Gleich drei Tage hintereinander zelebrierte Orschweier seine erste urkundliche Erwähnung vor 800 Jahren. Tausende festelten beim historischem Geburtstag mit.
Eröffnet wurde das Spektakel mit einem Festakt am Mittwochabend. Dazu waren 80 Gäste offiziell geladen. Treffpunkt war der kleine Malaucèner Platz neben dem Rathaus. Hier wurde die Fest-Schar von Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz und Orschweiers Ortsvorsteher Bernd Dosch begrüßt, die sich dazu festgerecht in schwarze Fräcke samt Zylindern geworfen hatten, wie auch Ortshistoriker Holger Otto als Dritter im späteren Redner-Bunde. Unter den Klängen des Orschweierer Musikzuges sowie dessen früherem Vorgänger-Fanfarenzug ging es weiter zum Orschweierer Schloss. Dort gingen Benz und Dosch sodann als unterhaltsames Gesprächsduo auf dessen eigene Geschichte als freiadeliges Rittergut seit 1686 näher ein (siehe Info).
Nach so viel Geschichtsträchtigkeit sorgte noch der MGV-Singkreis als Nachfolger der baronischen Chorsänger für weitere musikalische Umrahmung. Schließlich sorgten die „Frauen von Böcklin“ der Orschweierer Hornig-Narrenzunft für eine Bewirtung.
Am Donnerstag startete Ortsvorsteher Dosch per Freibier-Fassanstich mit einem einzigen Schlag den ersten langen Abend auf der dörflichen Festmeile. Hierzu lockte nicht nur ein After-Workshop des Orschweierer Musikzugs, sondern auch das Bewirtungsangebot sämtlich Vereine und Einrichtungen.
Zahlreiche Vereine und Gruppen zeigen Bühnenprogramm
Es dauerte nicht lange, da waren die rund 400 Bierbankplätze plus vieler zusätzlicher Stehtische komplett besetzt. Weitere hunderte Gäste auch von Auswärts flanierten zusätzlich herum und genossen die nostalgische Dorfhock-Stimmung auf der Hauptstraße. Durch die halbe Nacht spielte dann die Liveband „Just Lucky“ zum „Tanz in den Mai auf“. Noch deutlich über Mitternacht hinaus herrschte Publikumsbetrieb.
Reichhaltige Köstlichkeiten gab es auch am Freitag. Für jeden Geschmack gab’s was – weit über obligatorische Pommes und Würste hinaus. Für die Kinder war unter anderem mit einem Kinderkarussell Unterhaltung geboten, beim Schulförderkreis an Basteltischen konnten die Kinder werkeln oder sich begeistert in einer riesigen Sandkiste vor dem Rathaus tummeln.
Das Dorf präsentierte sich am Maifeiertag mit einem Bühnenprogramm von seiner besten kulturellen Seite. Den Start machte der Kinderchor „Flott und Flink“ des MGV-Singkreises mit von zehn herzig kostümiert und rollenverteilt gesungenen Koch- und Küchengeschichten. Es folgten von der Orschweierer Grundschule und Hansjakobschule nach einer kleinen Tanzgruppe die Klassen 1c und 2c. Die Orschweierer Kita St.Josef enterte sodann die Bühne mit gleich 85 Kindern, präsentierte ein höchst quirliges Märchenspiel. Nicht minder begeisterten schließlich zehn noch kleine „Narresome“ der Hornig-Zunft ebenso mit einer putzigen Tanzdarbietung wie die schon deutlich erwachsenere Damen-Prinzengarde der Narrenzunft im flotten Rhythmus. Schließlich führte noch eine Line-Dance-Gruppe der Jonky-Toink-Shoes aus Mahlberg vor.
Orschweiers Ortsvorsteher Dosch zeigte sich als Cheforganisator mit seinem Helferteam hoch zufrieden mit der Besucher- Resonanz auf das lebhafte dreitägige Jubiläumsfest. Da wurden auch Vorschläge laut, dass sich ja vielleicht aus dem erfolgreichen Jubiläumsfest als Muster frühere Dorfhocks wiederbeleben lassen könnten.
Geschichte
Das Schlössle in Orschweier wurde im Jahr 1686 zum entsprechenden freiadeligen Rittergut derer von Brandenstein hinzu gebaut. Die Familie verkaufte das dann erst 1833 an die Freiherrensippe Böcklin von Böcklinsau, deren späterer Nachfahre Richard nicht nur das Gut mit immerhin 28 Stück Großvieh und zwei Pferden sogar selbst bewirtschaftete, sondern sich im Jahr 1876 auch als Gründer des „Männerchores Orschweier“ besonders hervor tat. Emil als letzter derer von Böcklin („der Baron“) dirigierte den sogar eine Weile selbst und war ansonsten im Dorf „sehr beliebt und gesellig“. Schließlich wurde das kleine Schloss 1982 an die unadelige Familie Waidele verkauft und der ehemals dazugehörige große grüne Schlosspark an die Gemeinde – die ihn zum damaligen Neubaugebiet Kirchenfeld machte. Nicht genug der örtlichen Vergangenheit: Stadthistoriker Otto ging im Schlossgarten auch noch näher auf die Perga-ment-Urkunde von Papst Honorius III. aus dem Jahre 1026 ein, in der auch im fernen Rom Orschweier erstmals nachweisbar als „Holswire“ schriftlich erwähnt worden war.