Chinas Wirtschaft legt wieder zu, liegt mit 7,5 Prozent Wachstum aber immer noch weit hinter dem zweitstelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte zurück. Sollte es so weitergehen, droht das langsamste Wachstum seit 24 Jahren.

Chinas Wirtschaft legt wieder zu, liegt mit 7,5 Prozent Wachstum aber immer noch weit hinter dem zweitstelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte zurück. Sollte es so weitergehen, droht das langsamste Wachstum seit 24 Jahren.

Peking - Chinas Wirtschaft gewinnt wieder etwas an Schwung. Im zweiten Quartal dieses Jahres zog das Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt leicht auf 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an, wie das Statistikamt in Peking mitteilte.

Es lag damit leicht über Analystenerwartungen. In beiden Quartalen zuvor hatten sich der Zuwachs auf zuletzt 7,4 Prozent verringert - das langsamste Wachstum seit 18 Monaten.

China liegt mit den jüngsten Zahlen wieder auf Kurs für das von der Staatsführung gesteckte Ziel von 7,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Die Daten sind ein Hinweis darauf, dass sich die Wirtschaftsentwicklung in China stabilisiert und langsam wieder mehr Fahrt aufnimmt.

Forscher warnen vor falschen Angaben

Ökonomen machten Regierungsprogramme für das leichte Anziehen der Konjunktur verantwortlich. In den vergangenen Monaten hatte Peking zusätzliche Ausgaben in Form von Steuerermäßigungen und Investitionen in Eisenbahn und sozialen Wohnungsbau veranlasst. Gleichzeitig geht aus Zahlen der Zentralbank vom Vortag hervor, dass trotz der Sorge um faule Kredite Chinas Finanzinstitutionen und Staatsbanken im Juni die Wirtschaft wieder mit deutlich mehr Krediten gestützt hat. Der Umfang der Kredite wuchs auf rund eine Billion Yuan (118 Milliarden Euro) nach rund 870 Milliarden Yuan im Mai.

"Ohne einen Mikrostimulus der Regierung sähen die Wirtschaftsdaten verheerend aus", sagte die bekannte Wirtschaftskommentatorin Ye Tan der Nachrichtenagentur dpa. Der Ökonom Shuang Ding von der Citibank sagte dem "Wall Street Journal", dass die Regierungsausgaben Chinas Wirtschaft vermutlich bis ins zweite Halbjahr hinein antreiben würden.

Zudem wuchsen Bedenken von Ökonomen, dass die offiziellen Konjunkturzahlen stark verzerrt sein könnten. In mehreren Untersuchungen warnten Forscher davor, sich auf die Angaben der chinesischen Statistikbehörde zu verlassen.

Weit hinter dem Turbo-Wachstum

Aber auch mit 7,5 Prozent liegt China weit unter dem zweistelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte. Sollte es in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren. 2012 und 2013 war Chinas Wirtschaft mit 7,7 Prozent jeweils im Vergleich zum Vorjahr so langsam wie zuletzt Ende der 90er Jahre gewachsen. Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft anstoßen. Dafür will sie auch geringere Wachstumsraten in Kauf nehmen.

Wichtige Frühindikatoren deuten auf eine leichte Verbesserung der Wirtschaftslage hin. Die Industrieproduktion legte im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,2 Prozent etwas stärker als erwartet zu. Auch die Sachinvestitionen lagen mit einem Plus von 17,3 leicht über Analystenerwartungen. Gleichzeitig blieben jedoch die Einzelhandelsumsätze im Juni mit 12,4 Prozent leicht hinter den Vorhersagen zurück.

Im Vergleich zum Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert, doch sind sie für ein Schwellenland wie China mit seinem Nachholbedarf nicht hoch. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

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