Andreas Spicker mit seiner Ehefrau kurz vor Verkündung des sensationellen Wahlergebnisses im Bürgerhaus Edenbach Foto: Gerald Nill

Er ist der neue Bürgermeister von Malsburg-Marzell. Andreas Spickers Wahlsieg fiel deutlich aus. Was ihm besonders am Herzen liegt: die Einigkeit in der Bevölkerung.

Das nennt man wohl einen Erdrutschsieg: Andreas Spicker wurde am vergangenen Sonntag in Malsburg-Marzell mit fast 79 Prozent zum Bürgermeister gewählt – als Herausforderer. Wie er den Wahlabend erlebt hat und welche Herausforderungen nun vor ihm liegen, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Andreas Spicker, Sie haben fast 79 Prozent der Stimmen bekommen. Haben Sie mit diesem klaren Ergebnis gerechnet?

Nein, auf keinen Fall. Selbst in der optimistischsten Einschätzung – bei vier Kandidaten, darunter der Amtsinhaber – bin ich, wie wohl alle, von einer Stichwahl ausgegangen. Ich muss auch sagen: Das ist noch gar nicht richtig angekommen.

Was ging in Ihnen vor, als das Ergebnis bekanntgegeben wurde? Erleichterung, Überraschung oder etwas ganz anderes?

Es gab bereits während des Abends einen Hinweis, dass die Briefwahl recht deutlich zu meinen Gunsten ausgefallen sei. Da habe ich mich schon gefragt: „Kann das sein?“ Dann habe ich das wieder verdrängt, es blieb aber trotzdem im Hinterkopf. Und ich muss sagen: Dieses hohe Ergebnis bedeutet für mich auch etwas Druck. Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe, weil so ein Ergebnis eine hohe Verantwortung bedeutet.

Gab es im Wahlkampf einen Moment, in dem Sie dachten: „Das könnte klappen“?

Es gab mehrere persönliche Vorstellungstermine. Nach dem zweiten und dritten Termin habe ich gemerkt, dass viele Menschen kommen und das Feedback gut ist. Allerdings muss man da vorsichtig sein: Wer kritisch ist, meldet sich oft gar nicht. Manche haben sehr optimistische Prognosen abgegeben – aber das sind natürlich keine Wahlforscher. So musste ich mir doch immer wieder in Erinnerung rufen, die Lage realistisch im Blick zu behalten. Trotzdem hatte ich schon ein so gutes Gefühl, dass ich sagen muss: Ich wäre schon enttäuscht gewesen, wenn es nicht zumindest für die Teilnahme an einer Stichwahl gereicht hätte.

Die Wahlbeteiligung war hoch, bis kurz vor Schluss kamen noch Wähler. Politikverdrossenheit gibt es in Malsburg-Marzell also nicht?

Die Wahlbeteiligung ist tatsächlich um drei Prozentpunkte höher als vor acht Jahren. Das ist in kleineren Gemeinden bei Bürgermeisterwahlen aber nicht ungewöhnlich. Man darf auch nicht vergessen: 35 Prozent haben nicht gewählt – da ist also durchaus noch Luft nach oben. Insgesamt ist das Ergebnis aber ein gutes Zeichen für die Gemeinde. Es zeigt eine große Einigkeit in der Bevölkerung, und das ist eine gute Basis für die Zukunft. Schwieriger wäre ein stark polarisierendes Ergebnis gewesen, bei dem sich ein großer Teil als Verlierer fühlt.

Ihr Vorgänger Mario Singer wurde deutlich abgewählt – woran lag das aus Ihrer Sicht?

Ich finde, es steht mir nicht zu, das zu bewerten. Ich habe die Entwicklungen im Ort aber mit großem Interesse verfolgt. Von außen entstand schon der Eindruck, dass die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos war. Mein Vorgänger hatte sicherlich viele Unterstützer, aber auch Kritiker.

Die Zahl der Unterstützer ist aber offenbar nicht so groß wie vielleicht angenommen…

Offensichtlich haben viele, die ihn vor acht Jahren gewählt haben, beschlossen, ihn nicht mehr zu wählen.

Sie haben von hoher Verantwortung und Druck gesprochen. In Ihrer Bewerbung warnen Sie vor einem „Teufelskreis“ aus sinkenden Einnahmen, steigenden Kosten und Abwanderung: Welche Maßnahmen planen Sie, um diesen zu durchbrechen – und haben Sie Sorge, die hohen Erwartungen zu enttäuschen?

Ich hoffe, dass die Menschen mir zugehört haben. Es gibt nicht den einen großen Hebel, den man umlegt und dann läuft alles. Ich habe versucht, das zu vermitteln, weil so etwas zu behaupten – das kann und soll man nicht machen. Aber es gibt viele kleinere Hebel, wo ich nah dran sein und konkret helfen möchte. Wichtig ist mir, die Lebensqualität zu erhalten. Wir haben in Malsburg-Marzell eine besondere Art zu leben, die es sonst nicht mehr oft gibt. Mir ist wichtig, dass diese Lebensweise bewahrt bleibt

Bei all der Verantwortung und dem neuen Arbeitspensum: Sie machen viel Ausdauersport – bleibt dafür noch Zeit?

Ich war schon bisher mit meinem Beruf, der Arbeit im Gemeinderat in Kandern und meiner Tätigkeit als Jugendtrainer beim FC Huttingen gut ausgelastet. Ich habe gelernt, Zeitfenster zu suchen und zu finden. Ich hoffe, da ergeben sich auch in Zukunft Möglichkeiten – und wenn ich den Weg zur oder von der Arbeit dafür nutzen muss.