November 2025: Florian Kohn (links, Bundesamt für Strahlenschutz), der Unterlengenhardter Ortsvorsteher Rainer Kraft, der Orstvorsteher von Maisenbach-Zainen Matthias Stepan, Hilmar Möhlmann (Telefónica) und Frank Gross (P + G Akquisition) diskutierten beim Infoabend mit den Bürgern. Foto: Biermayer

Große Teile der Unterlengenhardter Bevölkerung kämpfen weiter gegen den geplanten Mobilfunkmast bei Maisenbach-Zainen. Sie hoffen noch auf eine einvernehmliche Lösung.

In Unterlengenhardt gibt es weiter großen Widerstand gegen den geplanten 5G-Funkmast, den Telefonica bei Maisenbach-Zainen aufstellen will und der dann auch Unterlengenhardt mit dem aktuellen Mobilfunkstandard versorgen soll. Der Widerstand zeigte sich auch in der jüngsten Bad Liebenzeller Gemeinderatssitzung, auf unsere Berichterstattung erreichte uns eine Stellungnahme von Norbert Paydl, dem Vorsitzenden der „Initiative Mobilfunk Enz Nagold“.

 

Der Artikel beziehe sich auf Beschlüsse des Gemeinderats von Bad Liebenzell, „die in demokratischer Weise gefasst worden sind, weil sich die Gemeinderäte als gewählte Vertreter/innen in der Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger von Maisenbach und Unterlengenhardt sehen und nicht, um die ‚5G-Gegner zu besänftigen‘“, so Paydl.

Er verweist auf ein Rechtsgutachten einer Anwaltskanzlei von Rechtsanwalt Dominik Kupfer und Kollegen. So könne eine Kommune „sehr wohl durch ein Mobilfunk-Vorsorgekonzept Einfluss auf die Standortentscheidung für eine Mobilfunksendeanlage nehmen, da das Recht auf ein Vorsorgekonzept verfassungsrechtlich verbrieft ist“. Davon sei auch der Gemeinderat bei seinen Beschlüssen überzeugt gewesen.

Kleine Lösung aus wirtschaftlichen Gründen uninteressant

Argument der Telefonica sei es, den weißen Fleck der Landesstraße 343 zwischen der Abzweigung zur Maisenbacher Sägemühle und Burgzufahrt abzudecken. Nach Aussage des Netzbetreibers sei technisch eine kleine Lösung im Bereich der Landesstraße möglich, diese werde aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisiert. „Telefonica möchte die 51-Metermast-Lösung, um auch die Ortsteile Maisenbach und Unterlengenhardt zu bestrahlen und darüber hinaus die geschaffenen Antennenplätze anderen Netzbetreiber gegen Entgelt zu Verfügung zu stellen, damit sich die Investition auch lohnt“, so Paydl. Also gehe es „doch nur um das ‚liebe Geld‘, nicht aber um die Gesundheit und die Lebensgrundlage der betroffenen Menschen“, deren Interessen die Initiative in der Sitzung vertreten habe.

Die im Artikel erwähnte Elektrohypersensibilät (EHS) sei laut einem EU-Papier zu Auswirkungen des 5G-Ökosystems (TEN 746, Nr. 4.13) vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss als Krankheit anerkannt.

Eindeutige wissenschaftliche Beweise fehlen

Und selbst wenn das Bundesamt für Strahlenschutz „gebetsmühlenartig“ vorbringe, die vielen Studien zu den Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung entsprächen nicht dem wissenschaftlichen Standard, „zeigen diese Studien dennoch, dass sich hochfrequente Strahlung negativ auf den menschlichen Organismus auswirken kann und deshalb verstärkt erforscht werden muss“, so Paydl weiter. Dies fordert nicht nur die WHO, auch in der EU und in regierungsnahen Institutionen gebe es solche Überlegungen.

Dem Bundesamt für Strahlenschutz selbst sei es bisher nicht gelungen, eindeutige wissenschaftliche Beweise für das Gegenteil vorzulegen. Vielmehr entstehe der Eindruck, dass das Bundesamt für Strahlenschutz weniger die Interessen der Bevölkerung zum Schutz gegen Mobilfunkstrahlung, sondern eher die Interessen der Mobilfunkbetreiber zum Ausbau des Mobilfunknetzes und damit zur Erhöhung der Strahlenbelastung vertritt, behauptet die Initiative weiter.

Hoffnung auf einvernehmliche Lösung besteht weiter

Wie es letztlich weiter geht, bleibe abzuwarten. „Die Baubehörde der Stadt Bad Liebenzell hat jedenfalls innerhalb der vorgegebenen Frist den jetzigen vorgesehenen Standort abgelehnt und Telefonica gebeten, alternative Standorte zu prüfen, um den weißen Fleck der L 343 abzudecken“, so Paydl. Passiert sei aber nichts mehr, von daher müsse man sich fragen, „ob das Verhalten der Telefonica in dieser Sache als unangreifbar einzustufen ist“. Vielleicht sei durch den Kompromissvorschlag des Gemeinderats eine einvernehmliche Lösung unter Einbeziehung beider Interessen doch noch möglich, hofft er.