Er ist nicht nur der älteste, sondern auch der dienstälteste Taxifahrer der Stadt: Im November wird Otto Pfaff 80 Jahre alt.
VS-Villingen - Taxifahren will er "so lange, bis es nicht mehr geht". Obwohl er zum Jahresende Konzession und Mercedes an seinen jüngeren Mitarbeiter übergeben will, hegt er nur wenige Pläne für seinen Ruhestand. Er werde dem neuen jungen Chef weiterhin aushelfen– getauschte Rollen quasi. Und wenn dann doch noch etwas Zeit bleibe, "baue ich meine Modelleisenbahn wieder einmal auf". Essen auf Rädern auszufahren oder Apotheken- und Krankenfahrten zu übernehmen könne ihn auch reizen.
Diskretion machen einen guten Taxifahrer aus
Otto Pfaff könnte Bücher schreiben oder tagelang erzählen von seinen Erlebnissen in 51 unfallfreien Jahren als Taxifahrer. Doch er hält sich eher bedeckt, verrät nicht viel über seine Fahrgäste. Diskretion und ein freundliches, den Menschen zugewandtes Wesen machen einen guten und beliebten Taxichauffeur aus, findet er.
Doch dann plaudert er doch ein bisschen aus dem Nähkästchen. Von der älteren Dame, die ihn fast täglich für ihre Einkaufsfahrten bucht und für die er Getränkekisten in die Wohnung schleppt. Vom Winter 1971, als er auf einer Fahrt nach Vöhrenbach auf der Friedrichshöhe in einer meterhohen Schneewehe steckenblieb und gemeinsam mit seinen Fahrgästen, drei jungen Burschen, bei eisiger Kälte Hilfe holen musste.
Schlimmes wie man es aus dem Fernsehen kennt, einen Raub oder einen Überfall, habe er zum Glück nie erlebt, "obwohl es das hier auch gab". Auch von einem Verkehrsunfall blieb er verschont. Im Rückblick fällt ihm auf die Frage, wie sich das Taxifahren in fünf Jahrzehnten verändert habe, sofort ein Satz ein: "Früher waren die Fahrgäste lustiger drauf".
"Ich wollteHerrenausstatter werden"
Otto Pfaff ist gebürtiger Villinger und der älterer Bruder von Lothar Pfaff, dem einstigen Löwen-Wirt. Nach dem Besuch der Bubenschule (die heutige Karl-Brachat-Realschule) stand die Berufsausbildung an – im zarten Alter von noch nicht einmal 14 Jahren. Seine Mutter hätte ihn gern bei der Post gesehen, seine Tanten und Großeltern wollten aus ihm einen Pfarrer machen. Otto Pfaffs Interesse lag aber ganz woanders. "Ich wollte Herrenausstatter werden", erzählt er. Um das Handwerk von der Pike auf zu lernen, stellte er sich in der damals in der Herdstraße angesiedelten Seidenweberei Gebhardt vor, begann 1959 mit der Weberlehre und wurde hernach vom Betrieb übernommen.
Mit kleinen Nebenjobs – unter anderem für die Firmen Ruf und Herr in der Bleiche- und der Gartenstraße (heute General-Horn-Straße), einstige Zulieferer der Kuckucksuhrenherstellung – verdiente er sich stets etwas dazu. Für das frühere Lebensmittel- und Feinkostgeschäft Heinzmann in der Rietstraße holte er frühmorgens frisches Gemüse ab, das direkt von der Reichenau am Bahnhof ankam. Dort knüpfte er erste Kontakte zu Taxifahrern und die Idee, mit 21 den Taxiführerschein zu machen, wurde geboren.
Ab 1961 fuhr Otto Pfaff so oft er konnte als Aushilfsfahrer und lernte diesen Job lieben. So sehr, dass er sich 1970 darin selbstständig machte und für 15 000 D-Mark eine Konzession erwarb. Die Kündigung in der Seidenweberei kam genau richtig – nur wenige Monate später ging sie in Konkurs.
Citroën DS ist sein erstes Taxi
Zu seinem ersten Taxi erkor er einen Citroën DS. Die französische "Göttin" war ursprünglich dunkelgrün, musste zum obligatorischen Taxi-Schwarz umlackiert werden. "In Villingen stationierte französische Soldaten bestanden darauf, in diesem Fahrzeug chauffiert zu werden", erinnert sich Otto Pfaff lachend.
Beim ersten autofreien Sonntag 1971, an dem nur Taxen fahren durften, war er die Attraktion. Inzwischen fährt er Mercedes – der erste kostete ihn 18 000 D-Mark – und fällt heute mit dessen Farbe auf, seit dem das "Elfenbein" nicht mehr verpflichtend ist: "champagner".
Seinem Diesel widmet er viel Zeit und Hingabe, hält den Innenraum akribisch sauber. Auch das sei für ihn Kundenservice, sagt er. "Wer will denn schon in einem schmutzigen und vermüllten Auto fahren?".
Eben erst wieder auf Herz und Niere geprüft
Gerade hat Otto Pfaff eine neue, für Taxifahrer alle fünf Jahre verpflichtende Tauglichkeitsprüfung bestanden. Auf Herz und Niere sei er dabei geprüft worden, Reaktion, körperliche Fitness, Sehkraft, Fahrtechnik, Reaktionsvermögen. Er hat bestanden – mit knapp 80 Jahren. Älter werdenden Fahrzeuglenkern solche Tests vorzuschreiben, das wolle er nicht fordern, "aber gut wäre es schon", sagt er.
Ob er ab jetzt noch weitere fünf Jahre Taxi fahren wird, das lässt er offen. Seinem 26-jährigen Nachfolger hat er fürsorglich ans Herz gelegt, das unternehmerische Risiko erst nach der Pandemie auf sich zu nehmen. Als Taxifahrer mit Einzelunternehmen heute eine Familie zu ernähren, sei kaum mehr möglich. Er und seine Ex-Frau Lotte, von der er zwar seit Jahren geschieden aber bis heute befreundet ist, konnten den gemeinsamen Sohn Peter noch auf eine Privatschule schicken und studieren lassen.
Bis zum Ende des Jahres bleibt Otto Pfaff noch sein eigener Chef, dann unterstützt er seinen Nachfolger, so gut und so lange er kann.