Einstiegsgehälter 5670 Euro unter 30 - das geht mit Ausbildung
Junge Ärzte und Ingenieure freuen sich über ihre Kontostände. Doch auch die Einstiegsgehälter anderer Berufe können sich sehen lassen. Wer früh im Job gutes Geld verdient.
Geld ist nicht alles. Aber ein ordentliches Gehalt ist für junge Menschen unbestritten oft der größte Faktor bei der Berufswahl. Wer eine gut bezahlte Arbeit wählt, braucht sich um Geld keine Sorgen zu machen. Besonders reizvoll: Jobs, die mit hohen Einstiegsgehältern locken. Doch in welchen Berufen gibt es den Geldsegen zum Karrierestart? Und welche Faktoren entscheiden über ein gutes Gehalt?
Klar ist: Obwohl auch nach einer Ausbildung gut verdient werden kann, macht sich ein Uni-Studium zum Karrierestart oft bezahlt. So verdienen Berufseinsteiger ein Bruttomediangehalt von 47.000 Euro, wenn sie einen Hochschulabschluss haben. Ohne Studium sind es 38.400 Euro – also 22 Prozent mehr mit Studium. Für Topverdiener ist sogar noch weit mehr drin.
Wer in der Verdienst-Spitzenliga spielt
„Hohe Gehälter in jüngeren Jahren kann man zumeist dort erreichen, wo sehr spezielle Kenntnisse benötigt werden und die Personen mit diesen Kenntnissen auch relativ knapp sind“, sagt Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Der Experte weiß: Wer Jura, Medizin oder Informatik studiert, hat beste Aussichten auf ein Top-Gehalt schon zum Karrierebeginn. Auch frisch gebackene Ingenieure spielten oft gleich in der Verdienst-Spitzenliga.
Aufschluss über Top-Einstiegsgehälter gibt der aktuelle Gehaltsreport von Stepstone. In dem Ranking der Recruiting-Plattform liegen die Mediangehälter zwischen 62.000 Euro und 56.250 Euro – das heißt, 50 Prozent der Berufseinsteiger in diesen Jobs verdienen in den ersten beiden Berufsjahren mindestens so viel. Der Befund: Neben Medizin, IT und Rechtswissenschaften lohnen sich aus finanzieller Perspektive beim Berufseinstieg vor allem Studiengänge im Bereich des Ingenieurwesens.
Berufseinsteiger mit Uni-Abschluss – das sind die 10 Top-Gehälter
1. Assistenzarzt (62.000 Euro)
2. Aktuar (60.750 Euro)
3. Software-Architekt (60.000 Euro)
4. Rechtsanwalt (59.750 Euro)
5. Managing Consultant (59.250 Euro)
6. Machine Learning Engineer (59.000 Euro)
7. Data Scientist (58.750 Euro)
8. Data Engineer (57.000 Euro)
9. Qualitätsingenieur (56.500 Euro)
10. Entwicklungsingenieur (56.250 Euro)
5.670 Euro im Monat – auch mit Ausbildung möglich
Wer viel Geld verdienen will, braucht aber nicht unbedingt einen Uni-Abschluss. „Auch mit Ausbildungsberufen, sowie insbesondere mit anschließender Fortbildung etwa zum Meister oder Techniker, lassen sich hohe Gehälter erzielen“, sagt Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Topverdiener unter den Fachkräften im Alter von 20 bis 39 Jahren arbeiten seinen Angaben zufolge in der Technischen Forschung und Entwicklung. Bruttomedianlohn: 5.670 Euro.
In den vergangenen Jahren haben Ausbildungsabsolventen bei den Löhnen aufgeholt. IW-Experte Werner rechnet vor: „Im Durchschnitt verdienen knapp drei von zehn Fortbildungsabsolventen Stundenlöhne, die über den mittleren Stundenlöhnen von Akademikern liegen.“ Ob im Gartenbau oder Transportwesen, in der Floristik oder der Kunststoffherstellung – in etlichen Berufen verdienen sie mehr als Studierte.
„Nicht jeder Betrieb zahl Spitzengehälter“
Zudem zahle sich ein Studium im Vergleich zum Meister oder Techniker häufig erst spät im Erwerbsleben aus. IW-Experte Werner rät: „Personen, die früh eine Familie gründen wollen, sind damit über Aus- und Fortbildung besser in der Lage.“ Eine Berufsausbildung liefere häufig schneller im Leben mehr Einkommen als ein Uni-Abschluss – auch wenn am Ende des Erwerbslebens das Studium vorne liege.
Beim Gehalt kommt es aber immer auch auf die Firma an. „Nicht jeder Betrieb kann Spitzengehälter zahlen. Und nicht jeder Betrieb kann die Kenntnisse und Fähigkeiten so optimal einsetzen, dass eine hohe Bezahlung möglich ist“, sagt IAB-Experte Gartner. Seinen Worten zufolge zahlen große Betriebe im Durchschnitt mehr als kleine. Und: In Ballungsräumen werde oft mehr bezahlt als anderswo, weil höhere Lebenskosten ausgeglichen werden müssen.
Jobwahl – Geld ist nicht alles
IW-Experte Werner nennt noch einen weiteren Faktor, der die Verdiensthöhe beeinflusst: „Wenn Absolventen in Jahren mit guter Arbeitsmarktlage in den Arbeitsmarkt eintreten, erzielen sie tendenziell höhere Lebenseinkommen.“ Negativ wirkten sich hingegen Krankheiten, Arbeitslosigkeit und in geringem Umfang auch Erwerbsunterbrechungen durch Elternzeit auf das Einkommen aus.
Wenn der bestmögliche Arbeitgeber gefunden werden soll, spielt auch der Zufall eine gewisse Rolle. „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, ist ein Vorteil. Kontakte, ein gutes Netzwerk und gute Informationen über Beschäftigungsoptionen kann da viel helfen“, empfiehlt IAB-Experte Gartner.
Doch welche Rolle sollte Geld bei der Jobwahl überhaupt spielen? „Jungen Menschen raten wir, sich nach Ihren Interessen, Neigungen und Talenten zu entscheiden“, sagt IW-Experte Werner. IAB-Fachmann Gartner stimmt zu: „Sicher sollte man auf Gehaltsperspektiven ein Auge haben.“ Aber letztendlich sollte die Arbeit Spaß machen.