Am 80. Jahrestag der Zerstörung Freudenstadts blickte die Stadt zurück und gedachte dieses schmerzlichen Einschnitts, der insgesamt 60 Menschen das Leben kostete. Auf eine Gedenk-Kundgebung folgten ein Gottesdienst und eine Gesprächsrunde.
Das Freudenstädter Bündnis für Demokratie und Menschenrechte hatte die Kundgebung am unteren Marktplatz organisiert. Musikalisch wurde sie von Theodor Ziegler und einer kleinen Gruppe der Kepler-Bigband umrahmt. Die Moderation übernahm Holger Egger, einer der Sprecher des Bündnisses.
Oberbürgermeister Adrian Sonder erinnerte an den 16. April 1945. „Heute vor 80 Jahren stand die Welt für unsere Stadt still. Nach wenigen Stunden des Angriffs war die Welt eine andere. Der Marktplatz und die Innenstadt lagen in Trümmern, aus der Stadtkirche loderten die Flammen.“
Dieses einschneidende Erlebnis sei für viele Überlebende ein Trauma, das sie zeitlebens begleite. „Daran wollen wir heute denken, aber auch darüber nachdenken, wie wichtig Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind“, sagte Sonder in seiner Rede.
Viel Prominenz
Zum ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche versammelte sich viel regionale Prominenz, darunter die Landtagsabgeordneten Katrin Schindele (CDU) und Uwe Hellstern (AfD), Landrat Klaus Michael Rückert, die ehemaligen Oberbürgermeister Hans H. Pfeifer und Julian Osswald und die ehemaligen Bürgermeister Gerhard Link und Hans-Joachim Greschner.
Delegation aus Courbevoie
Die französische Partnerstadt Courbevoie war mit einer großen Delegation vertreten, darunter der Generalkonsul von Baden-Württemberg, Gaël de Maisonneuve, Francois Lattouf, der im Stadtrat Courbevoie für die Städtepartnerschaft zuständig ist, und Michel Gérard-Deprez, Sohn des früheren Bürgermeisters Charles Deprez, der 1961 die Städtepartnerschaft initiiert hatte.
Die Dekane Andreas Streich und Anton Bock, Pfarrerin Lisbeth Sinner sowie Pfarrer Daniel Zimmermann gestalteten einen würdevollen Gottesdienst, der ganz im Zeichen der Erinnerung stand. Wolfgang Riedrich schilderte die Zerstörung der Stadt. „Mit der Stadtkirche wurde das Symbol der Stadt zerstört. Beim Wiederaufbau wurde daher zuerst mit dem Aufbau der Stadtkirche begonnen“, so Riedrich.
Erinnerung an Wiederaufbau
Sonder sprach in seinem Grußwort davon, dass in Europa eine jahrzehntelange Epoche des Friedens vor drei Jahren zu Ende gegangen sei. Zugleich erinnerte er an den Wiederaufbau der Stadt, der als „Wunder von Freudenstadt“ in die Geschichte einging.
Sigrun Lang, gebürtige Freudenstädterin, war viele Jahre lang Oberbürgermeisterin von Baden-Baden, und hat als knapp Sechsjährige bis heute lebendige Erinnerungen an den 16. April 1945. Sie nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise und schilderte eindrücklich, wie sich das Leben ihrer Familie ab diesem Tag grundlegend verändert hat. Heute kann sie sagen: „Die Wunden sind geheilt, es herrscht weder Groll noch Hass“.
Lang selbst war 60 Jahre lang mit einem Franzosen jüdischer Abstammung verheiratet. „Es hätte damals, in den 60er-Jahren, viele Gründe für Ressentiment gegeben, aber in beiden Familien war nichts davon zu spüren“, so Lang.
Enge Verbindung
Die anschließende Gesprächsrunde mit Gästen aus Courbevoie und Adrian Sonder moderierte Daniel Frey. Gérard-Deprez erinnerte an seinen Vater, der in der französischen Armee gekämpft hat, in Kriegsgefangenschaft kam und sogar viele Monate in einem Konzentrationslager eingesperrt war. Er wurde später Bürgermeister von Courbevoie und legte 1961 den Grundstein für die Städtefreundschaft mit Freudenstadt. Lattouf, der Bürgermeister Jacques Kossowski vertrat, stellte fest, dass die Freundschaft zwischen den beiden Städten den Rahmen einer Partnerschaft weit übersteige.
Gaël de Maisonneuve betonte, dass die deutsch-französische Freundschaft heute wichtiger denn je sei. Sonder, der in Frankreich studiert hat, glaubt, „es liegt an den Menschen. Und daran, dass konkrete Projekte zusammen angegangen werden“.
Zeichen des Friedens
Die Schreinerklasse der Heinrich-Schickhardt-Schule hatte eine Taube aus Holz gezimmert. Diese übergab Sonder an Lattouf als Symbol des Friedens.