Die Ettenheimer Narren überzeugten nicht nur mit einem bunten Bühnenprogramm, sondern auch mit passenden Kostümen. Foto: Decoux

Die Zunft lud am Wochenende zu ihrem Narrenspiel ein. Dabei nahmen sie bekannte Gesichter aufs Korn und begaben sich auf die Suche nach einem neuen Bürgermeister.

Wie gewohnt füllte sich am Wochenende die Stadthalle an gleich zwei langen Abenden zum mittlerweile 61. Narrenspiel der Ettenheimer „Hoorig“-Narrengesellschaft. Da ging es mit jeweils rund 300 feierfreudigen und oft einfallsreich kostümierten Gästen turbulent, farbenfroh und heiter zu – heuer unter dem Motto „Wild Wild West“ samt entsprechend stilgerechter Bühnenkulisse einer Western-Stadt.

 

Gewohnt gemessenen Schrittes liefen Narrenräte, Hästräger und Babelotten der vorangetragenen großen Narrenlaterne zum Einmarsch hinterher, bevor Oberzunftmeister Sebastian Winter seine wohlgereimte Begrüßung zum Besten gab. Traditionell gebührte dann dem „Narresome“ der Vortritt. Dafür hatte Choreografin Christine Jager gleich 33 Kinder ab drei Jahren in Szene gesetzt. Auch die Hästräger tanzten umher, nämlich grüppchenweise als „Glücksbärchis“.

Die beiden als Gangsterduo komplett mit Stetsons und Revolvern schwarz gekleideten Moderatoren Daniel und Konstantin Frey sorgten für launige Überleitungen, auch wenn der Wilde Westen mal verlassen wurde. Etwa vom Narrenrat, der nämlich heuer als mittelalterliche „Äddmer Ritter“ für Bühnen-Spektakel in schnellem Kulissenzauber sogar mit Riesenthron sorgte.

Es ging nämlich um den zu ersetzenden König Bruno Metz mit Auswahl eines Nachfolgers unter skurrilen Kandidaten, darunter etwa einem armen Ritter, einem erfahrenem Greis oder schließlich einer Einhorn-Ritterin. Zur klassischen Bonanza-Melodie ritten sie zur Ausscheidung mit Steckenpferden über Hürden, bevor beim Klamauk schließlich der Hofnarr als Favorit der lieblichen Prinzessin gewann, weil er ein im Stein steckendes Sagen-Schwert heraus zog: „Warum soll nicht mal ein Narr bei uns König werden?“ Die verballhornte ins Mittelalter verlegte Bürgermeisterwahl kam beim lachfreudigen Publikum bestens an.

Narren-Nachwuchs entführt nach Italien

Elf Teenies des schon älteren Narren-Nachwuchses präsentierten sich als tanzfreudige Italiener, etwa zum zündenden Welthit „Volare“. Hier hatten gleich vier Trainerinnen für einen rauschenden Bühnenerfolg der südländisch in Gondolieri-Ringelhemden oder roten Lollobrigida-Röcken gesorgt. Nicht minder begeisterten anschließend die Ettenheimer Hähnlefeld-Hexen als längs gestreifte bunte Disco-Queens.

Die lange Tradition der Moritaten-Drehorgelsängerei nahmen Lilly, Emil und Alexander Jäger erneut auf. Jetzt nahmen sie zu gewohnt humorvollen Großzeichnungen von Christian Wenzinger die langjährigen Vorgänger Thomas Dees und Michael Frey aufs Korn. Dees als früheren Lehrer etwa mit seiner Vorliebe für Geschichte, Pudding auf Zeltlagern oder als peniblem Gartenmauer-Konstrukteur im Rentenalter. Dem Orgeldreher Frey wurde bestätigt, dass er stets nachtaktiv sei, drum tagsüber am heimischen Kachelofen schliefe und mit seinem elektronischem Rentner-Mobil nur gelegentlich am schlapp machenden Akku scheitere. Ansonsten zu Dees und Frey als Max und Moritz das Resümee in gesungener Laudatio: „Die Moral von der Geschicht´, so eine Freundschaft, die bricht nicht!“

Die närrische Reise ging auch zurück ins Barocke. Foto: Decoux

In das unterirdische Rohanpalast-Gewölbe entführten mit Marianne Hunn und Rainer Kopp zwei „Kellergeischder“, waschecht barock in Langkleid und Kniehosen samt Perücken zugepudert kostümiert. Nostalgisch trauerten sie dem früherem Prunk samt Kardinälen hinterher. Nun spuken die beiden im Keller herum, wo mal Akten lagerten und auch die Stadtkapelle Märsche bläst.

Eine weitere abendliche Tanzeinlage bestritt das 26-beinige Hoorigen-Ballett aufs Feinste. Tempostark wirbelten die Damen als entsprechend geschminkte Film-Joker über die Bühne, begeisterten mit hoher Dynamik und eindrucksvollem Einklang.

Zum Schluss bedanken sich die 129 Akteure

Traditionsgemäß sind die Babelotten der „Hoorigen“ ein Höhepunkt der Narrenspiele. Heuer nun als „Mary Poppins“ aus legendärem Musicalfilm in gleich neunfacher Ausfertigung mit perfekter Langrock-schwarzer Kostümierung samt rotem Regenschirm. Mit einem solchen war anfangs eine von ihnen filmgerecht aus dem Hallenhimmel seilstark herunter geschwebt. Textlich ließen sich die Poppins-Suffragetten etwa über kindergerechte Erziehung aus, mit Ausprobieren und Nachsicht bei passiertem Malheur. Durchaus ernsthaft: Im Kinderzimmer durch elektronischen Schnickschnack dann ausrangierte Eltern sein? Nein, lieber spielen und lachen, das Erziehungsheft wieder in die Hand nehmen. Solche Botschaften verpackten die Babelotten zwischen Gesangseinlagen, verabschiedeten sich schließlich mit gewohnt munterem Tanz unter tosendem Applaus. Schließlich beendete das sieben Cowboys starke Männerballett in entsprechenden Kostümen das rund vierstündige Programm. Auch diese Truppe kam um eine Zugabe nicht herum, bevor sich dann kurz vor Mitternacht die meisten der insgesamt 129 Narrenspiel-Akteure zum großen Finale auf der Bühne versammelten. Bis zum Schluss hatte die Stadtkapelle mit Jürgen Krieg musikalische Unterstützung geleistet, bevor anschließend Klaus Siefers in die Nacht hinein für Tanzmusik sorgte.

Info – Ehrungen

Bernhard Schwarz war als Ortenauer Vize-Vogteivogt des Verbandes der Oberrheinischen Narrenzünfte erschienen, um einige Ehrungen vorzunehmen. Er versah gleich drei „Hoorige“ für 22-jährige närrische Tätigkeiten mit dem silbernen Verbandsorden: Jutta Oberle von den Babylotten, Oberzunftmeister Sebastian Winter und Klaus Sievers.