damit sollen Kommunen oder kommunale Verkehrsunternehmen unterstützt werden – von der Projektidee über die Planung und den Bau bis zum Betrieb, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

„Sie überqueren Hindernisse problemlos, sparen Platz am Boden, entlasten Straßen, haben nahezu keine CO2-Emmissionen und schließen Lücken im ÖPNV-Netz ohne umfangreiche Baumaßnahmen. Daher ist eine Umsetzung ebenso realistisch wie innovativ“, zählt Strobel auf.

Die Kosten

Wie teuer ein solches Vorhaben werden könnte, dazu kann der Stabstellenleiter noch keine Angaben machen. Sicher dürfte sein, dass es sich um eine Millionen-Projekt handeln würde.

Die Stadt wäre bei einer Umsetzung also „auf umfangreiche Fördermittel von Bund und Land angewiesen“, räumt Strobel ein – die allerdings auch zur Verfügung stehen und für die sich Calw bewerben könnte.

Nicht zuletzt deshalb sei es sinnvoll, „eine grundlegende Planung für den Zeitpunkt vorbereitet zu haben, wenn sich neue Spielräume ergeben“, ist der Stabstellenleiter überzeugt.

Der Zeitplan

Da das Projekt noch ganz am Anfang steht, ist vieles noch unklar. „Die tatsächliche Umsetzung einer Seilbahn auf den Wimberg seht derzeit noch in weiter Ferne“, so Strobel. Er spricht von mehreren Jahren.

Als nächste soll nun – sofern der Gemeinderat das dafür eingeplante Geld im Haushaltsentwurf bewilligt – eine Machbarkeitsstudie unter anderem eine Hausnummer liefern, mit welchen Kosten etwa zu rechnen wäre. Auch für diese Studie gebe es Fördermittel, „so dass sich die städtischen Kosten der Grundplanungen auf ein Minimum reduzieren dürften“, meint der Stabstellenleiter.

Das sagen die Gemeinderäte

Bevor Strobel die Pläne unlängst im Bauausschuss vorstellen konnte, grätschte zunächst die CDU dazwischen. Udo Raisch meinte, dass selbst die Machbarkeitsstudie angesichts der aktuellen finanziellen Lage bereits unnötig ausgegebenes Geld wäre. Und dass die Südostumfahrung seiner Fraktion wichtiger wäre. Kling erwiderte, dass die Südostumfahrung nicht schneller komme, wenn die Seilbahn abgelehnt werde.

Die Seilbahn-Idee an sich stieß – abgesehen von den möglichen Kosten – weitgehend auf Zustimmung. „Hätten wir so eine Seilbahn, wäre das ein Aushängeschild für unsere Stadt“, unterstrich zum Beispiel Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw), dessen Fraktionskollege Adrian Hettwer stimmte zu. Auch Dieter Kömpf (Freie Wähler) plädierte zumindest für die Machbarkeitsstudie. Ob es diese gibt, werden die Haushaltsberatungen zeigen.

Die Idee

Die Idee für ein solches Projekt, das erklärte Ott, sei indes keineswegs neu, sondern mindestens 50 Jahre als. Zeitweise sei auch eine Seilbahn nach Heumaden in der Überlegung gewesen. Zuletzt war das Ansinnen im Bürgerforum Innenstadt thematisiert und dadurch vorangetrieben worden.