VfR-Gründungsmitglieder aus dem Jahr 1946 bei der 30-Jahr-Feier 1976 (von links): Albert Bross, Paul Raisch, Hans Bross, Otto Stöhr, Gustav Hollung und Erwin Harr Foto: VfR Beihingen

Der VfR Beihingen feiert am kommenden Wochenende sein 75-jähriges Bestehen. Mit etwas Verspätung, denn das Jubiläumsfest musste 2021 durch Corona bedingt verschoben werden. Wir blicken auf die Geschichte des Vereins, die weit mehr als nur sportliche Aspekte zu bieten hat.

Haiterbach-Beihingen - Die Gründungsversammlung des VfR Beihingen fand am 25. Juli 1946 im Gasthaus Ochsen statt, welches in der Folge auch viele Jahre als Vereinsheim diente. Der inzwischen verstorbene Ehrenvorsitzende Hans Bross berichtete, dass nach dem Krieg der Wunsch in Beihingen immer lauter wurde, einen Verein zu gründen. Damals mussten fünf Gründungsmitglieder an die französische Militärregierung gemeldet werden. Diese waren: Albert Bross, Otto Bross, Fritz Kübler, Paul Raisch sowie Karl und Erwin Harr. Zum Vorsitzenden wurde Hans Bross gewählt.

Erste Meisterschaft 1948/49

Der VfR spielte anfangs in der untersten Klasse, damals C-Klasse, und wurde 1948/49 zum ersten Mal Meister. Doch das oberste Ziel war damals, die Kameradschaft zu pflegen und zu fördern.

Das damalige Gemeindeoberhaupt Gustav Frey merkte an: "In Beihingen hat sich noch kein Verein lange gehalten und so wird es auch dem Sportverein ergehen". Er sollte sich irren.

Die Kosten, die für Trainer, Trikots und Bälle anfielen, konnten damals nicht mit Geld, sondern mussten mit Getreide oder Kartoffeln beglichen werden.

Der Fußballplatz glich eher einer Hügellandschaft, wenn man bedenkt, dass Höhenunterschiede von drei Metern keine Seltenheit waren.

Ende der 50er-Jahre wurde der Spielbetrieb stärker und die Betreuung der Mannschaften anspruchsvoller, also war man froh, dass beim Schulhaus eine Turnhalle angebaut wurde und im Winter in der Halle trainiert werden konnte.

Bereits 1963 wurden von der eigenen Theatergruppe die ersten Theaterstücke aufgeführt.

Sportheim 1967 fertiggestellt

1967 wurde das Sportheim dank tatkräftiger Mithilfe vieler Sportkameraden und einigen großzügigen Spendern fertiggestellt. Bereits zwei Jahre später wurde das neue VfR-Heim um Dusch- und Umkleidekabinen erweitert. Unter dem damaligen Vorsitzenden Gustav Harr wurde so manche Mark gespart durch sehr viel Eigenleistungen.

Dank der Stadt Haiterbach wurde 1974 die neue Sportanlage mit zwei Rasenplätzen eingeweiht. Für die damalige Zeit war dies fast schon sensationell.

In die Vorstandszeit von Bernd Gaiser fiel der größte Erfolg der Beihinger Fußballer in der Vereinsgeschichte: Die Meisterschaft 1979 in der Kreisliga A und der damit verbundene Aufstieg in die Bezirksliga. Mit einem starken Beihinger Jahrgang 1956, einigen auswärtigen Spielern sowie den Grüninger-Brüdern wurden unter anderem der TSV Waldenbuch mit 7:1 und der VfL Sindelfingen mit 4:2 besiegt.

1979 wurde das erste Backhausfest ins Leben gerufen, das bis heute alle zwei gemeinsam mit der Beihinger Feuerwehr gefeiert wird.

Unter dem Vorsitz von Reinhold Lange ging das Bauen munter weiter. Aus einem geplanten Geräteschuppen wurde ein kompletter Anbau an das Sportheim. Treibende Kraft in diesen Jahren war Ehrenmitglied und zu dieser Zeit zweiter Vorsitzender Gerhard Finger.

Heinz Bross wird 1984 Vorsitzender

1984 wurde Heinz Bross zum neuen VfR-Vorsitzenden gewählt.

Anfang der 80er-Jahre veranstaltete die Jugendabteilung des VfR die unvergessenen Skirennen am Beihinger Kapf. Die Fußballjugend des VfR verstärkte sich in diesen Jahren mit Spielern aus Oberschwandorf.

Die aktiven Fußballer stiegen 1981 aus der Bezirksliga und 1987 aus der Kreisliga A ab.

1992 wurde unter Anregung von Wolfgang Muhl eine Mädchenturngruppe gebildet, das heutige VfR-Kinderturnen. Die ersten Jahre wurde die Gruppe von Erika Stefanik betreut. Seit mehr als 20 Jahren tun dies sehr erfolgreich Stefanie Genger und Susanne Laube.

