Das Brautkleid ist der Höhepunkt jeder Modenschau – auch beim Jubiläumsfest „80 Jahre Diakonische Bezirksstelle Balingen“ im Ebinger Kauf-Wasch-Café. Foto: Karina Eyrich

Mehr als eine Modenschau war das Fest zum 80-jährigen Bestehen der Diakonischen Bezirksstelle Balingen. Im Kauf-Wasch-Café mit Beratungsbüros gab es viel zu sehen.

Mit dem Frieden in Deutschland hat 1945 auch die Arbeit der Diakonischen Bezirksstelle im evangelischen Kirchenbezirk Balingen begonnen, und es erschreckt deren Geschäftsführer Micha Haasis, dass Themen wie Wohnraumbeschaffung und Flüchtlingshilfe „nach wie vor einen großen Teil unserer Arbeit ausmachen“, wie er beim Jubiläumsfest in der Ebinger Bahnhofsstraße betonte.

 

Knapp seien die kommunalen Mittel und zurück gingen die Kirchensteuermittel, aus denen die Bezirksstelle ein Viertel ihres Haushalts beziehe – derzeit 600 000 Euro jährlich. Daher müssten Prioritäten neu gesetzt werden. Sucht-, Schuldner-, Lebens-, Sozial- und Schwangerenkonfliktberatung bietet die Diakonische Bezirksstelle in den Räumen neben dem Kauf-Wasch-Café in Ebingen ebenso an wie Migrationsberatung in Balingen und der Landeserstaufnahmestelle in Sigmaringen.

Damit nicht schon junge Menschen sich verschulden

„Besonders stolz“ ist Haasis auf „unser Projekt zur Prävention der Überschuldung junger Menschen“ – und froh über die befristete Ausschreibung einer Stelle für Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit für zwei Jahre. Denn in der Diakonie gelte es heute, neue Wege zu gehen, etwa mittels Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Avataren.

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Besonders wichtig ist aber nach wie vor die Vernetzung der Beratungs- und Hilfsangebote im Zollernalbkreis, wie Sozialdezernent Georg Link vom Landratsamt, Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer und Pfarrer Thomas Soffner von der evangelischen Kirchengemeinde Ebingen deutlich machten, die Glückwünsche überbrachten und der Diakonie weiter ihre Unterstützung zusagten. Auch wenn die Problemlagen heute andere seien, lasse der Bedarf an differenzierter Beratung und qualifizierter Hilfe nicht nach, betonte Link. Sie stelle den Menschen in den Mittelpunkt, fordere aber auch Mitwirkung und Eigenverantwortung der Betroffenen.

Tralmer: „Die Zusammenarbeit ist vielfältig und kollegial!“

Tralmer bedauerte, dass das Kümmern umeinander in der Gesellschaft nachgelassen habe, und schätzt umso mehr die „vielfältige, kollegiale und unkomplizierte“ Zusammenarbeit, wenn es darum gehe, Menschen in Notlagen zu helfen. Womit die Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden schnell überfordert seien, fügte Thomas Soffner hinzu: Die Arbeit der Diakonischen Bezirksstelle werde daher dringend gebraucht. Die spezialisierten Beratungsdienste erforderten Professionalität und Fachwissen.

Kleidung ist mehr als Mode

„Kleider machen Leute“ – dieses Sprichwort stellte Dekan Michael Schneider in den Mittelpunkt seiner Andacht und unterstrich, dass Kleidung zur Identität beitrage, nach außen und innen schütze, ebenso wie der Glaube Schutz und Rüstung in der Welt sei.

Wie toll auch gebrauchte Kleidung noch aussehen kann, erlebten die vergnügten Gäste danach bei der Modenschau mit schicken Outfits aus dem Kauf-Wasch-Café. Als Models fungierten bekannte und engagierte Personen aus Kirche, Politik und Gesellschaft, darunter Dekan Schneider, der katholische Dekanatsreferent Achim Wicker, SPD-Kreisvorsitzende Katja Weiger-Schick und Katrin Hödl, Geschäftsführerin der Sozialstation Albstadt. Martin Weise, Fachbereichsleiter Sucht, moderierte die bunte Schau mit launigen Worten, während das Publikum die Models anfeuerte, die zu rhythmischer Musik auf dem Laufsteg unterwegs waren.

Wie die Diakonische Bezirksstelle hilft

Mit Anträgen
 auf Bürgergeld oder Wohngeld seien viele ihrer Klienten überfordert, berichtet Micha Haasis, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Balingen. „Wenn wir ihnen nicht hülfen, landeten sie schnell auf der Straße.“

Reicht das Geld nicht
 den ganzen Monat lang, kann die Diakonische Bezirksstelle dabei unterstützen, Hilfe zu suchen, und auch mal einen Gutschein für den Talfelladen oder einen Diskounter-Markt weitergeben.

Suchterkrankungen
hätten meist weitere Probleme zur Folge. Betroffene begleitet die Diakonische Bezirksstelle daher oft sehr intensiv.

Die Nachfrage
nach Beratung und Hilfe steigt, weshalb die Wartezeit aktuell bei vier bis fünf Wochen liegt. Der Appell der Berater: „Nicht warten, bis es kurz vor knapp ist, sondern früh kommen!“ Je früher die Hilfe einsetze, desto besser ließen sich Probleme auffangen und weitere vermeiden.

Das Kauf-Wasch-Café,
in dem die Kunden gut erhaltene gebrauchte Kleidung, Schuhe und Taschen finden, ist auch Begegnungsstätte mit kleinem Café und der Gelegenheit, Kleidung zu waschen.