Dass auf dem früheren Areal von Lehmanns Bauernhof in Lahr 72 Wohnungen errichtet werden sollen, gefällt einigen Nachbarn nicht. Im Technischen Ausschuss meldeten sie sich zu Wort.
Gut eineinhalb Stunden war es eine unaufgeregte Sitzung mit sehr theorielastigen Themen. Doch als es dann um das Baugebiet in der Schwarzwaldstraße ging, wurde es plötzlich interessant: In den Zuschauerreihen hob eine Frau die Hand und fragte, ob sie etwas sagen dürfe. Tatsächlich ist es natürlich nicht erlaubt, dass sich Besucher in eine Debatte im Technischen Ausschuss einschalten.
Baubürgermeister Tilman Petters, der die Sitzung leitete, erklärte das der Frau, meinte aber, dass man auch mal eine Ausnahme machen könne, vorausgesetzt, das Gremium sei einverstanden. Allgemeines Nicken in der Ausschussrunde war die Reaktion, woraufhin dann sogar zwei Zuhörer das Wort ergriffen.
Sie würden direkt neben dem geplanten Baugebiet wohnen, ihr Haus sei kleiner als die dort vorgesehenen Gebäude, sie fürchteten Beeinträchtigungen bereits in der Bauphase und erst recht später, war zu hören. Mit ihnen habe der Investor nicht gesprochen, monierten sie außerdem.
90 Parkplätze sind geplant – das ist zu wenig, befürchtet ein Anwohner
Auch im Gremium wurde es munter, vor allem Dorothee Granderath von den Grünen meldete sich mit kritischen Nachfragen zu Wort. Zum Beispiel zum Hochwasserschutz und der Anzahl sowie Lage der Bäume, die zwischen den Neubauten errichtet werden sollen.
Die Firma BDP Immobilien aus Freiburg plant auf dem früheren Gelände von Lehmanns Bauernhof fünf Gebäude mit insgesamt 72 Wohnungen. Zur Schwarzwaldstraße hin sollen drei Gebäude mit vier Geschossen, im rückwärtigen Bereich zwei Gebäude mit drei Geschossen stehen, jeweils mit Flachdächern. Dazu soll es 90 Parkplätze geben, 39 oberirdisch und 51 in einer Tiefgarage.
Das Ganze auf einem Areal, das man durchaus als innerstädtisches Filetstück bezeichnen kann. Vor allem im hinteren Bereich dürfte es sich später gut leben lassen – dort fließt die Schutter vorbei, man hat dort seine Ruhe.
Von den Nachbarn werden die Baupläne allerdings eher skeptisch gesehen. Als der Autor das Baugebiet am Donnerstagmorgen fotografierte, kam er mit zwei Anwohnern ins Gespräch, die ihre Sorgen äußerten. Etwa, dass die Stellplätze im Baugebiet nicht reichen werden und dann die benachbarten Straßen zugeparkt werden. Oder dass überhaupt alles „zu groß“ geplant sei.
„Da baut man uns nun etwas vor die Nase“, kommentierte ein Mann mit Blick auf die Wiesenfläche auf der anderen Seite der Schutter, auf der zwei Gebäude mit Eigentumswohnungen geplant sind. Eine Anwohnerin äußerte indes ihre Skepsis zur geplanten Zufahrt zu dem späteren Wohngebiet, das von der Schwarzwaldstraße her erschlossen werden soll – „das gibt dort dann noch mehr Verkehr“. Dagegen mussten Autofahrer zu Lehmanns Bauernhof, der für die Wohnhäuser abgerissen werden soll, noch von der Martin-Luther-Straße her abbiegen.
In der Nähe der Schutter sollen die attraktivsten Immobilien gebaut werden
Jedoch: Der Investor hat seine Wünsche bereits zurückgeschraubt und etwa auf ein viertes Geschoss bei den Gebäuden in Schutternähe verzichtet. Im Hinblick auf ein mögliches Hochwasser ist im Entwurf außerdem die Tiefgarage von der Schutter weg und näher an die Schwarzwaldstraße heran gerückt worden.
Das Projekt hat eine lange und zähe Vorgeschichte, „ungefähr acht Varianten“ der Planungen seien bei der Stadt schon vorgebracht worden, verdeutlichte Petters in der Sitzung. Nun macht der Investor einen neuen Anlauf, endlich bauen zu können. Nichtsdestotrotz forderte Granderath, dass die zwei Gebäude in Schutternähe – die attraktivsten dort geplanten Immobilien – nicht genehmigt werden dürfen.
Nun ging es in der Sitzung aber nicht darum, dem Projekt die Baureife zuzubilligen, vielmehr befindet man sich in einem ganz frühen Stadium des Genehmigungsprozesses. Thema war lediglich, die Anpassung des Geltungsbereichs des Bebauungsplans gutzuheißen, den städtebaulichen Entwurf zu billigen und die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und von Behörden einzuleiten.
Die drei TA-Mitglieder der Grünen sowie Ilona Rompel (CDU) stimmten gegen den Entwurf, der Rest des Gremiums hatte nichts dagegen. Für die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit waren alle in dem Gremium.
Bleibt noch zu klären, wie es mit den Sorgen der Anwohner weitergeht. Petters erklärte den insgesamt fünf Nachbarn, die die TA-Sitzung verfolgten, dass es es ein öffentliches Verfahren sei, in dessen Rahmen sie ihre Meinung vorbringen könnten. Sei es durch persönliche Vorsprache im städtischen Bauamt, per Brief oder per Mail. „Ihre Bedenken werden dann im Gemeinderat vorgetragen“, sagte Petters in Richtung der Zuhörer. „Meine Einschätzung ist, dass der Bauantrag der Bauordnung entspricht“, stellte er indes fest.
So geht es weiter
Das Bauvorhaben an der Ecke Schwarzwaldstraße/Martin Luther-Straße steht auch auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung. Das Gremium tagt am kommenden Montag ab 17 Uhr.