Mit 67 Jahren erfüllt sich Gerd Hölle seinen Lebenstraum und wandert nach Rom – in 48 Etappen mit 6,5 Kilogramm Gepäck. Was treibt den 67-Jährigen aus dem Zollernalbkreis an?
1450 Kilometer. 48 Etappen. Von Leidringen im Zollernalbkreis nach Rom in Italien – und das alles zu Fuß. Klingt wie ein verrückter Plan, ist aber der lang ersehnte Traum von Gerd Hölle. Ende März ist der 67-Jährige aufgebrochen, um sich seinen Traum zu verwirklichen
Was treibt ihn an, diese Herausforderung und körperliche Belastung aufzunehmen? Religiöse Motive als Pilger? Selbstfindungsziele? Fehlanzeige. „Ich war vor etwa zehn Jahren das erste Mal in Rom. Diese Stadt hat mich so fasziniert, dass ich mir vornahm, wieder herzukommen, dann aber zu Fuß“, erklärt Hölle und ergänzt: „Ich betrachte diesen Weg als reine sportliche Herausforderung und um etwas Abstand zu bekommen.“
„Ich laufe einfach gerne“
Nachdem der Maschinenbauingenieur in Rente gegangen war und seinen Maschinenteil-Handel an seine Kinder übergeben hatte, war der richtige Zeitpunkt für ihn gekommen, den Traum umzusetzen. Wie hat er sich auf diese sportliche Herausforderung vorbereitet? Nicht allzu zielgerichtet, wie er erklärt: „Ich laufe einfach gerne und bin sonntags öfter Touren mit 25 bis 30 Kilometern gewandert.“ Vor ein paar Jahren nahm er zweimal an einer 24-Stunden-Tour teil, absolvierte zudem mehrtägige Touren. „Auf die Rom-Tour habe ich mich nicht speziell vorbereitet“, sagt er entspannt.
Erste fünf Tage gut gemeistert
Hölle improvisiert gerne und will sich nicht allzu eng festlegen. Die Etappen hat er zwar geplant, aber wenn es unterwegs Änderungen gibt, sei das kein Problem für ihn. Die ersten Übernachtungen hat er schon hinter sich gebracht, unter anderem in Straßberg. Von da an führte die Tour über Sigmaringen nach Kempten. Die ersten fünf Tage habe er gut gemeistert, und auch die 30 Kilometer, die er sich täglich vorgenommen hat, berichtet Hölle.
Seine weiteren Etappen führen den passionierten Wanderer durch das Allgäu, das Zugspitzgebiet bis nach Innsbruck. Es folgen der Brenner und dann Brixen in Südtirol. An Ostern möchte er im Trentino angelangt sein. Über die Trientiner Berge geht es schließlich weiter nach Venedig, von dort durch die Po-Ebene nach Orvieto und schließlich nach Rom. Die Route hat der Rentner selbst zusammengeschustert. Erst auf den letzten Etappen folgt er dem alten Pilgerweg Via Romea Germanica, der von Stade zur römischen Hauptstadt führt.
Reise mit leichtem Gepäck
Die größten Herausforderungen seien für ihn die 1000 Höhenmeter und 30 Kilometer von Nesselwang nach Reutte, zumal dort Kälte und Schneefall noch dazukommen könnten, so Hölle. Er reist mit leichtem Gepäck. Sein Rucksack wiegt gerade einmal sechseinhalb Kilogramm, inklusive eineinhalb Liter Wasser. „Ich habe mich auf das Nötigste an Wechselkleidung beschränkt“, sagt der 67-Jährige. Ins Gewicht fallen hauptsächlich die technischen Geräte, darunter das Tablet, das er zum Navigieren braucht, und eine Powerbank. Verbands- und Nähmaterial sowie dünne Barfußschuhe sind ebenfalls im Rucksack verstaut.
Die Belohnung wartet im Ziel: „Wenn ich es bis Rom schaffe, schaue ich mir die Stadt noch einmal an“, sagt Hölle. „Und dann kehre ich mit dem Zug wieder zurück, um gemächlich in den Alltag zurückzufinden“, so der Plan des Leidringers.