Die Gruppe, die zusammen mit Matthias Beck (links) Fabain Bollinger (vorne links neben der Frau mit Hund) und Robert Jenkel das Karlstal erkundete. Foto: Kost

Bei der zweiten Führung im Rahmen des Jubiläums „750 Jahre Trillfingen“ stand das Karlstal im Blickpunkt. Eine Exklave, die früher eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hatte.

Die Muschelkalkfelsen und die fruchtbaren Ackerböden in der Tallage, die schier nie versiegende Wasserkraft der Eyach und nicht zu letzt die verkehrliche Erschließung mit Bahnlinie und Straße nachdem Hohenzollern preußisch geworden war schufen die Grundlagen für einen einzigartigen Wirtschaftsboom im Karlstal. Das wurde bei der gut zweistündigen Führung deutlich. Gut 20 Personen folgten den spannenden Ausführungen von Fabian Bollinger, Matthias Beck, Robert Jenkel und Annette Müller an mehreren markanten Stationen.

 

Station 1: Die Talwirtschaft

Erstmals erwähnt wurde die Wirtschaft 1874. Ein erstes Baugesuch auf dem Gelände der benachbarten Makospinnerei (ebenfalls sehr geschichtsträchtig, aber nie zum Trillfinger Teil des Karlstals gehörend) kam aber nicht zum Tragen. Karl Stelzer, der das Rössle in Trillfingen hatte, baute und betrieb die Talwirtschaft.

1930 wechselte sie schließlich in den Besitz der Familie Schneider. Marie und Dora Schneider sind vielen älteren Trillfinger noch heute als Talwirtinnen gut bekannt. 2002 gab Dora Schneider die beliebte Einkehrwirtschaft dann aber aus Altersgründen doch auf.

Lange stand sie leer, Robert Jenkel kaufte sie schließlich 2009, doch die Wiederbelebung der Talwirtschaft funktionierte nur kurz; zwischen 2010 und 2013 und nochmals 2016. Die Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb einer so kleinen Wirtschaft waren einfach zu schwierig geworden.

Station 2: Die Eyach

„Die etwa 50 Kilometer lange Eyach ist der wichtigste Akteur im Karlstal – außerdem ist der Trillfinger Abschnitt des Flusses der schönste“, erklärte Fabian Bollinger. Ihre jahrelange schlechte Wasserqualität ist heute wieder deutlich besser und so findet man dort wieder Eisvögel oder Biber – aber auch menschliche Eisbader wurden im Februar erstmals gesichtet. Die Eyach kann aber auch grausam sein. Zu erleben war das beim Hochwasser 2013 mit einer Wassermarke von über vier Metern.

Station 3: Die Steinbrüche

Besichtigt wurde der Bruch unmittelbar hinter der Talwirtschaft. Auf Trillfinger Gemarkung gibt es drei davon, alle sind längst außer Betrieb, zwei davon renaturiert. Lange Zeit wurden dort Steine für den Häuser- und Straßenbau gebrochen.

Station 4: Das Sägewerk

Annette Müller nahm die Teilnehmer der Exkursion mit auf eine Zeitreise, die vor 126 Jahren begann. 1899 sahen eine Gruppe von jungen Zimmerleuten (Jakob Beuter, Leo Rapp, Fridolin Henle im Bau der Bahnlinie durch die Hohenzollerischen Landesbahn eine einzigartige Chance, im Karlstal ein Dampfsägewerk zu errichten.

1909 ist es abgebrannt, doch das Werk wurde wieder aufgebaut und 1967 übernahm es Josef Rapp, später Ortsvorsteher von Trillfingen. 1987 war dann Schluss: der kleine Familienbetrieb konnte nicht mehr mit der international tätigen Holzindustrie mithalten. 2001 kaufte das Ehepaar Müller das Anwesen. Das Sägewerk ist längst abgerissen und seinem Platz stehen heute drei Wohnhäuser.

Station 5: Der Bahnhalt

Etwas versteckt hinter der Talmühle gelegen war er seinerzeit für die Trillfinger das Tor zur Welt, denn der Eisenbahnbau durch die Hohenzollerische Landesbahn ermöglichte es der Bevölkerung, bis nach Stuttgart zu reisen. 1944 wurde ein Zug auf der Bahnlinie von alliierten Jagdflugzeugen angegriffen. Dabei fand ein 16-jähriger Weildorfer den Tod. 1973 wurde der Personenverkehr auf der Eyachtalbahn eingestellt. Heute verkehren dort im Sommer immer sonntags Freizeitzüge der SWEG.

An dieser Stelle stiegen die Trillfinger in den Zug ein, der bis 1973 durchs Karls- und Eyachtal Personen befördert. Foto: Thomas Kost

Station 6: Die Talmühle

Die Getreidemühle wurde in den 1840er Jahren gebaut, ein genaues Datum ist nicht bekannt. Erbauer war Josef Kessler und bis heute ist die Mühle im Besitz der Familie.Im Rahmen eines vom Land geförderten Stilllegungsprogrammes wurde zunächst nur noch Getreide für Bauern mit Vieh geschrotet und sie dann Ende der 60er Jahre endgültig still gelegt. Seit 2015 wohnen dort Carmen und Matthias Beck. Sie haben den Mühlenraum liebevoll renoviert und zu einem Raum für Tagungen, Workshops und Yoga-Kurse umgebaut.