Gudrun und Holger Dopp vor einem Werbemotiv, das den jungen Holger zeigt. Foto: Jürgen Lück/Jürgen Lück

Holger Dopp wird 80 Jahre. Wieselflink die Treppen rauf und runter. Sein Leben dreht sich um die stacheligen Sukkulenten.

Auf dem Tisch steht eine Blendax-Werbung mit einem blonden Jungen. Holger Dopp: „Mein Vater war Grafiker. Er hat das Foto von mir für seine Werbung genommen!“ Doch so, wie der kleine Holger damals blondgelockt mit strahlend weißen Zähnen und glatter Babyhaut auch international Kunden begeistern konnte, ist der Empfinger heute weltweit für Stacheliges bekannt.

 

Treff in Empfingen. Nur noch knapp vier Wochen bis zum 20. April. Dopps 80. Geburtstag. Wieselflink gehts die Treppen rauf und runter. Die Augen hellwach, das Lächeln breit, die Worte wie aus der Pistole geschossen – mit dem typischen Doppschen sympathischen Unterton zwischen Humor, leichter Ironie und Begeisterung.

Dopp: „An meinem Geburtstag war ganz Deutschland geflaggt. Mein Vater hat immer zu hören bekommen, warum er mich nicht Adolf genannt hat.“

Dezenter kann man nicht darauf hinweisen, dass der 20. April (1889) der Geburtstag von Adolf Hitler war.

Holger Dopp. Der Kakteendoktor in „Kaffee und Tee“ im SWR. Einer der Kakteen-Spezialisten ist Deutschland. Der Erschaffer des Kakteengartens von Horb: „Ohne meine Gudrun würde ich das nicht schaffen!“

Dopps Frau Gudrun sagt: „Die Kakteen sind seine Welt. Mich begeistert, dass es schön und gepflegt aussieht. Ich habe fünf Kinder aufgezogen und jetzt neun Enkel. Ich bin die Schafferin!“

Gemeinsames Schaffen am Kakteengarten

Eine Kombination, die jung hält. Holgers Hingabe, das Studium der Fachzeitliteratur, der Austausch mit Botanik-Professoren und der grüne Kaktus-Daumen. Gepaart mit dem Halt durch seine Gudrun, das gemeinsame Schaffen am Kakteengarten mit den vielen Stufen und dem eigenen grünen Paradies mit drei Gewächshäusern.

Und immer wieder gibt es neue Kaktus-Trends. Dopp: „Im Rahmen des Trends zur veganen und ressourcenschonenden Ernährung rücken auch Kakteen ins Blickfeld. In Stuttgart gibt es schon mexikanische Restaurants, die Salate mit Kakteen anbieten!“ Zeigt in seinem Kakteen-Museum ähnliche Trends der vergangenen Jahrzehnte. Wie beispielsweise den Hype um Aloe Vera (ist kein Kaktus). Die Handschuhe, mit denen Landesvater Winfried Kretschmann beim Besuch 2016 Dopps für ihn gezüchteten Kaktus gepflanzt hat.

Dopp: „Kakteen werden in Mexiko nicht nur für die menschliche Ernährung, sondern als Viehfutter eingesetzt. Weil sie keine Düngung, keine Pflanzenschutzmittel, kein Wasser brauchen - extrem ressourcenschonend.“

Dopp – der Kakteenspezialist. Doch kein Professor. Unvergesslich seine legendären Koopµerationen mit Künstlern. Die Schock-Performance mit Elisabeth Kaiser im Kakteengarten, bei der die blonde Performance-Künstlerin die stacheligen Dinger ableckte!

Zur Lesung im Künstlerhaus brachte Dopp den Drogen-Kaktus mit Mescalin mit.

Und Monika Golla brachte Dopps Kakteen sogar zum Klingen – über den elektrischen Widerstand der Stacheln.

Eine wunderbare Kooperation – deshalb hat Dopp auch den Kaktusmann von den Künstlern bekommen: Vorne er, hinten Stacheln.

Holger Dopp als Kaktusmann. Foto: Jürgen Lück

Und? Wie feiert er den 80.? Dopp: „Ohne Kakteen. Nur mit der Familie. Es kommen alle Kinder und Enkel!“