Gemeinsam üben: Neun Länder, darunter Deutschland und die USA, – hier ein US-Sanitätsfahrzeug – nahmen in der ersten Märzhälfte an der Nato-Gefechtsübung Dragon 2024 teil. Foto: NATO

Lange vernachlässigt, genießt die Nato ein Dreivierteljahrhundert nach ihrer Gründung wieder Wertschätzung. Anlass dazu bietet nicht nur Russlands Aggression, meint StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Bitter, dass es des Schlächters Wladimir Putin bedurfte, die Europäer an den Wert der Nato zu erinnern. Aus der bangen Gewissheit, dass Sicherheit in Europa gegen Russland, die mit Abstand stärkste Militärmacht des Kontinents, organisiert werden muss, steht das Bündnis 75 Jahre nach seiner Gründung hoch im Kurs. Zu Recht.

 

Selbst im verträumten Deutschland

So hoch, dass Finnen und Schweden von ihrer Neutralität gelassen haben und als Neu-Mitglieder Schutz in dieser Allianz suchen. Selbst im sicherheitspolitisch verträumten Deutschland wird neuerdings registriert, dass es diesen Schutz nur gibt, wenn alle ernsthaft dazu beitragen.

In der Rückbesinnung auf die Nato als militärisches Bollwerk gegen Moskauer Imperialallüren steckt allerdings die Gefahr, ihren politischen Wert zu übersehen. Eine Gefahr, die sich schon in all den geschichtsvergessenen Kommentaren nach 1991 niederschlug, die das Bündnis für tot erklärten, für aus der Zeit gefallen.

Ein Grund zum Feiern?

Das war es nie. Allein die Nato ist in der Lage eine Friedensordnung für den – inzwischen erfreulich großen – freien Teil Europas zu garantieren. Allein der Nato-Vertrag macht Großbritannien und die USA zu Teilhabern und zugleich zu Stützen dieser Ordnung. Ein Blick auf Weltgegenden, in denen Vergleichbares nicht existiert, lehrt: 75 Jahre Nato, das ist ein Grund zum Feiern. Gerade für die Deutschen, die schon am meisten von ihr profitiert haben.