Vom ersten Fotoapparat unterm Weihnachtsbaum bis zum bekannten Pressefotografen. Der Donaueschinger blickt auf Jahrzehnte voller besonderer Motive, Promis und Stadtgeschichte(n) zurück.
Franz Krickl erinnert sich noch genau: Es gab einen Basar rund um die Stadtkirche und dort habe er 1951 eine Kamera entdeckt. 15 Mark habe sie gekostet, ein Vermögen für den damals Zwölfjährigen. „Bestimmt 15 Runden habe ich um die Kamera gedreht und meiner Mutter in den Ohren gelegen, irgendwann war sie nicht mehr da und ich war wahnsinnig traurig. Dann lag sie an Weihnachten unter dem Baum“, blickt er zurück.
Mit dieser Braun Imperial Boxkamera begann seine Leidenschaft für die Fotografie. Ein Film habe damals 60 Pfennig gekostet. „Das Geld dafür fischten wir uns mit Magneten aus der Donauquelle und kauften uns die Rollfilme beim Schwarz-Fotogeschäft“, erzählt er. Seine Handgriffe an der antiken Kamera wirken immer noch vertraut. Er zeigt den Knopf, mit dem er nach jeder Aufnahme den Film weiterdrehte, bis im kleinen Sichtfenster die nächste Bildnummer erschien. Einstellungen gab es kaum: Blende und Verschlusszeit waren fest.
Fotografieren war damals vor allem Handwerk. Filmauswahl und Entwicklung mussten sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Das Entwickeln war ein mehrstufiger Prozess, den Franz Krickl damals selbst ausführte. „Die Negative von dem Ding habe ich noch heute“, sagt er und lacht. Als Autodidakt brachte er sich die technischen Zusammenhänge des Fotografierens selbst bei. „Komischerweise waren mir die optischen Gesetze völlig klar. Wie das zusammenhängt, mit der Blende und mit der Verschlusszeit und der ganzen Optik vorn.“
„Damit ging es dann richtig los“
Franz Krickl machte eine Ausbildung bei der Post und für ein paar Jahre trat die Fotografie in den Hintergrund, bis er sich Anfang der 1960er-Jahre die erste Spiegelreflexkamera kaufte. Eine Exa 1a. „An dieser Kamera war alles auswechselbar, Objektive und Sucher und damit ging es dann richtig los“, erinnert sich Franz Krickl.
Besondere Freude machte ihm die Sportfotografie, und als Mitglied des Gewichthebevereins hielt er die Wettkämpfe fest, die damals bis auf Bundesliganiveau ausgetragen wurden.
Dann wurde die Zeitungsredaktion auf seine Fotos aufmerksam. „Ich weiß es noch wie heute, Sonntagmorgen um 11 Uhr habe ich die Fotos mit einem kleinen Bericht in die Redaktion getragen und der damalige Redakteur Leo Noll war begeistert.“ Franz Krickl war unter der Woche als Postler im Amt und an den Wochenenden als Fotograf für die Zeitung unterwegs. Zunächst überwiegend im Sport, ab 1968 dann zunehmend für alle Bereiche.
Musiktage als besondere Herausforderung
Vor allem seine fotografischen Tätigkeiten für die Musiktage bleiben ihm in Erinnerung. Denn dort zu fotografieren, war anspruchsvoll. „Das war irrsinnig, denn man hat kein Licht gehabt und musste mit dem arbeiten, was da war.“ Deshalb habe er stets hochempfindliche Farbfilme verwendet, diese zusätzlich hochgepusht. Statt mit 27 belichtete er diese mit 33 DIN. Entwickelt werden musste dann etwas länger als üblich, um überhaupt zu brauchbaren Bildern zu kommen.
Privat habe er keine besonderen Vorlieben für Motive gehabt. „Ich habe alles fotografiert, querbeet“, sagt er. Krickl fotografiert an Fastnacht, das Reitturnier, das Fürstenhaus. Seine Vorliebe für das letzte Festhalten von Bauwerken kurz vor ihrem Abriss brachte ihm dann den Spitznamen Ruinenblitz ein, erzählt er und zeigt eine Reihe von Bauwerken, die es heute nicht mehr gibt. Auch Menschen hat er gerne vor der Linse, wobei das heute viel schwieriger sei. „Heute sind die Menschen sehr sensibel wegen Datenschutz und Internet“, sagt er.
Mit vielen Donaueschinger Persönlichkeiten pflegt Franz Krickl bis heute freundschaftliche Beziehungen, so beispielsweise mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Bernhard Everke. „Als er damals kandidiert hat, rief mich die CDU an einem Sonntagabend um 10 Uhr an, um anzukündigen, dass ich das Foto für das Wahlplakat machen soll. Und dieses Foto, das hat Everke heute noch“, weiß er zu berichten.
Auch seine Begegnungen mit Fürst Joachim Egon Fürst zu Fürstenberg sind ihm in Erinnerung geblieben. Einmal habe er im Herbst das Jagdereignis des Fürstenhauses fotografiert. „Ich wollte dem Fürsten keine Rechnung über 20 Mark für die Fotos stellen, dann habe ich eine Kiste Moët et Chandon bekommen.“
Digitale Fotografie reizt ihn
Mit 56 Jahren, Mitte der Neunzigerjahre, verabschiedet sich Franz Krickl bei der Post in den Ruhestand. „Da war der Südkurier für mich ein gefundenes Fressen“, sagt er. Fasziniert habe er damals die Neuerungen mit der digitalen Fotografie beobachtet. „Ich bin der digitalen Fotografie hinterhergerannt. Das hat so viel Spaß gemacht, weil es so schnell ging. Rauf auf den Computer, rein in Photoshop und ein wenig bearbeiten und dann hat sich die Sache. Früher hatte man schon beim Papier hunderte Möglichkeiten ...“
Mit den Jahren baut er sich eine fotografische Sammlung auf, zu der mehrere Hundert Kameras gehören. 2003 erkrankt seine Frau und Franz Krickl zieht sich vom Fotografieren zurück. Als er schließlich 2025 mit ihr in eine Wohnung des Wohnheim Sankt Michael zieht, gibt er schweren Herzens einen Großteil seiner Sammlung auf. „Ich habe beide Augen zugemacht und die Kameras weggegeben. Nur meine Leicas, zum Beispiel die M4 und die kleine CL, die habe ich noch.“ Besonders schätzt er bis heute seine große Mamiya Universal mit 6x9-Format, Wechselobjektiven und Rückteilen. „Super“, sagt er. Vielleicht kaufe er sich dafür sogar wieder einmal einen Film.
Zur Person
Franz Krickl
kommt 1939 in der Gegend der Moldauquelle im Böhmerwald zur Welt. 1948 flieht die Familie in den Bayerischen Wald und zieht ein Jahr später nach Donaueschingen. Mit zwölf Jahren beginnt Franz Krickl mit der Fotografie, arbeitet später jedoch hauptamtlich bei der Post. 40 Jahre ist er als Fotograf für die lokale Tageszeitung tätig und langjähriges Mitglied des Fotoclubs. Über Jahrzehnte hinweg zeigt er die Veränderungen Donaueschingens in Bildern.