In den vergangenen Wochen fiel 70 Prozent weniger Regen als im Schnitt der vergangenen Jahre. Das Landratsamt Calw erklärt, welche Folgen das nach sich ziehen kann – und was der fehlende Niederschlag mit der Pflanzenwelt macht.
Wann hat es im Kreis Calw eigentlich zuletzt richtig geregnet? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, dürften die meisten Menschen ins Grübeln geraten. Fest steht: Der Frühling fällt dieses Jahr ungewöhnlich trocken aus.
So trocken, dass die Pegelstände von Bodensee, Rhein oder auch Elbe teils auffällig niedrig ausfallen und Schlagzeilen machen. Und dass der Deutsche Städtetag dieser Tage zu einem sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufrief.
Welche Folgen können Mensch und Natur nun drohen? Das Calwer Landratsamt gibt auf Anfrage unserer Redaktion einen Überblick.
Fiel in den vergangenen Wochen wirklich deutlich weniger Regen als üblich?
Aus den Angaben der Behörde geht klar hervor: Es war wesentlich trockener als sonst. Insgesamt sei im März 70 Prozent weniger Niederschlag verzeichnet worden als im Durchschnitt der vergangenen Jahre während des gleichen Zeitraums. Das berichtet Mara Müssle, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes, nach Rücksprache mit den entsprechenden Fachabteilungen.
Inwiefern macht die Trockenheit der Pflanzenwelt zu schaffen?
Generell, so führt die Sprecherin aus, könne für die Landwirtschaft keine pauschale Aussage getroffen werden, „da der Bedarf unserer Kulturpflanzen an Niederschlag sehr unterschiedlich ist und von vielen Faktoren abhängt“. In den meisten Fällen sei es bis jetzt noch nicht dramatisch. „Aber natürlich sollte es, ja nach Kultur und Bodengegebenheit, in den nächsten ein oder zwei Wochen regnen.“
Ein besonders nasses Frühjahr sei in der Regel allerdings noch schlechter für die Landwirtschaft ist als ein trockenes.
Zudem brächten aktuell weniger die Trockenheit, sondern eher Nachtfrost und kalte Winde das Wachstum der Kulturpflanzen zum Stocken. Die Trockenheit habe sogar Vorteile gebracht – und zwar für die Befahrbarkeit der Flächen für Aussaat, Pflanzenschutz oder Düngung.
Niederschläge wären nun zwar hilfreich, „jedoch sind durch dessen Ausbleiben bislang keine schicksalsträchtigen Konsequenzen entstanden“, erklären die Experten. „Vorausgesetzt es geht, wie bereits erwähnt, nicht noch ein oder zwei Wochen ohne Regen weiter.“ Letzteres legen manche Wetterprognosen indes für die kommenden Tage nahe.
Welche Ackerpflanzen leiden am meisten?
„Die Sommerkulturen benötigen die Niederschläge jetzt etwas dringlicher als die Winterkulturen“, schreibt Müssle in ihren Ausführungen. Winterkulturen seien in der Regel besser verwurzelt und könnten so das im Boden verfügbare Wasser besser nutzen.
Auch im Grünland stocke unterdessen das Wachstum mehr aufgrund der kalten Nächte als wegen des geringen Niederschlages. Der erste Schnittzeitpunkt für Silofutter werde sich wohl etwas nach hinten verlagern und die Qualität des Grundfutters werde unter Umständen etwas schlechter sein als sonst. Intakte Böden könnten Trockenperioden aber grundsätzlich abpuffern.
Wie reagieren Pflanzen auf die Trockenheit?
„Geht den Pflanzen das Wasser aus, schließen sie ihre Spaltöffnungen an den Blättern. Dadurch schützen sie sich vor Austrocknung. Normalerweise geben die Pflanzen durch diese Öffnungen Wasser und Sauerstoff nach außen ab und nehmen Kohlendioxid auf“, heißt es in der Antwort aus dem Landratsamt.
Die Folgen: Sind die Spaltöffnungen geschlossen, kann die Pflanze auch keine Photosynthese mehr betreiben – „was zum Stocken des Wachstums führt und Ertragseinbußen für die Landwirtschaft mit sich bringt“.
Was bedeutet die Trockenheit für die Waldbrandgefahr?
Gute Nachrichten gibt es in Sachen Waldbrandgefahr. Der Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes liege für den gesamten Landkreis Calw auf der mittleren Stufe. Entsprechend bestehe momentan in keinem Waldgebiet eine erhöhte Brandgefahr.
Grundsätzlich gelten zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober jeden Jahres aber ohnehin bereits besondere Vorschriften. In dieser Zeit herrscht etwa ein generelles Rauchverbot im Wald.
Darüber hinaus ist offenes Feuer im Wald nur an offiziellen, fest eingerichteten Feuerstellen auf Grillplätzen erlaubt. Bei erhöhter Waldbrandgefahr können diese zudem von den Kommunen gesperrt werden. Außerhalb des Waldes muss offenes Feuer mindestens 100 Meter vom Waldrand entfernt sein.
Wie sieht es in Sachen Pegelstände der Gewässer im Kreis Calw aus?
Noch haben Nagold und Co. nach Angaben des Landratsamtes nicht alarmierend wenig Wasser. „Im Moment befinden sich die Pegelstände im Kreis Calw noch im unteren Bereich des Mittelwasserabflusses“, berichtet Müssle – also im Bereich des langjährig gemessenen Durchschnitts. Aber: „ Die Wasserstände unserer Gewässer sind für diese Jahreszeit, im Vergleich zu den Jahren zuvor, jedoch zu niedrig.“
Das Landratsamt habe das im Blick und könne, sollte es nötig werden, die Wasserentnahmen aus Gewässern einschränken. Im Sommer 2022 war erstmals überhaupt im Kreis Calw ein diesbezügliches Verbot verhängt worden. Und im Sommer 2023 gleich nochmals. Zuvor war dies noch nie vorgekommen, hatte die Behörde damals auf Anfrage erklärt.