Vor 700 Jahren wurde Felldorf erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorfjubiläum ist am Sonntagnachmittag gefeiert worden. Im Bürgerhaus gab es eine Ausstellung und Vorträge, die auf großes Interesse stießen.
Einen Einblick in das bäuerliche Leben bot die Ausstellung von Johanna Volk und Bärbel Haussmann. Sie hatten verschiedene Themenbereiche mit historischen Gegenständen, zum Teil aus eigenen Beständen, gestaltet. Eine große Rolle spielte die Kirche im Dorf. Heiligenbilder, Devotionalien, Kreuze oder Kerzen zeugten von der Frömmigkeit der Dorfbewohner. Ein weiteres Thema war der Landwirtschaft und dem Handwerk gewidmet. Die Ausstellung veranschaulichte auch, wie in einem Felldorfer Bauernhaus gewohnt wurde, wie man kochte und große Wäsche machte. Die Besucher durften sogar einen Blick in die Schlafkammer werfen.
Auf einer Stellwand befand sich die Kopie der Urkunde mit der ersten Erwähnung Felldorfs im Jahr 1324, und zwar im Zusammenhang mit dem Laienzehnten und „Renhard Magenzer“, der in Felldorf wohnte. In der Horber Oberamtsbeschreibung werde Felldorf als ein freundlicher Ort mit körperlich kräftigen Bürgern beschrieben, erzählte Evi Duffner bei ihrem Vortrag über die jüngere Dorfgeschichte. Sie lebten offenbar auch sehr gesund, denn sie erreichten ein hohes Alter. 632 Einwohner zählte Felldorf im Jahr 1865, danach ging die Bevölkerung stark zurück. Auswanderungen seien mit ein Grund dafür gewesen.
Die Schlossherrschaft von Ow prägte lange Zeit die Geschichte der Ortschaft. Das Schloss, zuletzt allerdings im Besitz des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, bildete zusammen mit der Kirche den Ortsmittelpunkt. Das herrschaftliche Gebäude wurde 1886 abgerissen, warum, das „wissen wir nicht so genau“, bedauerte die Referentin. Das heutige Rathaus war früher das Forsthaus.
Fotos zeigen Neubau der Kirche
Evi Duffner zeigte viele alte Fotos, etwa vom Neubau der Kirche Ende der 1960er-Jahre. Eine Renovierung der alten Kirche hatte sich nicht mehr gelohnt, vor allem wegen des auf dem Dach aufgesetzten Turms, erklärte einer der Senioren, die ihr Wissen in den Vortrag mit einbrachten. Die Kirche war damals auch zu klein geworden, „heute wäre sie ausreichend genug“, meinte Evi Duffner. Beim Neubau habe die ganze Gemeinde zusammengestanden. Der Kirchengemeinderat sammelte Geld zur Finanzierung. Alle vier Wochen war das Opfer für das Bauvorhaben bestimmt, und da kam auch etwas zusammen. Die alte Kirche sei bei den Gottesdiensten immer voll gewesen. Bei den Haussammlungen ist ebenfalls viel Geld eingegangen, auch von denen, so Evi Duffner, die wenig hatten. Die Kirchweihe war 1969, fünf Jahre später ist mit dem Abriss der alten Kirche begonnen worden.
Eine Besonderheit in Felldorf ist die Wendelinusprozession nach Trillfingen. Sie wurde ursprünglich abgehalten, damit der Ort nicht mehr von der für die Bauern verheerenden Maul- und Klauenseuche heimgesucht wurde. Einmal fiel sie aus, drei Wochen später stellte sich die Viehseuche ein. Seither finde die Prozession wieder jährlich statt, „aber mit immer weniger Beteiligung“.
Heuernte mit dem Fuhrwerk
Duffner zeigte Bilder von der Heuernte mit dem Fuhrwerk. Kinder mussten ganz selbstverständlich mitarbeiten, sogar Verwandte, die aus Amerika angereist waren, halfen dann aus. „Man hat mit Besuchern nicht nur Kaffee getrunken“, wusste Duffner. Ein große Errungenschaft waren die ersten Bulldogs und Mähdrescher. So mancher Besucher fand sich auf den Fotos von Kommunionjahrgängen, Hochzeitszügen oder Festen als Kind oder Jugendlicher wieder.
Das Vereinsleben hat schon zu einem frühen Zeitpunkt im Dorf Einzug gehalten. Der Gesangverein Frohsinn wurde bereits 1898 gegründet, seit 1911 gibt es den Sportverein. An den alten Sportplatz können sich noch viele Ältere erinnern: Er war nämlich so buckelig, dass der eine Torwart den anderen nicht mehr gesehen habe. Die Gründung des Gebirgstrachtenvereins war 1954, 1976 ist die Narrenzunft ins Leben gerufen worden. Die Vereine prägen bis heute das Dorfleben.