Kammermusik und Kirchengeschichte trafen beim Konzert des Streichquintetts „Take Five“ in Grenzach aufeinander. Man hörte Meisterwerke der Gattung.
Hinter dem Namen könnte man ein Jazzquintett vermuten: „Take Five“. Doch dahinter verbirgt sich ein auf Klassik und Romantik spezialisiertes Streichquintett, verstärkt um eine zweite Bratsche. So trat diese Formation in der evangelischen Kirche in Grenzach am Sonntag auf Einladung des Vereins für Heimatgeschichte und der VHS mit zwei gewichtigen Werken von Mozart und Brahms auf.
Kirche und der Musik Reverenz erweisen
Mit solchen Konzerten, so Helmut Bauckner vom Heimatgeschichtsverein, will man der Kirche und der Musik Reverenz erweisen. Bauckner erläuterte nicht nur sehr ausführlich das Programm und die Werke, sondern ging auch auf die 600 Jahre Baugeschichte der Kirche ein, deren spätgotischer Chor zu den schönsten gotischen Chorräumen für eine Dorfkirche im Markgräflerland zähle. Es gelte, diesen Raum mit Musik zu füllen und der Kirchengemeinde damit ein Geschenk zu machen.
Musiker als große Familie
Zu den Musikern, die hier gastieren, meinte Bauckner, sie seien ein bisschen wie eine große Familie. Reverenz wurde nicht nur der Kirche und der Musik, sondern auch dem Kammermusiker Mozart erwiesen mit dem recht monumentalen Streichquintett KV 515, bei dem Mozarts Lieblingsinstrument, die Bratsche, nicht nur voll integriert war, sondern prominent zum Einsatz kommt.
Schon im Kopfsatz, noch mehr im Andante, dialogisieren die erste Geige (Primarius Robert Zimansky, der 20 Jahre Konzertmeister beim Orchestre de la Suisse Romande war) und die erste Bratsche (Teodor Dimitrov) aufs Schönste miteinander. Das war fast schon so etwas wie ein Doppelkonzert. Dieses Werk aus Mozarts Quintett-Zyklus, ein erhabenes Meisterwerk, erfuhr eine sehr empfindungsreiche Wiedergabe durch das Ensemble „Take Five“. So ergab sich ein konzentriert gelöstes Agieren; die Musik kam wie selbstverständlich daher, ist aber, wie Bauckner Mozart zitierte „die Frucht einer langen und mühevollen Arbeit“. Bratscher würden sich ja oft vernachlässigt fühlen und daher sehr freuen, solche Quintette spielen zu können.
Bestens eingespieltes Quintett
Man merkt, diese Quintett-Formation, bei der das Cello (Gunta Abele) als Verbindung in der Mitte platziert war, ist sehr genau aufeinander eingespielt, ja, man kann sagen, perfekt aufeinander abgestimmt, und hat zwei prächtig engagierte Aufführungen abgeliefert.
Neben dem pulsierenden Mozart in einer sehr gerundeten, stimmigen Interpretation mit Tiefgang und homogenem Zusammenspiel erklang das erste Streichquintett von Brahms in einer sehr warmen Empfindung und ausgeglichen in allen Stimmen.
Keine solistischen Alleingänge
Angenehm bei diesen fünf Musikern ist, dass es keine solistischen Alleingänge gibt, sondern einen musikalischen Zusammenklang und allgemeine Spielfreude. Wenn auch der sonore und dunkel-warme Ton der ersten Bratsche auch hier bei Brahms sehr positiv ins Ohr ging.
Wie Bauckner in seiner Werkbetrachtung sagte, war Brahms eine andere Tonwelt als Mozart. Er erwähnte auch das Brahms-Wort vom „Frühlingsprodukt“, das dem Quintett seinen heiteren Charakter verleihe. Man erlebte an diesem Abend also ein Stück Musikgeschichte.