Immo Opfermann­ hat die Geschehnisse im „Schwarzen Lager“ in einem Buch zusammengetragen. Zum 80. Jahrestag möchte er an die Ereignisse erinnern und dessen Opfern gedenken. Foto: Marschal

Im sogenannten „Schwarzen Lager“ – einem illegalen KZ am Ortsrand von Dormettingen – sind vor 80 Jahren mindestens 18 Menschen getötet worden. Immo Opfermann erinnert an die Gräueltaten.

Es existierte nur wenige Wochen. Doch die Gräueltaten, die im sogenannten „Schwarzen Lager“ in Dormettingen begangen wurden, sind brutal. Mindestens 18 Menschen sind in dem illegalen KZ-Lager, das zum Ende des Zweiten Weltkrieges eingerichtet wurde, ums Leben gekommen: Entweder durch Erschießen oder durch Misshandlungen. Das alles jährt sich dieser Tage zum 80. Mal.

 

Der Schömberger Immo Opfermann recherchiert seit den 1970er-Jahren zu der düstern Vergangenheit der Region während des zweiten Weltkrieges im Allgemeinen und zum „Unternehmen Wüste“ – dem Ölschieferabbau in der Region während des „Dritten Reichs“ – im Speziellen.

Rachelager

Die Geschichte des „Schwarzen Lagers“ hat Opfermann in seinem Buch „Bei Ostwind hörten wir die Leute schreien“ aus dem Jahr 2020 festgehalten. Darin zählt er auch die Namen und – soweit bekannt – die Lebensdaten aller 18 im „Schwarzen Lager“ getöteten Opfer sowie aller rund 80 Inhaftierten auf. Ihm ist es ein Anliegen, dass dieser düstere Teil der Geschichte, die Schandtaten, die sich in den Baracken am Dormettinger Ortsrand abgespielt haben, nicht vergessen werden, dass sie ein Mahnmal für nachkommende Generationen sind. „Das ’Schwarze Lager’ war ein Rache-Lager der Täter, die größtenteils nicht aus den Reihen der ehemaligen Häftlinge kamen.“

Untergebracht war das „Schwarze Lager“ im ehemaligen Wüste-KZ, das nur wenige Monate existierte: Von Dezember 1944 an waren dort bis zu 3000 Häftlinge untergebracht, die unter katastrophalen Bedingungen in den Ölschieferabbaustätten zwischen Dormettingen und Dotternhausen arbeiten mussten.

„Sie wollten morden – und das völlig willkürlich“

Im April 1945 ist das Lager nach und nach evakuiert worden. Die Insassen wurden per Bahn nach Dachau verschickt. Nach der Besatzung der Franzosen am 20. April wurde das Lager mit deutschen Kriegsgefangenen und angeblich politischen Gefangenen gefüllt.

Einer der Täter, ein deutscher SD-Mann nannte sich Delètre und übernahm die Kontrolle über das Lager. An seiner Seite standen Milan Kovar, ein tschechischer SS-Mann, sowie Franz Helmer-Sandmann, ein ehemaliger Angestellter der DÖLF (Deutsche Ölschiefer-Forschungsgesellschaft). Zusammen bildeten sie das Trio, welches das illegale Lager mit sadistischer Grausamkeit führte. „Ihnen ging es darum ihre Macht gegenüber ehemaligen Angehörigen der Nazi-Hierarchie zu demonstrieren.“

Verhaftungen laufen immer gleich ab

„Die Verhaftungen erfolgten immer nach dem gleichen Muster: Nach schriftlicher oder mündlicher Denunziation wurden ehemalige kleine und größere Funktionäre des nationalsozialistischen Staates [...] in ihren Wohnungen verhaftet und oft dort schon misshandelt, anfangs in den örtlichen Rathäusern und Kommandanturen ’verhört’ und dann ins Lager gebracht, später sofort ins Lager, wo sie als ’politische Gefangene’ separiert wurden“, heißt es in dem Buch. „Sie wollten morden“, erklärt Opfermann im Gespräch mit unserer Redaktion. „Und das völlig willkürlich, weil keine Gründe angegeben wurden.“

Gespräche mit Zeitzeugen und deren Nachkommen

Bei seiner jahrzehntelangen Recherche hat Opfermann zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen geführt. Quellen, die heute, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, teilweise versiegt sind. Von Nachkommen der Betroffenen hat er Originalbilder und Briefe erhalten in denen im Detail von den schrecklichen Misshandlungen im Lager berichtet wird. Ein Beispiel: Bei den Gefangenen wurden sogenannte „Tellschüsse“ durchgeführt: Auf den Köpfen der Gefangenen wurden Bierflaschen platziert, die heruntergeschossen wurden. Dabei kam es vor, dass Gefangene schwer verletzt oder getötet wurden.

Erinnerung nach 80 Jahren

Die wenigen Frauen, die im Lager waren, erlebten sexuelle Gewalt und wurden systematisch vergewaltigt – oft bei Abenden der Lagerführer in der ehemaligen Villa Rohrbach.

80 Jahre sind die Ereignisse nun her: An das „Schwarze Lager“ und seine dort Ermordeten möchte Opfermann erinnern und ihrer gedenken.