Foto: Stahl

Im Rahmen des Jubiläumsjahrs hat sich in Dörlinbach eine Trachtengruppe gebildet. Sie nahm an Festen teil und verewigte sich in einem Jahreskalender.

Drei junge Frauen sitzen in der Küche. Sie tragen typischer Tracht: schwarze Gewänder, teilweise mit blauen Blumen versehen, schwarze Schuhe, weiße Socken und Blumenkronen auf dem Kopf. Jule Ohnemus (21), Marie Ohnemus (24), Magda Thoma (19) sind Bestandteil der sogenannten Trachtenbotschafterinnen. „Im Sommer vergangenen Jahres ging alles los“, erinnert sich Marie Ohnemus.

 

Im Rahmen der Projektreffen zum 800-jährigen Bestehen sei das Thema Tracht aufgekommen, die es bereits seit Jahrhunderten gebe, ergänzt Annika Thoma. Sie begleitete und unterstützte die Gruppe. Anlässlich des Jubiläums habe man beschlossen, die Tradition wiederzubeleben.

Zuerst veröffentlichten sie einen Aufruf in der Zeitung und im Amtsblatt. Der Kern der Gruppe war jedoch früh klar: „Wir waren der Ursprung“, stellt Magda Thoma fest. „Ich fand es direkt cool“, fügt Marie Ohnemus hinzu. Auch Jule Ohnemus hat sich „schnell für das Projekt begeistert“.

Die Trachtenträger müssen aus Dörlinbach sein

Es gab zwei Voraussetzungen, um teilnehmen zu dürfen: der-oder diejenige musste zwischen 14 und 24 Jahre alt sein und aus Dörlinbach stammen. „Es soll in der Hand der Jugendlichen vor Ort bleiben“, begründet Julia Zehnle, Unterstützerin und Schuttertäler Gemeinderätin.

Das Fotoshooting fand an vielen Orten statt

Die „Gründungsmitglieder“ fragten viele Menschen an, erhielten viele Absagen – am Ende entschieden sich insgesamt 22 junge Dörlinbacher, das Dorf als Trachtenträger zu repräsentieren.

Im November 2024 fand ein großes Fotoshooting mit der Gruppe statt. Zur Finanzierung stellte Zehnle einen Förderantrag für Jugendliche beim Land. „90 Prozent der Ausgaben bis 5000 Euro werden übernommen“, erklärt die Gemeinderätin. Somit konnte das Fotoshooting mit einer professionellen Fotografin stattfinden. An zehn verschiedenen Orten wie einem Bauernhof, einer Kirche, im Wald oder mit Kühen und Pferden wurde die Gruppe in Szene gesetzt.

t. Zusätzlich wurden Porträts angefertigt für einen Jahreskalender. „Die Zeit war sehr aufregend“, so Jule Ohnemus. Man habe auch darauf geachtet, dass das Bild jeweils zum Monat passe. Sogar die Straßenlaternen im Ort wurden mit Fotos der Trachtenträger versehen und sorgen auf diese Weise für Aufmerksamkeit. „Sie sollen hängen bleiben, solange sie noch schön sind“, wünscht sich Magda Thoma.

Ältere und Jüngere waren begeistert

Der erste Auftritt der Gruppe war am Neujahrsempfang der Gemeinde Schuttertal, der gleichzeitig das Jubiläumsjahr einläutete. Wie war damals das Gefühl? „Wir freuten uns von Anfang an und wurden von allen herzlich empfangen“, berichtet Marie Ohnemus stellvertretend. Das Tragen der Tracht verleihe Selbstbewusstsein, merkt Magda Thoma an. Man sei mit der Zeit lockerer ins Gespräch gekommen und tauschte sich mit Älteren über verschiedene Trachten und Traditionen aus mit positiver Resonanz.

Einen Grund dafür liefert Annika Thoma: „Seit Jahrhunderten hat hier niemand mehr Tracht getragen“. Auch kleine Kinder seien begeistert gewesen, ergänzt Marie Ohnemus. Durch die einmalige Aktion haben die jungen Trachtenbotschafter bei allen Menschen ein Bewusstsein geschaffen, egal welchen Alters. „Uns ist es gelungen, untypische Altersgruppen zusammenzubringen“, freuen sich die drei Mitorganisatorinnen. Auch Bürgermeister Matthias Litterst sei dies nicht entgangen, „er ist stolz wie Bolle“, verrät Annika Thoma.

Zu den Höhepunkten in diesem Jahr zählte ein auswärtiges Event: die Sonderparade im Europa-Park am Tag der deutschen Einheit. „Wir haben uns zu zehnt beworben und mussten etwas länger auf die Zusage warten, aber es hat geklappt“, blicken die drei unisono zurück. Es sei ein „mega Erlebnis“ gewesen durch den Austausch mit anderen Gruppen und die ausgelöste Begeisterung bei den Zuschauern.

Die Trachtenbotschafter nahmen 2025 neben der Parade an acht verschiedenen Veranstaltungen in Dörlinbach teil, darunter das Ziegelfest und natürlich das Festwochenende Anfang Juni.

Die Trachtenträger wollen der Bevölkerung danken

Als nächstes steht am morgigen Samstag, 15. November, das „Dankeschönfest“ an. Passend dazu habe man sich eine Aktion überlegt, führt Zehnle aus. Die Trachtenträger verteilen in jedem Haushalt ein Dankschreiben sowie eine Postkarte mit einem Motiv. „Damit möchten wir uns für die großartige Unterstützung innerhalb der Bevölkerung bedanken“, so die Gemeinderätin.

Die Finissage der Ausstellung von Dörlinbachs Künstler am 6. Februar 2026 wird der letzte Auftritt der Trachtenträger sein. „Das Projekt lebt über den Kalender und unsere Porträts weiter, auch wenn das Jubiläum vorbei ist“, sind sich alle drei sicher. Man habe auch sehr viel über Trachten gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Es sind schöne Erinnerungen, auch wenn es schade ist, dass es bald vorbei ist“, so Magda Thoma.

Sieht man die Tracht in Zukunft noch mal? „Ich schließe es nicht aus“, bekundet Jule Ohnemus. Eins steht fest: „Wir haben viel für unsere Gemeinschaft getan und viele Kontakte geknüpft“, fasst Zehnle zusammen.

Das „Dankeschönfest“

Das Fest findet am morgigen Samstag, 15. November, ab 19 Uhr in der Festhalle Dörlinbach statt. „Es ist eine offizielle Veranstaltung der Gemeinde, bei der Sponsoren eingeladen werden“, verrät Zehnle. Es dürfe aber jeder kommen, der wolle: Helfer, Akteure und Unterstützer des Jubiläumsjahrs. Gemeinsam soll auf die vergangenen Aktionen der 800-Jahre-Feier zurückgeblickt sowie den Mitwirkenden gedankt werden. Die verschiedenen Jubiläumsprodukte sind an diesem Abend nochmals zu erwerben.