Am 3. Dezember 1950 gründeten Paul und Gretel Groß die gleichnamige Busfirma. Sie bedient heute noch die Linie 18: Oberndorf-Rottenburg-Tübingen.
75 Jahre besteht Omnibus Groß heute. Für das erste Fahrzeug musste noch die halbe Verwandtschaft zusammenlegen: 35.000 Mark kostete 1950 der nagelneue Mercedes-Bus, den der junge Wurmlinger Paul Groß fortan von Rottenburg über Wendelsheim nach Sindelfingen chauffierte, immer zum Schichtwechsel beim Daimler.
Groß stammte aus bitterarmen bäuerlichen Verhältnissen und hatte in Rottenburg „beim Fouquet“ Mechaniker gelernt. 1949 gründete er in Wurmlingen seine erste Firma, gemeinsam mit seinem Vetter Clemens Albus, einem gelernten Metzger. Und mit einem klapprigen Büssing-Bus, ein 27-Sitzer, genannt „Zeppelin“. Aber schon 1950 zahlte Groß seinen Vetter aus und startete in Rottenburg neu durch, nun eben mit dem neuen Mercedes-Bus. Dieses 75-Jahre-Jubiläum feiert die Firma Omnibus Groß nun den ganzen Dezember über, mit verschiedenen Aktionen an den Bushaltestellen und in den Bussen.
Tankstelle beim Schänzle statt Betriebshof
Bald übernahm Paul Groß die Lizenz für die „Linie 18“, die von Oberndorf (gelegentlich auch von Poltringen) zum Rottenburger Eugen-Bolz-Platz und weiter nach Tübingen führte. Bis heute bildet diese Linie das Rückgrat der Firma. Anfangs waren es nur sechs Fahrten am Tag, heute pendelt der 18er als „Kapellenberglinie“ werktags halbstündlich, mit Verlängerung hinauf zu den Schnarrenberg-Kliniken und weiter bis Hagelloch. Und sonntags im Stundentakt.
Einen eigenen Betriebshof konnte sich Paul Groß anfangs nicht leisten. Repariert wurde auf der Straße. Nachts parkte er seine Busse auf dem Gelände seiner Aral-Tankstelle an der Rottenburger Gartenstraße, Ecke Sprollstraße. Später zog die Firma um in die nahe gelegene Mechthildstraße, mit eigener Werkstatt. Seit 1987 ist der Betriebshof draußen im Gewerbegebiet Siebenlinden, am Ende der Röntgenstraße.
Fernreisen durch halb Europa gefahren
Neben dem Linienbetrieb stieg Groß bald auch ins Reisegeschäft ein, anfangs zum Bodensee und in den Schwarzwald, später auch ins europäische Ausland. Und sogar nach Übersee: erst mit dem Flugzeug ins Urlaubsland und dann dort unterwegs im angemieteten Bus. Später konzentrierte sich Groß auf Kunstreisen (Paris, Louvre) und auf katholische Wallfahrten, beispielsweise nach Lourdes. In den 1960er- und 1970er-Jahren waren auch die Ski-Ausfahrten auf die Schwäbische Alb beliebt, organisiert vom damals neu gegründeten Ski-Club Rottenburg.
Diesen Teil des Geschäfts organisierte Gretel Groß, die Ehefrau von Paul Groß, die aber auch selbst einen Busführerschein hatte und Fernreisen leitete. In der Firma war klar: „Sie war die Chefin“, sagte der Sohn Wolfgang Groß vor einigen Jahren über seine Mutter. In seiner Kindheit sei er damit der Einzige gewesen. „Die Mütter von meinen Schulkameraden waren alle Hausfrauen.“
Wolfgang Groß übernahm die Firma 1984 von seinen Eltern. Gesundheitsbedingt hat er sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen. Und das Reisegeschäft spielt keine Rolle mehr. Die Kennzeichen der Groß-Busse „TÜ-PM-“ erinnern bis heute an das Gründungs-Ehepaar: Paul und Margarethe.
Fest am Mittwoch, Gutsle für die Fahrgäste
Am Mittwoch, 3. Dezember, genau am Jahrestag der Firmengründung, feiert Omnibus Groß ab 10 Uhr auf dem Betriebshof in der Rottenburger Röntgenstraße. Von dort geht es per Sonderfahrt nach Tübingen und zurück, mit Fest-Ansprachen verschiedener geladener Gäste.
Vorreiter der Digitalisierung
Weiterhin mittendrin im Betrieb
ist Senior-Chefin Claudia Groß, wohl auch ähnlich resolut wie ihre Schwiegermutter. Sie hatte schon 1980 als Jobberin angefangen, damals noch in der Mechthildstraße. 1985 schrieb sie ihre BWL-Diplomarbeit zum Thema „Controlling im Busbetrieb“ und wurde anschließend fest angestellt. Sie führte die Firma ins digitale Zeitalter. „Damals wurden die Kundenadressen noch mit Kärtchen verwaltet.“
Diese Ausrichtung hat nun auch der neue Chef Johannes Groß
übernommen, der Enkel des Firmengründers. Neben dem Tagesgeschäft tüftelt er unablässig an neuen EDV-Programmen – und ist damit bundesweit unterwegs, bei Partnerfirmen und Kongressen. Ganz neu in der Branche, sagt seine Mutter Claudia Groß: Ein einziges Programm, das alle internen Anwendungen kombiniert, von der Kilometer-Erfassung über die Dienstpläne bis zum Ticketverkauf.
Umso frustrierender muss es für die Groß-Familie sein
, dass die Vernetzung nach außen weiterhin holpert. Die Fahrplandaten der „Linie 18“ sind bis heute nicht zuverlässig in die Naldo-App integriert. Und das große Display am Rottenburger Eugen-Bolz-Platz, immerhin die zentrale Drehscheibe der Groß-Busse, konnte noch nie die Echtzeit-Daten des 18ers ausspielen. Ohnehin ist sie seit vielen Jahren kaputt, mutwillig zerstört.
Allerdings hat das Rottenburger Ordnungsamt
vor kurzem bekannt gegeben, dass man derzeit an einer zeitnahen Lösung arbeite.