Im gleichen Jahr rief das heutige Ehrenmitglied Reinhold Lange die Laufsportgruppe ins Leben, die mangels Masse 2000 wieder eingestellt wurde. 1992 war überhaupt ein ereignisreiches Jahr beim VfR, auch die 700-Jahr-Feier von Beihingen wurde begangen.

1994 wurde in Haiterbach die langersehnte Kuckuckshalle eingeweiht. Bis heute wird diese Halle speziell in den Wintermonaten von den Fußballern sehr stark genutzt. Seit 1998 trägt der VfR jedes Jahr sein Jugendturnier im Februar aus.

Sanierung der Sportanlage

2000 war es dann soweit: unter "Capo" Wolfgang Muhl wurde die Beihinger Sportanlage komplett saniert: neue Beregnungs- und Flutlichtanlage, Drainagen auf beiden Plätzen sowie Pflasterarbeiten vor dem Sportheim.

Trainer Armin Habitzreuther führte die Aktiven in den Jahren 2003 und 2004 wieder näher an die Spitze der B-Liga heran, dies machte Lust auf mehr.

Die VfR Jugend kooperierte in dieser Zeit mit dem SV Gündringen und dem TSV Haiterbach.

Immer ein Garant für viele Besucher aus nah und fern sind die Aufführungen der Beihinger Laienschauspieltruppe jedes Jahr um die Weihnachtszeit.

Mittlerweile nennt sich die Truppe gemäß der Beihinger Historie "Sandsackbühne". 2003 feierte man bereits 40 Jahre Theater in Beihingen.

Zwei Meisterschaften der Aktiven und noch mehr Baustellen auf dem Vereinsgelände beim VfR, so oder so ähnlich verliefen die vergangenen 15 Jahre beim VfR.

2006 feierte man das 60-jährige Vereinsbestehen in der Beihinger Festhalle.

Wieder Meistertitel nach 29 Jahren

Die Aktiven konnten nach einigen vorderen Plätzen in den Jahren davor 2008, nach 29 Jahren, unter Coach Heinz Helber wieder eine Meisterschaft feiern. Jedoch ging es ein Jahr später schon wieder zurück in die B-Liga.

Doch die Jahre danach wurde das Team immer wieder durch Eigengewächse und Neuzugänge verstärkt. So gelang es bereits wieder 2012 unter Spielertrainer Pero Balukcic, den Meistertitel souverän einzufahren.

Das erste Jahr nach dem Aufstieg spielte der VfR vorne mit und träumte sogar vom Aufstieg in die Bezirksliga.

2014 konnte man mit einem 4:2-Sieg gegen Würzbach in der Relegation noch die A-Liga halten, doch 2015 mussten die Jungs erneut in die Relegation und stiegen ab. Seither spielt der VfR wieder in der B-Liga.

Vorsitzender in dieser Zeit war seit 1984 Heinz Bross, der 2014 kurz nach seiner Verabschiedung verstarb. Er war auch mit das Gesicht der Beihinger Sandsackbühne, in der er in 50 Jahren nur einmal nicht mit dabei war.

Spielgemeinschaft bei der Jugend

Im Jugendbereich wurde mit der Gründung der Spielgemeinschaft 2013 Beihingen/Haiterbach/Oberschwandorf/Walddorf fast schon ein Meilenstein gelegt. Auch in den jüngeren Jahrgängen ist der VfR ziemlich gut aufgestellt. Das VfR-Kinderturnen feierte im Jahr 2017 sein 25-jähriges Bestehen.

Die Verantwortlichen des VfR zogen in den vergangenen Jahren die Zügel etwas mehr an, was Renovierungen und Neubauten anging. Treibende Kraft ist dabei der seit 2014 an der Vereinsspitze stehende Vorsitzende Gerd Finger, der auch 15 Jahre Jugendleiter beim VfR war.

Mit der Renovierung der Gasträume 2015 sowie der neuen Spülküche 2019 wurde das Vereinsheim deutlich aufgewertet und ist auch für die nächsten Jahre gut ausgestattet.

Mittendrin stecken die Verantwortlichen gerade im Bau des neuen Geräteschuppens vor dem Sportheim, wo im laufenden Jahr schon circa 500 Stunden an Eigenleistung aufgebracht wurden.

Festakt am 23. April

Der VfR Beihingen lädt alle Mitglieder, Freunde, Gönner, Sponsoren sowie die Vereinsvertreter der Stadt Haiterbach zum Jubiläumsfest am Samstag, 23. April, in die Beihinger Turn- und Festhalle ein. Beginn ist um 19.30 Uhr. Das Programm beinhaltet unter anderem die Ehrungen verdienter Mitglieder. Zur Unterhaltung tritt die A-capella-Band "Sixpack" aus Altensteig auf. Beim anschließenden Ständerling wird für das leibliche Wohl gesorgt sein.