2028 steht in Lahr ein großes Fest an. Eine große Chance, findet unser Autor.
Ein großes, ja ein richtig großes Fest steht bald in der Stadt an. Zugegeben: „Bald“ ist noch zwei Jahre entfernt, doch der 750. Geburtstag Lahrs wirft bereits seine Schatten voraus, war am Montag bereits Thema im Gemeinderat. Zurecht. Denn ein solches Jubiläum bietet Chancen, die man nicht verspielen sollte.
Es ist nicht zu leugnen, dass man in Lahr an allen Ecken und Enden eine latente Unzufriedenheit spürt: Alles wird teurer, die Innenstadt ist trostlos, es liegt zu viel Müll herum, die Verwaltung bekommt nichts auf die Reihe – die Liste der Klagen ist lang und wird gefühlt Jahr für Jahr länger. Unabhängig davon, ob die Beschwerden haltlos oder gerechtfertigt sind: Man wünscht sich eine andere, lösungsorientierte Mentalität. Und genau dazu kann das Jubiläum beitragen.
Dörlinbach hat’s 2025 vorgemacht: Mit Projektgruppen aus der breiten Dorfgemeinschaft, die die Verantwortung auf viele Schultern verteilt haben, hat das 800-Jährige Bestehen den Zusammenhalt im Ort spürbar gestärkt. Menschen, die sich sprichwörtlich nicht mit dem Allerwertesten angeschaut haben, haben plötzlich produktiv zusammengearbeitet. Ringsheim strebt im laufenden Jahr ähnliches an.
Lahr kann sich einige Sachen von Dörlinbach abschauen
Klar: Die Menschen zu vereinen, ist in einer 50 000-Einwohner-Stadt ungleich schwerer als in einem 920-Seelen-Dorf. Doch einige Sachen kann und sollte man sich abschauen: Eine große Bandbreite an Veranstaltungen (damit für jeden etwas dabei ist), Verantwortung an Bürger übertragen (die daran dann vielleicht Gefallen finden) und vor allem: Möglichst viele Menschen und Vereine aus der ganzen Stadtgesellschaft in die Organisation miteinbinden und Ideen konstruktiv gegenübertreten. Dann hat Lahr die einmalige Chance hoffentlich gut genutzt. Wann wird man schon mal ein Dreiviertel Jahrtausend alt?
Ein Hinweis noch: Am Motto sollte das Jubiläumskomitee noch einmal schrauben. „Aus 750 wird wir“ weckt gar keine Fantasien. Braucht es überhaupt einen Leitspruch? „750 Jahre Lahr“ genügt doch eigentlich, um sich als Lahrer mit dem Fest zu identifizieren. Alles andere wäre nur eine weitere Einladung zur Unzufriedenheit.